Strafzölle für Europa : Trump-Zölle: Alarmstufe Rot – wie BASF, Voestalpine und Palfinger jetzt gegensteuern
Inhalt
- Wegen Trump-Zöllen: Warum Traktoren, Schokolade und Stahl jetzt mehr kosten
- Zölle vertraglich abgesichert: FACC und Amag geben Kosten weiter
- Zwischen Risiko und Realität: So reagieren Pollmann, Palfinger und Bizerba auf US-Zölle
- Zölle setzen deutsche Autohersteller unter Druck: Verluste und Verlagerungen folgen
- Chemiebranche unter Druck: BASF & Co. senken Prognosen wegen US-Zöllen
- Stahlzölle belasten Exporte: Salzgitter und Thyssenkrupp reagieren auf den Einbruch
- Zollangst in der Pharmaindustrie: EU-Exporteure fürchten 100-Prozent-Abgaben
Donald Trump schwingt den Zollhammer und Europas Industrie passt sich an.
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Seit Einführung der Zölle von 15 Prozent hat sich die europäische Industrie auf einen neuen Normalzustand eingestellt – mit tiefgreifenden Folgen. Vor allem Auto- und Maschinenbauer, Chemieunternehmen, Stahlproduzenten und Herteller von Konsumgütern spüren den Druck und haben ihre Strategien angepasst: Investitionen werden vorsichtiger getätigt, Lieferketten zunehmend diversifiziert und Produktionskapazitäten teilweise in andere Märkte verlagert. Nach außen geben sich viele Unternehmen weiterhin betont robust, doch intern gilt der Zollaufschlag längst als dauerhafte Belastung, die Margen schmälert und Preiserhöhungen unumgänglich macht.
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Wegen Trump-Zöllen: Warum Traktoren, Schokolade und Stahl jetzt mehr kosten
Vor allem Unternehmen, deren Mitbewerber ebenfalls von Zöllen betroffen sind, reagieren mit Preiserhöhungen. „Die unmittelbaren Effekte der Zölle werden an die Kunden weiterberechnet“, sagt etwa der Vorstandschef vom Motorenhersteller Deutz, Sebastian Schulte. Erwartet werden daher höhere Preise für Traktoren und Baumaschinen in den USA. Ein 10-Prozent-Zoll würde die Maschinen um etwa 4 Prozent verteuern – da der Motor rund 30 Prozent der Wertschöpfung ausmacht. Deutz liefert jährlich rund 30.000 Motoren in die USA. Das US-Geschäft steht für knapp ein Viertel des Konzernumsatzes, die Hälfte davon stammt aus Deutschland. Eine Verlagerung der Produktion in die USA sei laut Schulte keine Option: „Wir können nicht auf Teufel komm raus in den USA eine Produktion aufbauen.“ Mit Marktverschiebungen rechnet er nicht – die Entscheidenden Konkurrenten stammen aus Japan und Großbritannien und sind damit ebenfalls von den Zöllen betroffen.
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Auch der Linzer Stahlkonzern Voestalpine prüft derzeit eine Weitergabe der Zölle. Zwar liegt der direkt betroffene Umsatzanteil bei nur zwei bis drei Prozent – rund 300 bis 500 Millionen Euro – dennoch spricht man bereits mit Kunden über mögliche Preisanpassungen. Der Konzern sieht sich jedoch gut vorbereitet, Anpassungen muss er dennoch vornehmen: Zuletzt wurde bekannt, dass das Böhler Bleche Werk in Mürzzuschlag von externen Beratern geprüft werde. Eine Verkleinerung des Standortes steht im Raum - bis Ende des Jahres sollen konkrete Schritte eingeleitet werden. Seit Jahren investieren die Linzer in ihre US-Standorte: An 49 Standorten beschäftigt der Konzern rund 3.000 Mitarbeitende. Mehr als die Hälfte des US-Umsatzes von 1,8 Milliarden Euro wird bereits vor Ort erwirtschaftet.
Die steirische Schokoladenmanufaktur Zotter plant ebenso, die Zölle an Endkunden weiterzugeben. „Das Schlimme an diesen Entwicklungen ist, dass es am Ende immer die Bevölkerung bezahlt“, so Firmengründer Josef Zotter. Eine US-Produktion kommt trotz Zöllen nicht infrage – frühere Überlegungen seien inzwischen vom Tisch. Der US-Vertrieb läuft über sechs Mitarbeitende und einen eigenen Online-Shop.
