Nachhaltiger Diesel-Kraftstoff : HVO 100: Wiener Transporteure setzen auf nachhaltigen Kraftstoff aus Speiseöl und Holzresten

3/13/2024, Jerez de la Frontera, Cadiz; Dispensing device with Efitec 95 Gasoline and Diesel e plus 10 Zero, HVO, the new name for Repsol's 100% renewable diesel. (xtl)

HVO 100 ist etwas teurer als herkömmlicher Diesel und nur dann "öko", wenn er aus nachhaltigen Rohstoffen hergestellt wird

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Die Wiener Transporteure setzen zunehmend auf Treibstoff, der vollständig aus alten Speiseölen sowie Holzresten oder Zelluloseabfällen besteht. Spartenobmann Davor Sertic berichtet, dass immer mehr Unternehmen bereits auf diesen Kraftstoff umsteigen.

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Der als HVO 100 bezeichnete Kraftstoff, der für "Hydrotreated Vegetable Oils" (mit Wasserstoff behandelte Pflanzenöle) steht, wird seit dem 1. Mai flächendeckend in Deutschland eingesetzt. Alle Dieselautos können diesen Treibstoff nach Freigabe durch den Hersteller ohne Umrüstung tanken.

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Was ist HVO100 Diesel?

HVO 100 Diesel, auch bekannt als Hydrogenated Vegetable Oil, ist ein innovativer, synthetischer Dieselkraftstoff, der aus erneuerbaren Rohstoffen wie Pflanzenölen und tierischen Fetten hergestellt wird. Dieser Kraftstoff entsteht durch einen speziellen hydrierenden Veredelungsprozess, bei dem die Ausgangsmaterialien unter hohem Druck und hohen Temperaturen mit Wasserstoff behandelt werden. Dabei werden Sauerstoffmoleküle entfernt, was zu einem reinen Kohlenwasserstoff-Diesel führt, der fossilem Diesel sehr ähnlich ist, aber aus nachhaltigen Quellen stammt.

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Was kostet HVO 100 Diesel?

HVO 100 ist jedoch teurer als herkömmlicher Diesel. In Deutschland kostet der Liter etwa 15 bis 20 Cent mehr als herkömmlicher Diesel, was auf die höheren Produktionskosten zurückzuführen ist. Der neue Treibstoff ist nicht an allen Tankstellen verfügbar und noch nicht für alle Modelle freigegeben. An deutschen Tankstellen wird der synthetische Diesel mit dem Hinweis "XtL" gekennzeichnet. Preislich liegt der HVO-Kraftstoff derzeit mit einem Nettopreis von 2,60 € pro Liter nur noch knapp über dem herkömmlichen Diesel.

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HVO 100 als Brückentechnologie

Die Begeisterung für den Pflanzensprit ist jedoch nicht uneingeschränkt, da er nur dann ökologisch ist, wenn er aus nachhaltigen Rohstoffen hergestellt wird, wie das deutsche Umweltministerium betont. Es sei zudem unklar, woher genügend Rohstoffe kommen könnten. Altspeiseöle werden bereits seit langem als Treibstoff verwendet, wie zum Beispiel in Österreich von der Firma Münzer in Sinabelkirchen (Steiermark). HVO 100 ist unter anderem in den Niederlanden, Schweden und Litauen erhältlich.

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Spartenobmann Sertic hofft auf politische Unterstützung beim Umstieg auf den Pflanzensprit. "HVO 100 ist zumindest eine Brückentechnologie, die uns ohne große Investitionskosten sofort und massiv bei Emissionsreduzierungen hilft. Um HVO 100 flächendeckend in Österreich attraktiv zu machen, braucht es politische Unterstützung und optimale Rahmenbedingungen. Beispielsweise indem der aktuell etwas höhere Literpreis von HVO 100 als Klimamaßnahme gestützt und an den herkömmlichen Dieselpreis angeglichen wird", so Sertic.

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5 Vorteile von HVO 100

  1. Reduzierte Emissionen:
    HVO 100 kann die Treibhausgasemissionen erheblich reduzieren. Im Vergleich zu fossilem Diesel sind die CO₂-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus von HVO 100 deutlich geringer. Zudem werden auch andere schädliche Emissionen wie Partikel, Stickoxide (NOx) und Kohlenmonoxid (CO) reduziert.
  2. Erneuerbare Ressourcen:
    HVO 100 wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, was zur Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen beiträgt und den Einsatz nachhaltiger Ressourcen fördert.
  3. Hohe Cetanzahl:
    HVO 100 hat eine höhere Cetanzahl als herkömmlicher Diesel, was zu einer besseren Zündwilligkeit und einem effizienteren Verbrennungsprozess führt. Dies kann die Leistung des Motors verbessern und den Kraftstoffverbrauch senken.
  4. Kompatibilität:
    HVO 100 ist voll kompatibel mit bestehenden Dieselinfrastrukturen und -motoren. Dies bedeutet, dass keine speziellen Anpassungen oder Investitionen in neue Technologie erforderlich sind.
  5. Lagerstabilität:
    HVO 100 weist eine hohe Lagerstabilität auf, was ihn besonders für den Einsatz in Notstromaggregaten und Fahrzeugflotten geeignet macht, die lange Standzeiten haben.

Die größten Nachteile von HVO 100

  1. Verfügbarkeit und Kosten:
    Die Verfügbarkeit von HVO 100 ist derzeit begrenzt, was zu höheren Kosten im Vergleich zu herkömmlichem Diesel führt. Die Produktion von HVO 100 erfordert spezifische Rohstoffe und Technologien, die noch nicht in großem Umfang verfügbar sind.
  2. Rohstoffquellen:
    Obwohl HVO 100 aus erneuerbaren Quellen stammt, kann die Produktion auf Kosten der Nahrungsmittelversorgung und der Landnutzung gehen, wenn nicht nachhaltige Praktiken angewendet werden. Dies kann zu einem Konflikt zwischen Nahrungsmittel- und Kraftstoffproduktion führen.
  3. Energieaufwand bei der Produktion:
    Die Herstellung von HVO 100 ist energieintensiv. Der Hydrierungsprozess erfordert hohe Temperaturen und Drücke, was zu einem signifikanten Energieverbrauch führt.
  4. Langfristige Nachhaltigkeit:
    Es besteht eine Debatte über die langfristige Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen im Allgemeinen. Der Anbau von Rohstoffen für HVO 100 kann zu Umweltproblemen wie Entwaldung, Verlust der Biodiversität und Wasserverbrauch führen.