Digitalisierung der Supply Chain: Lieferkette effizienter gestalten : Digitalisierte Supply Chain: So funktioniert effektive Prozessoptimierung

Wie die digitale Transformation den Einkauf in Zukunft verändert: Unsere vier Experten im Gespräch (Stefan Braun, Präsident des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Robert Fessler, Head of SAP Intelligent Spent & Business Network CEE, Gerald Goldgruber, strategischer Leiter Prozessmanagement bei Frutura Obst & Gemüse Kompetenzzentrum GmbH, Prof. Dr. Christoph Bode, Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Procurement an der Universität Mannheim)

Wie die digitale Transformation den Einkauf in Zukunft verändert: Unsere vier Experten im Gespräch (Stefan Braun, Präsident des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Robert Fessler, Head of SAP Intelligent Spent & Business Network CEE, Gerald Goldgruber, strategischer Leiter Prozessmanagement bei Frutura Obst & Gemüse Kompetenzzentrum GmbH, Prof. Dr. Christoph Bode, Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Procurement an der Universität Mannheim)

- © Youtube

Die digitale Transformation hat die Geschäftswelt verändert und wirkt sich auf alle Bereiche eines Unternehmens aus, auch auf den Einkauf. Durch den Einsatz digitaler Technologien können Unternehmen ihre Prozesse automatisieren, Daten in Echtzeit analysieren und ihre Lieferantenbeziehungen optimieren. Auch unterstützt die Digitalisierung der Lieferkette Unternehmen dabei, Zeit für die strategische Ausrichtung zu gewinnen und die Effizienz zu steigern.

>>> Industrial AI: Das war das zweite Deep Dive-Meetup in Wien

Beim diesjährigen SAP Einkaufsforum hat man sich in Keynotes und Diskussionen genau dieser Thematik gestellt. Das Event zählt mit über 200 Teilnehmern und Teilnehmerinnen und 150 EinkäuferInnen von österreichischen Unternehmen zu den größten Einkaufsveranstaltungen in Österreich und bietet die größte Community-Plattform für Einkaufsentscheider.

Nie mehr eine wichtige News aus der Industrie verpassen? Abonnieren Sie unser Daily Briefing: Was in der Industrie wichtig wird. Täglich um 7 Uhr in Ihrer Inbox. Hier geht’s zur Anmeldung!

Digitalisierung in der Supply Chain: Klassische Lieferketten haben ausgedient

Die Covid-19-Pandemie und ihre Folgen haben gezeigt, dass viele Betriebe vor großen Supply-Chain-Herausforderungen stehen. Einige Bereiche haben noch großen Nachholbedarf, andere sind gut aufgestellt. Eines sei jedoch klar erkennbar, so Stefan Braun, Präsident des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik, im Gespräch mit dem INDUSTRIEMAGAZIN, die Krise habe der Bedeutung des Einkaufs einen massiven Schub nach vorne gegeben, das Image des Einkaufs habe sich spürbar verändert. Auch die Verantwortung, die diesem Bereich in einem Unternehmen zukommt, habe sich stark zum Positiven verändert und stark zugenommen.

>>> Die Wertschöpfungskette im Lieferkettengesetz und wie Ihr Unternehmen betroffen sein könnte

Stefan Braun, Präsident des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik
Stefan Braun, Präsident des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik - © Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik

Wie kann die Digitalisierung der Lieferketten den Unternehmen in Zukunft helfen?

„Die Krise hat gezeigt, dass klassische Lieferketten, wie wir sie bisher kannten, nicht mehr funktionieren. Der Fokus muss stärker auf diese Prozesse gelegt werden und das geht nur mit einer Form der Automatisierung“, so Braun. Die Digitalisierung der Lieferkette spiele dabei eine entscheidende Rolle, denn wie in allen anderen Branchen fehle es an qualifiziertem Personal, um genau diesen Fokus setzen zu können. Um erfolgreich zu sein und Lieferketten gut zu gestalten, müssten sich die Unternehmen verstärkt auf die wertschöpfenden Prozesse konzentrieren und dies könne nur gelingen, wenn die nicht wertschöpfenden Prozesse entsprechend digitalisiert würden und so Kapazitäten für die strategische Entwicklungen Arbeit freigesetzt werde, so Braun.

