CBAM-Verordnung und ESG-Reporting : ESG-Nachhaltigkeitsberichterstattung: Alle Neuerungen 2024

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ESG-Berichterstattung in Österreich: 2024 dürfte ein Schlüsseljahr für die betriebliche Umsetzung von ESG werden.

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Im Hinblick auf ESG sind die Vorhersagen für das Jahr 2024 bereits recht eindeutig: Der Bedeutungsgewinn der letzten Jahre wird unvermindert seine Fortsetzung finden – bzw. sogar noch weiteren Schwung erhalten. Manche sehen sogar ein „Schlüsseljahr“ für das Thema ESG kommen. Ursächlich dafür sind vor allem regulatorische Vorgaben aus der EU.

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Was ist CBAM-Verordnung?

Der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) zielt darauf, einen finanziellen Ausgleichsmechanismus hinsichtlich der Einfuhr bestimmter Waren aus Ländern, die nur geringe oder keine Klimaschutzmaßnahmen ergreifen, zu schaffen. Im Oktober 2023 begannen die ersten Berichtspflichten für Importeure; Ende Jänner 2024 müssen diese erstmals Berichte über die mit ihren Geschäftsbeziehungen verbundenen Treibhausgas-Emissionen abgeben. Diese Emissionen werden zukünftig auch bepreist werden.

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Die CBAM-Verordnung ist ein Verfahren der Europäischen Union, mit dem ein finanzieller Ausgleich für die Einfuhr bestimmter Waren aus Ländern geschaffen werden soll, die nur geringe oder gar keine Klimaschutzmaßnahmen ergreifen. Mit CBAM soll sichergestellt werden, dass importierte Waren die gleichen Umweltstandards erfüllen wie in der EU hergestellte Produkte. Die Importeure müssen die mit ihren Geschäftsbeziehungen verbundenen Treibhausgasemissionen melden. Die CBAM-Verordnung ist ein integraler Bestandteil der EU-Maßnahmen zur Verringerung des CO2-Fußabdrucks und zur Förderung des Übergangs zu einer klimaneutralen Wirtschaft.

CSRD und ESRS: Ab 2024 neue Standards für Nachhaltigkeitsberichterstattung

Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) wird eine neue Ära der Nachhaltigkeitsberichterstattung eingeläutet. Die inhaltlichen Berichtspflichten werden durch die mit der CSRD ebenso neu eingeführte European Sustainability Reporting Standards (ESRS) gesondert geregelt. Die ersten europäischen Unternehmen bzw. Konzerne müssen diese Vorgaben bereits ab dem 1.1.2024 zur Anwendung bringen. Darüber hinaus werden 2024 Standards von KMUs veröffentlicht, die diesen bei ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung helfen sollen.

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Was sind ESRS Standarts?

Die ESRS sind europäische Standards für die Berichterstattung über Nachhaltigkeitsaspekte. Sie wurden im Rahmen der Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) eingeführt, um eine standardisierte und vergleichbare Offenlegung von nichtfinanziellen Informationen durch Unternehmen zu gewährleisten. Die ESRS legen spezifische Anforderungen fest, die Unternehmen erfüllen müssen, um relevante Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG) in ihren Berichten zu veröffentlichen.

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Corporate Social Responsibility | Definition, Berichtspflicht für Unternehmen, CSRD Kriterien 2023, Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) - © INDUSTRIEMAGAZIN

ESG-Ratings

Der Wildwuchs an ESG-Ratings auf dem Gebiet der Nachhaltigkeitsberichterstattung ist der EU-Kommission schon lange ein Dorn im Auge. Im Juni 2023 veröffentlichte die Kommission Vorschläge, um deren Transparenz und Integrität zu verbessern. Dies kann schon 2024 zu Neuordnungen am Markt führen – aber letztlich dazu beitragen, dass sich diese Ratings immer weiter etablieren.

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„EU-Lieferkettengesetz“: EU verändert die Spielregeln

Als wohl gegenwärtig meistdiskutierte – und umstrittene – Rechtsnorm befindet sich eine neue EU-Richtlinie in Ausarbeitung, mit der neue Sorgfaltspflichten für Unternehmen in puncto Nachhaltigkeit festgelegt werden. Die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) sieht u.a. eine Verpflichtung für Unternehmen vor, Emissionen zu reduzieren und zum Schutz der Menschenrechte beizutragen. Diese Verpflichtung erstreckt sich über die gesamte Wertschöpfungskette und ist einklagbar; die EU-Kommission hat ein beträchtliches Strafmaß vorgesehen. Die Verabschiedung der CSDDD wird für das Jahr 2024 erwartet – und wird hiernach die europäische Wirtschaft (und ihre Anwälte) intensiv beschäftigen.

Lesen Sie auch: Lieferkettengesetz: wie betrifft es österreichische Unternehmen?

Parallel dazu senkt sich der Schwellenwert für die Anwendung des deutschen Lieferkettengesetzes (LkSG) mit 1.1.2024 auf 1.000 Mitarbeiter (bis dahin: 3.000 Mitarbeiter). Damit werden auch unabhängig von der EU-Regulatorik zukünftigweitaus mehr österreichische Zulieferbetriebe mit entsprechenden Nachweispflichten konfrontiert sein.

Europäisches Lieferkettengesetz, Faire Bedingungen von Anfang an!
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Was ist die ESG-EU-Taxonomie?

Die Taxonomie-VO wird von vielen Unternehmen bereits seit Jahren angewandt. 2024 werden allerdings Banken erstmals verpflichtet, ihre Taxonomiekonformität ihrer Geschäftstätigkeiten nachzuweisen – was dazu führen wird, dass der Finanzsektor immer mehr unter Veranlagungsdruck kommt; diesen aber vermutlich weiterreichen wird. Darüber hinaus wurden die Vorgaben Taxonomie-VO Ende 2023 vervollständigt und umfassen nunmehr Vorgaben zu allen Umweltzielen, die 2024 zum größten Teil erstmals umgesetzt werden müssen.

