Energiewende : Martin Wagner, Verbund: "Die Energiewende ist schaffbar, wenn wir gemeinsam unterwegs sind"

Martin Wagner Verbund

Martin Wagner, Verbund, über eine sichere Energieversorgung

- © Matthias Heschl

Österreich möchte im Jahr 2030 - in nur mehr sieben Jahren - 100% seines Stroms aus Erneuerbaren Energien produzieren. Windkraft und Sonnenenergie sollen - so der Plan der Bundesregierung - die Gaswerke im Land ersetzen. Österreichs Energieriese Verbund arbeitet intensiv am weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien und der dafür notwendige Infrastruktur - und investiert viele Milliarden Euro, um das gesetzte Ziel zu erreichen. Beim Deep Dive Meet-Up spricht Energieexperte Martin Wagner über die Pläne des Unternehmens.

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Wir haben jetzt die Chance, dass wir eine nachhaltige Energiezukunft schaffen können.
Martin Wagner, Verbund

Potential für den Ausbau Erneuerbarer Energien in AT ist groß

Das Potenzial für den Ausbau erneuerbarer Energien in Österreich ist groß. Bis 2030 sollen bis zu 27 Terawattstunden aus Photovoltaik, Wind und Wasserkraft hinzukommen. Verbund leistet seinen Beitrag dazu, dass diese Ausbaukapazitäten auch tatsächlich Realität werden. Das Unternehmen investiert in den nächsten Jahren einerseits in die Versorgungssicherheit und andererseits in den Ausbau der erneuerbaren Energien - insgesamt bis zu drei Milliarden Euro.

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"Die Energiewende ist ein Thema, das uns alle angeht und besitzt nicht erst seit der Energiekrise auch eine gesellschaftliche Relevanz", so Wagner. Seit vielen Jahren sei Verbund ein Partner der Industrie - insbesondere in der Bereitstellung von Wasserkraft. Seit dem Krieg in der Ukraine habe sich nun zudem die geopolitische Lage verändert: "Wir müssen uns unabhängig machen". Das Unternehmen sieht sich dabei als wichtigen Akteur in Österreich und Deutschland.

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Wagner ist davon überzeugt, dass die Energiewende schaffbar ist. Insbesondere im Bereich der Solarenergie werde aktuell viel Geld investiert. "Hier können wir schnell sein", so Wagner zum Ausbau der PV-Anlagen - häufig in Kooperation mit Unternehmen. „So wie die Pandemie die Entwicklung der Kommunikationstechnologien massiv vorangetrieben hat, wird der Fokus jetzt auf den Ausbau der erneuerbaren Energien gerichtet. Und hier gilt tatsächlich, dass wir jeden freien Zentimeter mit Photovoltaikanlagen bebauen müssen, der möglich ist.“ Bis 2030 soll 1/4 der Gesamterzeugung aus Solar- und Windanlagen stammen.

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Martin Wagner über die Rolle des Verbund für die Energiewende

- © Matthias Heschl

Die Mobilität der Zukunft

Dass die Mobilität der Zukunft elektrisch sein und fossile Brennstoffe hinter sich lassen muss, ist nicht erst seit Beginn des Ukraine-Krieges und der dadurch ausgelösten Energiekrise klar. Elektrofahrzeuge erfreuen sich bereits seit Jahren einer stetig wachsenden Beliebtheit. Doch für das langfristige Gelingen der Energiewende ist eine starke Infrastruktur notwendig - vor allem in Form von Ladestationen für Elektroautos.

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"Elektromobilität ist ein besonders wichtiges Thema. Hier wird die Energiewende erfahrbar. Die Autos müssen überall schnell geladen werden können", so Wagner.

Durch den zunehmenden Ausbau der Wind- und Solarenergie kommt es zu starken Schwankungen in den Stromnetzen. Überschüsse wechseln sich mit Phasen ab, in denen Energie fehlt. Großbatteriespeicher des Verbund springen dann ein, wenn das Netz besonders belastet ist. Zum Beispiel an trüben Wintertagen oder in Phasen mit besonders hohem Energieverbrauch. Dafür erhalten alle flexiblen Einspeiser eine Vergütung vom Netzbetreiber, da sie einen wichtigen Beitrag zur Stabilität des Stromnetzes leisten.

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Der Batteriespeicher besteht aus drei Batteriestationen mit einer Gesamtleistung von 21 MW und erbringt Netzdienstleistungen zur Sicherung des Verteilnetzes und zur Integration erneuerbarer Energien. So unterstützt der Batteriespeicher das lokale Verteilnetz, indem er durch Einspeisung von Leistung und Arbeit Kosten für die Nutzung vorgelagerter Netz- oder Umspannebenen einspart.

„Für die Integration neuer Erneuerbarer im Energiesystem spielen Batteriespeicher eine Schlüsselrolle. Wir verknüpfen unser Know-how in den Bereichen Speicher und Energiemarkt mit der Expertise für Flexibilitätsvermarktung, leiten so eine Trendwende ein und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende“, betont Martin Wagner.

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Für Verbund ist die Portfolioerweiterung und Weiterentwicklung vom Wasserkraftspeicherbetreiber zum Batteriespeicherbetreiber ein logischer Schritt. Batteriespeicher bieten für das Unternehmen gerade durch das fundierte und langjährig erprobte Know-how im Speichermanagement in Kombination mit dem Handel von Flexibilitäten an den Energiemärkten eine sinnvolle Erweiterung der Wertschöpfungskette. Verbund übernimmt dabei die Rolle des Investors und in weiterer Folge auch des Betreibers der Batteriespeicher.

Verbund und seine Mission

Der Experte

MARTIN WAGNER, VERBUND
Managing Director bei Verbund Energy4Business GmbH

Martin Wagner, Geschäftsführer der B2B-Kundentochter des Verbund, ist studierter Jurist, war 1992 unter den besten 2% seines Jahrgangs am Juridicum in Wien - und ist seit mehr als 20 Jahren im Energiegeschäft. Er war beim Verbund schon für das Business Development in den Bereichen Photovoltaik, Speicherlösungen oder Power to Gas verantwortlich, als diese Themen noch sehr exotisch klangen. Derzeit leitet Wagner gemeinsam mit Robert Slovacek die Verbund Energy4Business GmbH.

Martin Wagner
© Industriekongress

Über Verbund

Verbund, gegründet 1947, treibt den Wandel des klassischen Geschäftsmodells vom Stromerzeuger hin zum Energie-Partner entschieden voran. Die wesentliche, taktgebende Rolle dabei spielen Innovation, Forschung und Entwicklung. Von der Grünstromlieferung und CO2-Zertifikaten über Businesslösungen für Photovoltaik, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur für Elektromobilität bietet Verbund alles aus einer Hand.