>>> SAP bietet neue datengestützte Einblicke für mehr Resilienz in der Fertigung

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der durch die Krise an Bedeutung gewonnen hat, ist die Nachhaltigkeit in der Lieferkette. Immer mehr Unternehmen und auch Verbraucher wollen wissen, woher ihre Produkte kommen und wie sie hergestellt wurden. Auch hier komme der Fokus auf die Lieferkette wieder ins Spiel, erklärt Braun. Dies erfordere eine gezielte Automatisierung, um die Lieferketten möglichst ohne manueller Tätigkeit transparent abzubilden, daurch einerseits keinen Raum dem nicht in Greenwashing zu gebenverfallen und andererseits eine echte Verbindung zwischen Ökonomie und Ökologie zu schaffen. Die Digitalisierung ist im Einkaufsprozess unverzichtbar geworden, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den sich wandelnden Anforderungen gerecht zu werden.

Digitale Transformation der Lieferkette - Krise als Chance

Wie sieht die Zukunft der Lieferkette aus und welche Herausforderungen kommen auf die Lieferkette zu?

Der Einkauf hat in den Unternehmen nicht nur generell an Bedeutung gewonnen, sondern ist auch zu einem Top-Managementthema geworden. Dies liege vor allem daran, dass die großen aktuellen Herausforderungen Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und digitale Transformation eng mit Supply Chain Management und Einkauf verbunden seien, so Prof. Dr. Christoph Bode, Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Procurement an der Universität Mannheim. Die Einkaufsfunktion ist in gewisser Weise ein „Krisengewinner“. Aber wenn es nicht gelingt, die Gunst der Stunde zu nutzen und Verantwortung für die Bearbeitung der Zukunftsthemen zu bekommen, wäre es eine historisch verpasste Chance, so der Experte für Supply Chain Management.

>>> Wie die Lagerautomatisierung von der Krise profitiert

Sowohl für die Praxis als auch für die Forschung sei es jetzt besonders wichtig aufzuzeigen, welchen Wertbeitrag der Einkauf in diesem Kontext leisten könne. Um Risiken, Nachhaltigkeit und letztlich auch Innovationsthemen in Zukunft erfolgreich zu bearbeiten, seien zwei Punkte besonders entscheidend, so Bode. Neben der digitalen Transformation und dem Einsatz digitaler Tools wie jene von SAP, die dabei unterstützen Prozesse zu optimieren und Transparenz in die Lieferketten zu bringen, gibt es einen weiteren wichtigen Aspekt für den Forscher. „Das zweite, ganz wichtige, und das liegt mir als Professor einer Universität natürlich besonders am Herzen, sind die Talente. Das betrifft sowohl die Qualifikation der bestehenden Mitarbeiter, als auch die Frage, wie man junge Menschen für das Thema Einkauf begeistert“, so Christoph Bode. „Und da würde ich alle Unternehmen und Praktiker einladen: Kommen Sie an die Universitäten und Hochschule, machen Sie Werbung für diese spannende Profession, damit Sie in Zukunft auch die richtigen Mitarbeiter für diese großartigen Themen haben.“

Prof. Dr. Christoph Bode, Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Procurement an der Universität Mannheim
Prof. Dr. Christoph Bode, Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Procurement an der Universität Mannheim - © Uni Mannheim

Vortiele der Digitalisierung in der Supply Chain

Die digitale Transformation der Lieferkette trägt dazu bei:

  • Automatisierung von Prozessen;
  • Datenanalyse in Realzeit;
  • Optimierung der Beziehungen zu den Lieferanten;
  • Transparenz in der Lieferkette;
  • Bessere Verfolgung und Erfassung von Produkten;
  • Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Flexibel, nachhaltig und günstig – Herausforderungen der Produktion

Gerald Goldgruber, strategischer Leiter Prozessmanagement bei Frutura Obst & Gemüse Kompetenzzentrum GmbH, hat die Erfahrung gemacht, dass die wachsenden Herausforderungen in der Lebensmittelbranche zu einem erhöhten Handlungsbedarf geführt haben. Lieferanten und Unternehmen werden durch den Klimawandel immer häufiger mit extremen Wettersituationen konfrontiert. Sintflutartige Regenfälle, Hagel, Stürme, aber auch Hitzeperioden führen zu Ausfällen und letztlich zu Ernteverlusten. Um den Kunden weiterhin qualitativ hochwertige Produkte in ausreichender Menge anbieten zu können, sei es dringend notwendig, flexibel auf die Anforderungen zu reagieren, erklärt Goldgruber. Zudem sei es eine Herausforderung, die Bedürfnisse der Endkunden nach ressourcenschonenden, regionalen Lebensmitteln zu günstigen Preisen erfüllen zu können.

