KTM Insolvenz 2024 : KTM mit starkem Comeback: Warum der Aufschwung noch nicht zum Selbstläufer wird

KTM Produktion

KTM-Motorräder in der Produktion: Die Muttergesellschaft Bajaj Mobility meldet deutliche Fortschritte im ersten Quartal 2026.

- © KTM

Die Bajaj Mobility AG, vormals PIERER Mobility, meldet für das erste Quartal 2026 deutliche Erholungssignale. Der Motorradhersteller mit Sitz in Mattighofen, zu dem die Marken KTM, Husqvarna und GASGAS gehören, konnte Absatz und Umsatz kräftig steigern. Nach der KTM-Insolvenz und monatelangen Produktionsunterbrechungen scheint der Konzern operativ wieder Tritt zu fassen. Gleichzeitig zeigen die Zahlen: Der Weg zurück zu nachhaltiger Profitabilität bleibt anspruchsvoll.

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Im ersten Jahresviertel 2026 verkaufte Bajaj Mobility insgesamt 40.332 Motorräder der Marken KTM, Husqvarna und GASGAS. Das entspricht einem Plus von 125 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit hat sich der Absatz mehr als verdoppelt. Allerdings ist dieser Zuwachs auch vor dem Hintergrund eines sehr niedrigen Ausgangsniveaus zu sehen. KTM war im Herbst 2024 insolvent geworden, die Produktion wurde in der Folge mehrfach unterbrochen. Der Vergleich mit dem ersten Quartal des Vorjahres fällt daher besonders deutlich aus.

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KTM-Umsatz steigt kräftig: Operative Wende bei der Motorrad-Mutter

Auch beim Umsatz zeigt sich eine spürbare Erholung. Die Erlöse der Bajaj Mobility AG stiegen im ersten Quartal um 70,2 Prozent auf 331,3 Millionen Euro. Besonders stark entwickelte sich das Motorradgeschäft: In diesem Segment kletterte der Umsatz um 151,6 Prozent auf 272,4 Millionen Euro. Die wieder anziehende Nachfrage nach Motorrädern der Konzernmarken schlägt sich damit klar in den Büchern nieder.

Ein wichtiger Indikator für die operative Wende ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Das EBITDA verbesserte sich von minus 55,8 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf plus 5,5 Millionen Euro. Der Konzern hat damit operativ wieder schwarze Zahlen erreicht. „Der deutliche Anstieg beim Motorradumsatz und das positive EBITDA belegen, dass unsere operative Neuausrichtung greift“, sagt Finanzvorständin Petra Preining.

Vorstandschef Gottfried Neumeister wertet die Entwicklung ebenfalls als entscheidenden Fortschritt. „Das erste Quartal 2026 markiert einen spürbaren Wendepunkt für unser Unternehmen. Jetzt gilt es, diesen Schwung zu nutzen, die Effizienz weiter zu steigern und nachhaltig Profitabilität zu sichern.“

Gottfried Neumeister, Vorstandschef von Bajaj Mobility, sieht im ersten Quartal 2026 einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Sanierung der KTM-Mutter.

- © KTM Sportmotorcycle

KTM-Schulden bleiben hoch: Warum die Sanierung noch nicht abgeschlossen ist

Trotz dieser positiven Signale ist Bajaj Mobility noch nicht aus der Verlustzone heraus. Unter dem Strich stand im ersten Quartal ein Minus von 35,1 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte der Verlust noch 108,1 Millionen Euro betragen. Das Defizit wurde damit deutlich reduziert, doch die Sanierung ist noch nicht abgeschlossen. Auch die hohe Verschuldung bleibt ein zentrales Thema: Die Nettoschulden lagen im ersten Quartal bei 837 Millionen Euro.

Zudem verschlechterten sich wichtige Bilanzkennzahlen. Das Eigenkapital sank von 385,2 Millionen Euro auf 350,7 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote ging auf 22,2 Prozent zurück. Die operative Verbesserung steht damit einer weiterhin angespannten Finanzlage gegenüber.

