Industrieland : Alles über die Industrie in Österreich

Ein Arbeiter bei der Schweißarbeit in einem metallverarbeitenden Betrieb. Viel Stahl- und Eisenindustrie etwa findet sich in Oberösterreich.

In den österreichischen Bundesländern gibt es verschiedene industrielle Schwerpunkte. Viel Stahl- und Eisenindustrie etwa findet sich in Oberösterreich.

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Österreich ist ein kleines Land, doch nicht ausschließlich vom Tourismus geprägt. Die produzierende Industrie spielt eine wesentliche Rolle und Österreich ist auch ein wichtiges Exportland. In diesem Artikel werden alle grundlegenden Fakten zur Industrie der Alpenrepublik dargelegt.

Inhalt:

  • Österreichs Industrie in a Nutshell
  • Industriezweige
  • Größte Unternehmen
  • Regionale Schwerpunkte
  • KMU
  • Umsatz
  • Mitarbeiter

Welche Industrie gibt es in Österreich?

Österreich hat mehrere wichtige Industriezweige. Die wohl wichtigsten heimischen Industrien sind: die Nahrungsmittelindustrie, Maschinenbau und Stahlbau, Chemieindustrie, Fahrzeugindustrie, Elektro- und Elektronikindustrie, sowie die Holz- und Papierindustrie.

Wie viel Gas diese wichtigen Branchen benötigen, lesen Sie hier!

Der Export macht rund 60 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsproduktes aus. Außerdem ist er direkt oder indirekt für jeden zweiten Arbeitsplatz im Land verantwortlich. Die oben angeführten Industrien machen einen Großteil des Exports aus.

Durch die Intensität der Lebensmittelindustrie hat Österreich nahrungsmitteltechnisch einen hohen Selbstversorgungsgrad. Mit einer Produktion von 237.800 Tonnen Lebensmittel pro Jahr ist weit mehr als die Hälfte des Eigenbedarfs abgedeckt. Das größte Unternehmen in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie ist Red Bull.

Welche sind die größten Industrieunternehmen in Österreich?

Gemessen am Umsatz im Jahr 2021 sind die größten Unternehmen in Österreichs Industrie:

Die OMV mit 35,5 Milliarden Euro Umsatz. Der Mineralöl- und Chemiekonzern mit Sitz in Wien zählt weltweit über 22.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen machte zuletzt ein Umsatzplus von über 100 Prozent.

Die Voestalpine mit fast 14 Milliarden Euro Umsatz. Der Stahl- und Technologiekonzern mit Sitz in Linz beschäftigt im In- und Ausland über 50.000 Mitarbeiter.

Borealis
mit über zehn Milliarden Euro Umsatz, was einem Plus von fast 50 Prozent gegenüber 2020 entspricht. Der Kunststoffhersteller ist eine Tochter der OMV und hat fast 7.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen aus der Petrochemieindustrie sitzt in Wien.

Mondi
mit über 7,5 Milliarden Euro Umsatz. Das Verpackungs- und Papierunternehmen mit Hauptsitz in Wien zählt über 26.000 Mitarbeiter.

Andritz
mit fast 6,5 Milliarden Euro Umsatz. Das Unternehmen für Maschinen- und Anlagenbau mit Sitz in Graz machte im Jahresvergleich gegenüber 2020 zwar ein kleines Minus, ist aber immer noch eines der größten Industrieunternehmen Österreichs. Und mit annähernd 27.000 Mitarbeitern auch ein wichtiger Arbeitgeber.

Das gesamte Ranking der größten Industriebetriebe Österreichs finden Sie hier: Die Top 250!

Zum internationalen Vergleich: Das wohl größte Industrieunternehmen der Welt ist die China National Petroleum Corporation, kurz CNPC. Der staatliche chinesische Ölkonzern macht über 400 Milliarden US-Dollar Umsatz und beschäftigt über eine Million Menschen.

Werk des Papierherstellers Mondi in Frantschach
Der Papierproduzent Mondi hat seinen Hauptsitz in Wien. Im Bild ist das Werk in Frantschach zu sehen. - © Mondi

Wo wird in Österreich produziert?

In Österreich gibt es unterschiedliche regionale Schwerpunkte hinsichtlich der größten Industrien.

In Oberösterreich liegt der Fokus auf der Eisen-, Stahl-, Chemie- und Maschinenbauindustrie; in Salzburg auf der Elektro-, Holz- und Papierindustrie; in Vorarlberg auf der Textilindustrie; in Kärnten auf der Holz- und Papierindustrie; in der Steiermark auf Kraftfahrzeugen, der Eisen- und Stahlindustrie, sowie der verarbeitenden Industrie; und in Tirol auf Glas und Holz.

Lesen Sie hier über das älteste Industrieunternehmen Vorarlbergs: Markus Comploj – Der letzte Textilfabrikant

Währenddessen ist Niederösterreich sehr diversifiziert aufgestellt. In Wien gibt es im Bundesländervergleich keinen großen Fokus auf produzierende Industrien. Aber auch hier gibt es große Produzenten, etwa Wienerberger und viele der erfolgreichsten Industrieunternehmen Österreichs haben ihren Hauptsitz in Wien. Daneben ist die Bundeshauptstadt vor allem für die Finanzindustrie bekannt.