>>> Wie Exoskelette in Produktion und Logistik helfen

Um diese Thematik bestmöglich lösen zu können, setzte man bei Frutura auf Digitalisierung und Automatisierung, so Goldgruber. Lieferketten sollen dadurch transparenter, schneller und effizienter gestaltet werden können. „Die Obst- und Gemüsebranche ist nicht gerade als Vorreiter der Digitalisierung bekannt. Aber wir wollen als Unternehmen auch unsere Lieferanten motivieren, den Weg in Richtung Automatisierung und Digitalisierung zu gehen“, erklärt Goldgruber. Eine große Unterstützung bei diesem Vorhaben sei das SAP Business Netzwerk, das im Jahr 2022 im Unternehmen eingeführt wurde. „Unser strategisches Ziel ist es, all unsere Hauptlieferanten in das Business Netzwerk zu bringen. Die Hälfte haben wir bereits live im Netzwerk und Anfang 2024 sollen es dann alle sein. Sprich wir können uns dann mit über 300 Lieferanten über das Business Network verbinden und mit ihnen die operative Beschaffung abwickeln“, so Goldgruber.

>>> Wo Cobots für die Industrie wirklich sinnvoll sind

Mit dem SAP Business Network hat Frutura hocheffiziente Prozesse implementiert. Ein Beispiel dafür ist der Wareneingangsprozess, bei dem digitale Lieferscheine schnell und effizient per Barcodescanner erfasst werden, um die frischen Lebensmittel schnellstmöglich an die Kunden zu verteilen. Im Unternehmen wurde ein eigenes Business Network Team aufgebaut, das die Lieferanten durch den gesamten Prozess begleitet. „Wir stehen hier auch in sehr engem Kontakt mit dem Produktmanagement von SAP, um gemeinsam Lösungen weiterzuentwickeln. Hier können wir Feedback aus der Praxis geben und frühzeitig Lösungen testen, mit dem Ziel, das SAP Business Netzwerk für alle noch besser zu machen“, erklärt Goldgruber.

Bei Futura glaubt man daran, damit den richtigen Schritt gemacht zu haben, um neue Herausforderungen bestmöglich bewältigen zu können. Und das bisherige Ergebnis scheint dem Unternehmen Recht zu geben.

Gerald Goldgruber, strategischer Leiter Prozessmanagement bei Frutura Obst & Gemüse Kompetenzzentrum GmbH,
Gerald Goldgruber, strategischer Leiter Prozessmanagement bei Frutura Obst & Gemüse Kompetenzzentrum GmbH - © LinkedIn

SAP Business Netzwerk: CO2 als Währung der Zukunft?

Der Einkauf eines Unternehmens hat mit einer Vielzahl von Herausforderungen zu kämpfen, insbesondere im Hinblick auf Resilienz der Lieferketten und der Nachhaltigkeit. Das SAP Business Netzwerk soll Lösungen bieten, um Unternehmen dabei zu unterstützen und maßgeschneiderte Produkte anbieten zu können, erklärt Robert Fessler, Head of SAP Intelligent Spent & Business Network CEE, im Gespräch mit dem INDUSTRIEMAGAZIN.

>>> Wie Kärnten zum Hotspot für Automatisierung wurde

Resilienz
bedeutet in diesem Zusammenhang, möglichst rasch auf externe Faktoren zu reagieren und die Lieferkette abzusichern. Durch die Nähe zu den Lieferanten und den schnellen Austausch von Informationen über das SAP Business Network sollen Risiken reduziert werden können. „Die Fertigungstiefe ist in den letzten Jahrzehnten immer geringere geworden. Große Fertigungsfirmen, wie beispielsweise Ford, beziehen rund 70% der Wertschöpfung von Lieferanten“, erklärt Fessler. Das Netzwerk ermöglicht eine sehr enge Zusammenarbeit mit diesen Lieferanten oder auch die Suche nach alternativen Lieferanten, sollte es zu einem unerwarteten Ausfall kommen.