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Was besagt die EU-Taxonomie-Verordnung?

Die Taxonomie-Verordnung ist eine EU-Verordnung zur Festlegung von Kriterien für umweltverträgliche Wirtschaftstätigkeiten. Das Ziel ist es, die Nachhaltigkeit von Investitionen zu fördern und eine einheitliche Definition für ökologisch nachhaltige Projekte zu schaffen.

Wie wurde die EU-Taxonomie-Verordnung entwickelt und welche Rolle spielt sie bei der Definition ökologischer Nachhaltigkeit?
EU-Taxonomie-Verordnung zielt auf Förderung nachhaltiger Investitionen und einheitliche Definition ökologisch nachhaltiger Projekte. - © hkama - stock.adobe.com

Grüne Finanzwelt: ESG-Risiken und SFDR im Fokus

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde arbeitet gegenwärtig an Vorgaben, um ESG-Risiken bei Kreditvergaben besser einzupreisen. Darüber hinaus wird für Finanzmarktakteure die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) überarbeitet, die Kapitalflüsse in Richtung nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten umlenken sollen. Schon heute lässt sich beobachten, dass die Nachhaltigkeit eines Unternehmens in dessen Finanzierungskonditionen Niederschlag findet. Diese Entwicklung wird 2024 weiter Fahrt aufnehmen.

Lesen Sie hier noch: Digitalisierung und Nachhaltigkeit gehen in Österreichs Unternehmen noch nicht Hand in Hand.

Was ist SFDR?

Die Verordnung über die Offenlegung nachhaltiger Finanzprodukte (Sustainable Finance Disclosure Regulation - SFDR) ist eine EU-Verordnung, die für mehr Transparenz und Klarheit bei nachhaltigen Finanzprodukten sorgen soll. Die SFDR legt Offenlegungspflichten für Finanzmarktteilnehmer, einschließlich Vermögensverwaltern, Versicherungsgesellschaften und Pensionsfonds, fest, um Informationen über die Nachhaltigkeit ihrer Investitionen bereitzustellen.

Ziel der Verordnung ist es, Greenwashing zu verhindern und den Anlegern genaue Informationen über die Umweltauswirkungen ihrer Anlagen zu liefern.

IFRS SDS: Globale Maßstäbe ab 2024

Außerhalb des EU-Raums hat in der Vergangenheit die Sustainability Disclosure Standards (SDS) der IFRS-Stiftung viel an Aufmerksamkeit erhalten – ähnlich den ESRS schaffen die IFRS SDS eine Grundlage für eine diesfalls global vereinheitlichte Nachhaltigkeitsberichterstattung. Auch diese Standards sind ab dem 1.1.2024 anzuwenden und besonders wichtig für Unternehmen, die international produzieren oder Investoren aus dem Nicht-EU-Raum haben.

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Was ist IFRS Sustainability Disclosure Standards?

Die IFRS Sustainability Disclosure Standards (IFRS SDS) sind Standards der International Financial Reporting Standards (IFRS) Foundation, die auf die Offenlegung von Informationen durch Unternehmen über die Auswirkungen der nachhaltigen Entwicklung abzielen. Diese Standards sollen eine standardisierte und vergleichbare Berichterstattung über nichtfinanzielle Aspekte, insbesondere in Bezug auf ökologische, soziale und Governance-Faktoren (ESG), ermöglichen.

Die Umsetzung der IFRS SSR ist ab dem 1. Januar 2024 verpflichtend. Dies bedeutet, dass Unternehmen mit internationalen Aktivitäten oder Investoren außerhalb der EU diese Standards in ihre Berichterstattung integrieren müssen.

Klimaschutzgesetz stellt Österreichs Klimaneutralitätskurs

Seit 31. Dezember 2020 fehlen in Österreich Treibhausgas-Reduktionsziele, die einen Weg zur angestrebten Klimaneutralität bis 2040 aufzeigen. Um zum Abschluss dieses Beitrags hoffnungsfroh in die Zukunft zu blicken: Mit zwischen 1096 und 1461 Tagen Verspätung wird dieses neue Klimaschutzgesetz nun 2024 verabschiedet und gibt damit der heimischen Industrie neue Leitlinien am Weg zur erforderlichen Dekarbonisierung vor.

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Klimaschutzgesetz in Österreich: Zusammenfassung

Das österreichische Klimaschutzgesetz ist ein Rechtsrahmen, der dazu dient, die Maßnahmen des Landes zur Verringerung der Treibhausgasemissionen zu strukturieren und zu verstärken. Es ist am 1. Juli 2021 in Kraft getreten und verpflichtet Österreich, konkrete Klimaziele festzulegen und Maßnahmen zu ergreifen, um diese zu erreichen. Ein zentrales Element ist die Festlegung von Emissionsbudgets für verschiedene Sektoren, darunter Energie, Verkehr und Industrie.

Das Klimaschutzgesetz bildet somit die rechtliche Grundlage für die Erfüllung der globalen Klimaverpflichtungen Österreichs und soll sicherstellen, dass das Land seinen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leistet.

Was beinhaltet das österreichische Klimaschutzgesetz?

Das Klimaschutzgesetz sieht vor, dass Österreich bis zum Jahr 2030 die Netto-Treibhausgasemissionen um mindestens 36 Prozent im Vergleich zu 2005 reduzieren muss. Bis 2040 muss eine 70-prozentige Reduktion und bis 2045 Klimaneutralität erreicht werden.