Der Frohnleitner Recyclingspezialist Komptech ist mit einem Exportanteil von über 95 Prozent stark von internationalen Handelsbedingungen abhängig. Die USA sind laut Ewald Konrad, CSO von Komptech, „einer der wichtigsten Exportmärkte“ des Unternehmens mit seinen 750 Beschäftigten. Die Mittbewerber entschärfen jedoch die Auswirkungen des neuen US-Zollregimes: „Da alle führenden Anbieter in unserer Branche aus Europa stammen, treffen die Zölle den Markt gleichermaßen.“ Für die USA bedeute wiederum, dass Umwelt- und Recyclingtechnologien ohne europäische Zulieferkompetenz kaum realisierbar sind – und die nun Preise steigen werden.
Zölle vertraglich abgesichert: FACC und Amag geben Kosten weiter
Andere Unternehmen zeigen sich gelassen – ihre Lieferverträge sichern eine Weitergabe der Zölle an die Kunden ab. Der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer FACC etwa sieht sich im Zollstreit gut abgesichert. Laut CEO Robert Machtlinger greife eine vertragliche Regelung, die FACC vor zusätzlichen finanziellen Belastungen schützt: „Unsere Verträge sehen vor, dass die Einfuhrzölle von den Kunden getragen werden müssen“, erklärt der Vorstandschef. Die von den USA initiierten Zollmaßnahmen treffen laut Machtlinger vor allem die eigene Industrie in Nordamerika: „Die US-Luftfahrtindustrie exportiere 80 Prozent der Güter, die nun teurer würden.“. Die Bedeutung des nordamerikanischen Marktes für FACC bleibt trotz der Handelsbarrieren beträchtlich. Rund 30 Prozent des Exportvolumens gehen in die USA und nach Kanada. Der Spezialist für Leichtbaukomponenten aus Faserverbundwerkstoffen beliefert nahezu alle großen Flugzeughersteller der Welt, darunter Boeing, Airbus und COMAC.
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Ähnlich argumentiert der Aluminiumkonzern Amag: Zwar verursachen die neuen Zölle „erhöhte Kosten und Anpassungsaufwände“, ein Großteil der Mehrkosten werde jedoch an Kunden weitergegeben. 15 Prozent der exportierten Walzprodukte gehen in die USA, ein Drittel davon ist vertraglich bezüglich Zollübernahme abgesichert. Die Beteiligung an der Elektrolyse Alouette in Kanada sichert der Amag pro Jahr rund 120.000 Tonnen Primär-Alu. Um eine doppelte Belastung durch Zölle zu vermeiden, werden die Mengen nun sukzessive nach Europa umgeleitet – statt wie bisher in die USA
Zwischen Risiko und Realität: So reagieren Pollmann, Palfinger und Bizerba auf US-Zölle
Der niederösterreichische Automobilzulieferer Pollmann wird zwar nicht direkt von den Einfuhrabgaben betroffen "Ganz egal kann uns das dennoch nicht sein" so Pollmann. Erste Anfragen nach Preisnachlässen sind schon jetzt am Standort in San Miguel de Allende eingegangen. Auch wenn der Kostendruck bereits vor dem neuen Zollregime hoch war, „wurde unseren Abnehmern nun eine hervorragende Argumentation gegeben die Preisfrage neu aufzurollen“. Die Entscheidung in Mexiko ein eigenes Werk zu errichten, bereut Pollmann nicht: „Auch nach den Zöllen kommt uns die Produktion günstiger als eine lokale in den USA“. Freude kommt angesichts der neuen Zölle dennoch keine auf „Am Ende des Tages erzeugt das Unsicherheit, bindet Ressourcen und kostet Nerven". Insbesondere die Frage wie lange die neuen Zölle nun bestand haben werden, kann niemand beantworten, aber: „Zuviel Furcht bringt auch nichts, das Risiko ist gestiegen, aber auch die Periode Trump wird vorbeigehen“.