Chemieindustrie und Stahlindustrie in Linz, Oberösterreich
In Oberösterreich liegt ein großer Fokus auf der Chemieindustrie. - © Adobe/Wolfgang

Wie viele Industriebetriebe gibt es in Österreich?

Insgesamt gibt es in Österreich rund 80.000 Industriebetriebe – Tendenz steigend. Als solche bezeichnet man Betriebe, die sich der gewerblichen Gewinnung, Bearbeitung und Weiterverarbeitung von Rohstoffen oder Zwischenprodukten und der Herstellung von Endprodukten widmen.

Wie viele KMU gibt es in Österreich?

385.000 Unternehmen – das sind unglaubliche 99,6 Prozent – der österreichischen Unternehmen sind Klein- und Mittelbetriebe. An dieser hohen Zahl erkennt man, wie wichtig KMU für die heimische Wirtschaft sind. Insgesamt zählen sie über zwei Millionen Beschäftigte und erwirtschaften annähernd fünf Milliarden Euro Umsatz.

Von all diesen KMU sind wiederum 87 Prozent Kleinstbetriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern.

Viele der österreichischen KMU sind in der produzierenden Industrie daheim. Stand 2020 gibt es 25.800 kleine und mittlere Unternehmen, die Waren herstellen. Sie machen 316.000 Mitarbeiter, über 12.000 Lehrlinge und 70 Milliarden Euro Umsatz (netto) aus. Die Bauindustrie zählt 38.400 KMU mit 263.700 Mitarbeitern, 15.500 Lehrlingen und 42 Milliarden Euro Umsatz.

Wie groß ist ein mittelständisches Unternehmen?

Eine verbindliche Definition, ab wann ein Unternehmen klein oder groß ist, gibt es nicht. Meist gilt aber: Ein Kleinbetrieb (im Gegensatz zu Kleinstbetrieb) hat bis zu 49 Mitarbeiter und bis zu zwei Millionen Euro Umsatz; ein mittleres Unternehmen hat bis zu 249 Mitarbeiter und bis zu 50 Millionen Euro Umsatz. Ein Großunternehmen hat mindestens 250 Mitarbeiter und über 50 Millionen Euro Umsatz.

KMU sind mit 99,6 Prozent Anteil das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft.
KMU sind mit 99,6 Prozent Anteil das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft. - © rh2010 - stock.adobe.com

Wie viel Umsatz macht Österreich mit der Industrie?

Im Jahr 2021 erwirtschaftete die Industrie in Österreich einen Umsatz von rund 280 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr (219 Milliarden Euro) ist dies eine Steigerung von 27,8 Prozent. Die 250 größten Unternehmen erwirtschafteten im Jahr 2021 einen Umsatz von 220 Milliarden Euro. Das sind rund 78 Prozent des Gesamtumsatzes der Industrie.

Die größte Einzelbranche ist die Metalltechnische Industrie mit 45,2 Milliarden Euro Umsatz, vor der Gas- und Wärmeversorgung (36,7 Milliarden Euro) und der Elektroindustrie (19,5 Milliarden Euro).

Die Industrie ist nach dem Handel- und Dienstleistungsgewerbe die zweitgrößte Branche. Sie trug im Vorjahr 28,7 Prozent zur heimischen Bruttowertschöpfung bei. Das ist ein 10-Jahres-Rekordwert. Im Vorjahr waren es 28,4, im Jahr 2019 28,1 Prozent der Österreichischen Bruttowertschöpfung.

Österreich ist ein Exportland und die Industrie macht einen wichtigen Teil des BIP aus. Die wichtigsten Exportgüter sind Maschinen, Fahrzeuge, chemische Erzeugnisse und bearbeitete Waren. Der wichtigste Handelspartner ist Deutschland: An das Nachbarland gehen rund 30 Prozent Österreichs Exporte. Der Rest verteilt sich breit: An den zweitwichtigsten Handelspartner Italien gehen bereits nur knapp sieben Prozent der Güter.

Sechs von zehn Euro verdient Österreich im Export.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Österreichs Industrie?

Österreichs Industrie beschäftigt im Inland laut Statistik Austria (Wert: 2021) insgesamt 673.021 Mitarbeiter. Weltweit beschäftigen die 250 größten österreichischen Industriebetriebe jedoch weitaus mehr Menschen: insgesamt 800.000 Mitarbeiter.

Ein internationaler Vergleich: Das größte Unternehmen Deutschlands ist Volkswagen. Der Automobilproduzent mit Sitz in Wolfsburg macht 250 Milliarden Euro Umsatz und ist mit über 590.000 Beschäftigten auch der größte Arbeitgeber in der deutschen Industrie.

Die beiden größten Arbeitgeber unter den österreichischen Unternehmen sind mit Spar und Rewe zwar Handelsbetriebe; an dritter Stelle kommt aber bereits der Baukonzern Strabag mit an die 74.000 Beschäftigten. Darauf folgt die Voestalpine mit 50.000 Mitarbeitern.

Geislinger
800.000 Mitarbeiter im In- und Ausland werden von Österreichs 250 größten Betrieben beschäftigt. - © Geislinger