>>> Maersk nutzt SAP Business Technology Platform zur Beschleunigung des strategischen Wandels

Das SAP Business Netzwerk umfasst derzeit rund 8 Millionen Unternehmen. Dazu zählen unter anderem Käufer, Verkäufer, Dienstleister und Logistikprovider. „Wenn sich Käufer oder Einkäufer entscheiden, dem Netzwerk beizutreten, haben Sie sofort den Vorteil, mit weiteren Unternehmen rasch zu kollaborieren. Und so zum Beispiel digitale Informationen oder auch Dokumente mit jemandem wie Herrn Goldgruber von Frutura auszutauschen“, erläutert Robert Fessler.

Dadurch ergeben sich Automatisierungsmöglichkeiten für operative Aufgaben im Einkauf. Fessler berichtet von Kunden aus dem Netzwerk, die viele Einkaufsprozesse und Bestellungen bereits vollständig automatisiert abwickeln. Dadurch würden in den Einkaufsabteilungen Kapazitäten frei, die in strategische Themen, wie Resilienzmaßnahmen oder Nachhaltigkeitspakete, investiert werden könnten.

>>> Quantentechnologie in der Industrie: ihr enormes Potenzial

Nachhaltigkeit
werde laut Fessler neben Resilienz das Thema der nächsten Jahre, wo sich nicht nur der Einkauf anpassen müsse, sondern ein Umdenken in der gesamten Wirtschaft stattfinden muss.

Wie wird es in Zukunft weitergehen?

Darauf hat Fessler eine klare Antwort: „CO2 wird sich zu einer Art Währung entwickeln. In den Unternehmensbilanzen wird man dann Euro und CO2-Werte finden. Dieser Schritt wird notwendig sein, um Transparenz zu schaffen und zu wissen, wie viel CO2 in der Gesamten Lieferkette vom Abbau der Rohstoffe bis hin zum Endprodukt entsteht“, so Fessler.

>>> Lieferketten: Wie AI bei Nachhaltigkeit hilft

Robert Fessler, Head of SAP Intelligent Spent & Business Network CEE
Robert Fessler, Head of SAP Intelligent Spent & Business Network CEE - © Xing

Was ist SAP Business Netzwerk?

Unternehmen sind zunehmend gefordert, CO2-Emissionen entlang der Lieferkette zu erfassen und zu reduzieren. Das SAP Business Netzwerk ist eine Lösung, um die Transparenz zu erhöhen und Informationen unter den Partnern der Wertschöpfungskette einfach auszutauschen und bis hin zum Endkunden bzw. den Finanzmärkten Kriterien wie den CO2-Fußabdruck, Kinderarbeit oder aber auch die Verwendung Seltener Erden weiterzureichen. Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette können basierend auf diesen Daten bereits im Vorfeld handeln und den passenden Lieferanten auswählen.

Experten über Digitalisierung der Supply Chain

Alle Bereiche eines Unternehmens wurden durch die digitale Transformation verändert, nicht nur die Lieferkette. Digitale Technologien ermöglichen es Unternehmen, Prozesse zu automatisieren, Daten in Echtzeit zu analysieren und ihre Beziehungen zu Lieferanten zu optimieren. Dazu vier Experten im Gespräch.

Die digitale Transformation hat die Supply Chain verändert und wirkt sich auch auf alle Bereiche eines Unternehmens aus. Vier Experten im Gespräch (Stefan Braun, Präsident des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Robert Fessler, Head of SAP Intelligent Spent & Business Network CEE, Gerald Goldgruber, strategischer Leiter Prozessmanagement bei Frutura Obst & Gemüse Kompetenzzentrum GmbH, Prof. Dr. Christoph Bode, Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Procurement an der Universität Mannheim)

Veranstaltungstipp

SAP Spend Connect Live 2023 | 9.-11.Oktober | Messe Wien Congress Center, Wien

Hier gibts mehr Infos.