Einen wichtigen Schritt zur Stabilisierung hatte das Unternehmen bereits im Februar 2026 gesetzt. Die KTM AG sicherte sich eine Refinanzierung über 550 Millionen Euro bei einem internationalen Bankenkonsortium. Mit dem frischen Kapital konnte der Restrukturierungskredit des indischen Mutterkonzerns Bajaj Auto International Holdings vollständig zurückgezahlt werden. „Die erfolgreiche Refinanzierung stärkt unsere finanzielle Basis erheblich“, heißt es aus Unternehmenskreisen.

Stellenabbau bei KTM: Sparkurs und Lagerabbau sollen Profitabilität verbessern

Der Konzern nutzt die neu gewonnene finanzielle Stabilität, um die Restrukturierung weiter voranzutreiben. Dazu gehört auch ein harter Sparkurs. Wie bereits angekündigt, sollen bis zum dritten Quartal 2026 rund 500 Stellen wegfallen. Betroffen sind vor allem der Angestelltenbereich und das mittlere Management. Der Personalabbau hat bereits begonnen: Zu Jahresbeginn beschäftigte Bajaj Mobility noch 3.782 Mitarbeiter, zum Stichtag 31. März waren es 3.662. Das entspricht einem Rückgang um 120 Beschäftigte. Bereits im Geschäftsjahr 2025 war der Personalstand um gut 1.500 Mitarbeiter gesunken.

Das Unternehmen begründet die Einschnitte mit der notwendigen Straffung der Strukturen. „Im Zuge der Restrukturierung wurden weitere Maßnahmen zur Straffung von Strukturen ergriffen, um die nachhaltige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit zu erlangen“, heißt es in der offiziellen Unternehmens-Sprechweise.

Neben dem Stellenabbau bleibt der Abbau der Lagerbestände ein zentraler Hebel der Sanierung. In der Vergangenheit hatten hohe Bestände im internationalen Händlernetz das Unternehmen belastet und die Margen unter Druck gesetzt. Nun arbeitet Bajaj Mobility weiter daran, die weltweiten Lager zu reduzieren. Niedrigere Bestände sollen Kapital freisetzen, die Planungssicherheit erhöhen und die Profitabilität verbessern.

Der Stellenabbau ist Teil der laufenden Restrukturierung bei KTM: Bis zum dritten Quartal 2026 sollen rund 500 Jobs wegfallen.

- © APA/MANFRED FESL

KTM-Turnaround 2026: Warum der Weg zurück in die Gewinnzone offen bleibt

Die Zahlen des ersten Quartals deuten darauf hin, dass diese Maßnahmen erste Wirkung zeigen. Die Händler ordern wieder mehr Motorräder, die Produktion läuft stabiler, und die Konzernmarken KTM, Husqvarna und GASGAS profitieren weiterhin von ihrer starken Stellung unter Motorrad-Enthusiasten. Gerade KTM gilt trotz der jüngsten Krise weiterhin als Marke mit hoher Strahlkraft.

Für das Gesamtjahr 2026 bleibt das Management dennoch vorsichtig. Konkrete Jahresziele nennt Bajaj Mobility nicht. Zu groß ist offenbar die Unsicherheit in einem weiterhin volatilen Marktumfeld. „Der Fokus liegt auf der weiteren Umsetzung der Restrukturierung und der Verbesserung der Profitabilität“, heißt es in der offiziellen Stellungnahme.

Damit zeigt sich ein gemischtes Bild: Bajaj Mobility hat im ersten Quartal bewiesen, dass der operative Neustart möglich ist. Absatz und Umsatz legen kräftig zu, das EBITDA ist wieder positiv, und die Refinanzierung verschafft dem Unternehmen finanziellen Spielraum. Gleichzeitig lasten Verluste, hohe Schulden, sinkendes Eigenkapital und ein massiver Personalabbau weiter auf dem Konzern.

Der Turnaround ist also eingeleitet, aber noch nicht vollendet. Für Bajaj Mobility wird 2026 zum entscheidenden Jahr: Gelingt es, den Schwung aus dem ersten Quartal zu halten und zugleich die Kostenbasis weiter zu senken, könnte die KTM-Mutter den Weg zurück in eine nachhaltige Gewinnzone schaffen. Misslingt dies, bleiben die strukturellen Belastungen trotz steigender Verkaufszahlen ein Risiko.

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