VW BMW Mercedes 2026 : Autoindustrie 2026: Schicksalsjahr für VW, BMW und Mercedes
Meilenstein in Leipzig: Im BMW Group Werk läuft das viermillionste Fahrzeug vom Band
- © BMWDie finanzielle Lage der deutschen Autobauer gibt wenig Anlass zur Hoffnung auf kurzfristige Erholung. Laut einer aktuellen Analyse der Unternehmensberatung EY verzeichnen BMW, Mercedes-Benz und der Volkswagen-Konzern aktuell ihre niedrigsten Gewinne seit 16 Jahren. Die Ursachen liegen in globalen Belastungen – darunter US-Zölle, eine anhaltende Marktschwäche in China und eine verhaltene Nachfrage in Europa. Doch kein anderes Autoland leidet so stark unter der angespannten Lage wie Deutschland.
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Vor allem im Premiumsegment zeigen sich deutliche Schwächen. Trotz Milliardeninvestitionen gelingt es den deutschen Herstellern bislang nicht, ihre Elektroautos als konkurrenzfähige Alternative zu etablieren. Branchenexperten sehen die Industrie in einer tiefgreifenden Krise – ähnlich dramatisch wie nach dem Dieselskandal vor über einem Jahrzehnt, der die Unternehmen nicht nur finanziell, sondern auch in ihrer öffentlichen Wahrnehmung stark geschädigt hatte.
Die kommenden Jahre gelten als entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Branche. Beobachter sehen die deutsche Autoindustrie mitten in der größten Umbruchphase ihrer Geschichte. Ob die großen Hersteller als starke, unabhängige Unternehmen bestehen können, wird sich vermutlich innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre entscheiden.
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Gedämpfte Prognosen: Autobauer verschärfen Sparkurs für 2026
Zahlreiche Analysten gehen davon aus, dass sich der weltweite Automarkt auch 2026 nicht wesentlich erholen wird. Die aktuellen Prognosen deuten darauf hin, dass Gewinne, Margen und Absatzzahlen bestenfalls das Niveau von 2024 erreichen könnten. Um ihre Rentabilität zu sichern, setzen die Autobauer verstärkt auf Sparmaßnahmen. Die Branchenberatung Oliver Wyman rechnet für 2026 mit weiteren Kostensenkungen und strukturellen Einschnitten. Dazu gehören Personalabbauprogramme ebenso wie die mögliche Schließung weiterer Werke.
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Volkswagen hat bereits einen umfangreichen Sparkurs angekündigt. Konzernchef Oliver Blume machte Ende 2025 deutlich, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens dauerhaft nur durch konsequente Kostensenkungen gesichert werden könne. Bis Ende des Jahrzehnts plant der Konzern den Abbau von rund 35.000 Stellen – allein in Deutschland. Zusätzlich will Volkswagen jährlich etwa 15 Milliarden Euro einsparen, unter anderem durch schlankere Prozesse in der Entwicklung, Effizienzsteigerungen im Vertrieb und reduzierte Materialkosten.
Scharfer Sparkurs: Mercedes und BMW verlagern Produktion ins Ausland
Auch bei Mercedes stehen deutliche Einschnitte an. Das Unternehmen strebt bis Ende 2027 eine Kostensenkung von fünf Milliarden Euro an. Teil dieses Plans ist ein Freiwilligenprogramm zum Personalabbau in Deutschland. Gleichzeitig passt der Konzern seine globale Produktionsstrategie an: Im Frühjahr 2026 wird das Werk in Aguascalientes (Mexiko), das bisher gemeinsam mit Nissan betrieben wurde, geschlossen. Die dort gefertigten Fahrzeuge – etwa das SUV-Modell GLB – sollen künftig im ungarischen Werk Kecskemét vom Band laufen. Ziel von Mercedes ist es, den Anteil der Fahrzeugproduktion in Niedriglohnländern bis 2027 von derzeit 15 auf 30 Prozent zu verdoppeln. Auch die Fertigung der auslaufenden A-Klasse wird verlagert – von Rastatt nach Ungarn.
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BMW verfolgt einen etwas anderen Weg: Der Münchener Autobauer setzt zwar ebenfalls auf Kostendisziplin, verzichtet bislang jedoch auf groß angelegte Personalabbauprogramme. Dennoch steht auch hier die Reduktion der operativen Ausgaben im Fokus. Die Produktion des neuen Elektro-SUV iX3 erfolgt in Ungarn, was zu Einsparungen bei den Lohnkosten führen soll. Finanzchef Walter Mertl betonte zuletzt, dass die Optimierung der Kostenstruktur ein zentrales Ziel für 2026 bleibe.
Die Maßnahmen zeigen, dass die Branche mit Nachdruck versucht, sich gegen die rückläufige Nachfrage und den wachsenden internationalen Wettbewerb zu wappnen. Dabei setzen alle drei großen Hersteller verstärkt auf eine Verlagerung von Produktionskapazitäten, die Vereinfachung von Strukturen und technologische Rationalisierung. Doch der Spardruck wird auch in den kommenden Jahren anhalten.
Harter Wettbewerb in China: VW & Co. verlieren im Elektrosegment an Boden
Die Marktentwicklung in China bleibt ebenfalls problematisch. Trotz eines prognostizierten Gesamtabsatzes von über 27 Millionen Fahrzeugen für 2026 wird ein leichter Rückgang erwartet. Über 100 Hersteller konkurrieren dort in einem intensiven Preiskampf, der auf die Margen drückt. Besonders im Elektrosegment ist das Wachstum ungebrochen – allerdings gelingt es den deutschen Herstellern bislang nicht, hiervon in nennenswertem Maße zu profitieren.
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Die Regierung in Peking reduziert zudem weiterhin Steuervergünstigungen für Elektrofahrzeuge, was den Wettbewerbsdruck zusätzlich verschärft. Für die deutschen Hersteller wird der Aufbau lokaler Produktion zunehmend zur Überlebensfrage, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Volkswagen will dem mit einer eigens entwickelten China-Plattform begegnen. Diese soll die Produktionskosten um bis zu 40 Prozent senken. Erste gemeinsam mit dem chinesischen Partner Xpeng entwickelte Modelle kommen 2026 auf den Markt und sollen mit Preisen ab rund 18.000 Euro gegen die heimische Konkurrenz bestehen. Spürbare finanzielle Effekte erwartet der Konzern allerdings erst ab 2027.
Zur Kostensenkung und Margenstabilisierung wird auch das Händlernetz in China ausgedünnt. BMW etwa unterstützte wenig rentable Händler mit Sonderzahlungen – ein Faktor, der zur Prognosekorrektur für 2025 führte. Auch Porsche reduziert seine Verkaufsstellen in der Volksrepublik.
US-Zölle treffen Autobauer hart: Milliardenverluste für VW, BMW und Mercedes
Neben den Herausforderungen in Asien bereiten auch die Handelskonflikte mit den USA Probleme. Seit Mitte 2025 gelten dort deutlich höhere Einfuhrzölle auf europäische Fahrzeuge – statt bisher 2,5 Prozent werden nun 15 Prozent erhoben. Für Volkswagen bedeutet das allein im Jahr 2025 potenzielle Einnahmeverluste von bis zu fünf Milliarden Euro. Auch für 2026 wird mit rückläufigen Verkaufszahlen in den USA gerechnet.
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BMW und Mercedes berichten, dass ihre Margen ohne die Zölle um rund 1,5 Prozentpunkte höher ausfallen würden – trotz eigener Werke in den USA. Eine gewisse Entlastung bringt hingegen die jüngste Lockerung der US-Umweltauflagen, durch die vor allem großvolumige Verbrenner-SUVs wieder stärker nachgefragt werden.
Trendumkehr durch Technik? Autobauer rüsten bei E-Autos massiv auf
Die Hoffnung auf eine Trendumkehr ruht auf neuen Modellen. Vor allem Mercedes und BMW bauen ihr Portfolio an Elektrofahrzeugen deutlich aus. Beide Hersteller planen, 2026 jeweils Dutzende neue oder überarbeitete Fahrzeuge auf den Markt zu bringen – mit Fokus auf verbesserter Software, bei der man sich nun auf Augenhöhe mit chinesischen Anbietern sieht.
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BMW setzt auf die neue Plattform „Neue Klasse“, deren erstes Modell – der elektrische SUV iX3 – ab 2026 in Europa ausgeliefert wird. Auch Mercedes meldet für den Elektro-SUV GLC eine hohe Nachfrage. Dennoch wird sich der Erfolg dieser Modelloffensiven erst mit Blick auf die Verkaufszahlen im Herbst 2026 bewerten lassen. In den Bilanzen dürften sich spürbare Effekte frühestens 2027 zeigen.
Ein Dilemma bleibt bestehen: Trotz wachsender Absatzzahlen bei Elektrofahrzeugen verdienen die Hersteller mit Verbrennern derzeit meist noch mehr. Dennoch betonen VW, BMW und Mercedes, dass die Kosten neuer Elektrofahrzeuge im Vergleich zur vorherigen Generation deutlich gesunken seien.
Ein wichtiges Signal kommt von VW: Der Konzern bringt den Polo als Elektroversion auf den Markt, mit einem Grundpreis von unter 25.000 Euro. Allerdings verzögert sich die Einführung günstiger Varianten aufgrund von Engpässen bei kostengünstigen Batterien.
Top-Manager unter Druck: VW, BMW und Mercedes vor entscheidenden Personalfragen
2026 wird auch personell ein Schicksalsjahr. Bei Volkswagen steht Konzernchef Oliver Blume unter Druck. Nach internen Turbulenzen, Softwareproblemen und schwachen Absatzzahlen in China fordern Investoren sichtbare Fortschritte. Rückhalt bekommt er vom Land Niedersachsen und dem Aufsichtsrat – doch das Zeitfenster für Veränderungen wird kleiner.
Auch bei Mercedes wird CEO Ola Källenius kritisch betrachtet. Seine ursprüngliche Strategie, die gesamte Modellpalette bis 2030 zu elektrifizieren, wurde revidiert. Der angestrebte Fokus auf Luxusmodelle ist zuletzt an der Marktrealität gescheitert. Trotzdem hält der Aufsichtsrat angesichts der laufenden Modelloffensive weiter zu ihm.
Bei BMW steht derweil ein Führungswechsel an. Der langjährige Vorstandsvorsitzende Oliver Zipse verlässt im Mai 2026 das Unternehmen altersbedingt. Sein Nachfolger wird Milan Nedeljkovic, bislang Produktionsvorstand. Er gilt als Effizienzexperte und soll insbesondere die neue Fahrzeuggeneration „Neue Klasse“ erfolgreich in die Serienproduktion führen und dabei die Kosten im Blick behalten.