„Eines vorweg: Zölle sind nie begrüßenswert. Die Erfahrung zeigt, dass Zölle auf lange Sicht Wachstum und Prosperität hemmen.“ Kommentiert Andreas Klauser, CEO von Palfinger, die neuen Strafzölle der USA. Der Kranhersteller aus Salzburg ist derzeit dabei die konkreten Auswirkungen auf die Produktgruppen zu evaluieren: „Auf dieser Basis werden wir Maßnahmen setzen, um die Auswirkungen der Zollpolitik für uns als Unternehmen zu minimieren.“. Palfinger hat in den USA vier Werke und 1170 Beschäftigte. Es geht um 27 Prozent des Gesamtumsatzes von 2,36 Milliarden Euro. „Wir haben uns rechtzeitig auf die weltweit volatilen Verhältnisse vorbereitet, wir können damit umgehen.“, sagt Klauser.
Der schwäbische Hersteller von Präzisionswaagen Bizerba ist seit über 40 Jahren am US-Markt tätig. Heute macht das Familienunternehmen rund ein Viertel seines Umsatzes von 800 Millionen Euro in den Vereinigten Staaten. Während der ersten Trump-Administration verlagerte man die Produktion von China nach Serbien – um den damaligen Zöllen zu entgehen. Nun trifft den Standort in Serbien ein Zollsatz von 37 Prozent. Die Mehrbelastung mit Preiserhöhungen auszugleichen wird wohl nicht möglich sein. „Das stellt unsere Kalkulation vor Herausforderungen“, räumt Kraut im Interview mit dem Handelsblatt ein. Die Endmontage könne in wenigen Monaten in die USA verlagert werden, das Problem sind jedoch die dadurch entstehenden Mehrkosten. „Man spart zwar die Zölle, muss aber die ganze Infrastruktur aufbauen, inklusive der Logistik. Das dauert einige Zeit, bis man das wieder erwirtschaftet hat.“
Zölle setzen deutsche Autohersteller unter Druck: Verluste und Verlagerungen folgen
In der deutschen Automobilbranche wächst die Nervosität über die dauerhaften 15-Prozent-Zölle: Continental erwartet schon in der zweiten Jahreshälfte einen hohen zweistelligen Millionenbetrag an Belastungen. Auch Mahle, stark auf Komponenten für Verbrennungsmotoren fokussiert, sieht sich mit „dramatischen“ Folgen konfrontiert, da Kunden Produktionsdrosselungen in Nordamerika vornehmen. Bei Volkswagen schlägt der Zolldruck bereits in der Ergebnisrechnung durch: Der Konzern musste für das erste Halbjahr einen operativen Verlust von rund 1,3 Milliarden Euro im US-Geschäft hinnehmen. Als Reaktion verhandeln Volkswagen, BMW und Mercedes derzeit mit US-Behörden über mögliche Zollentlastungen im Austausch gegen Investitionen in den USA. Gleichzeitig plant Mercedes, einen Teil der Produktion des GLC-SUVs in sein Werk in Alabama auszulagern, um den direkten Zölleffekt zu mindern.
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Chemiebranche unter Druck: BASF & Co. senken Prognosen wegen US-Zöllen
Neben der Auto- und Pharmaindustrie zählt die Chemiebranche zu den größten Verlierern der Trump-Zölle. BASF hat seine Gewinnprognose für 2025 nach unten korrigiert: Der erwartete Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) wurde von 8,0–8,4 Milliarden Euro auf 7,3–7,7 Milliarden Euro gesenkt, gleichzeitig sank der operative Gewinn im zweiten Quartal um knapp zehn Prozent. In Deutschland lief die Branche im zweiten Quartal nur zu 72 Prozent ihrer Kapazität – der niedrigste Wert seit über drei Jahrzehnten. Auch Henkel musste seine Erwartungen anpassen und bezog die Zollbelastung in die Prognose ein. SGL Carbon rechnet mit einem Umsatzrückgang von 10 bis 15 Prozent im laufenden Geschäftsjahr. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) warnt, dass es ohne politische Entlastung kaum Chancen auf Erholung gebe – viele Werke gelten bereits heute als wirtschaftlich prekär.
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Stahlzölle belasten Exporte: Salzgitter und Thyssenkrupp reagieren auf den Einbruch
Mit Zöllen von bis zu 50 Prozent auf Stahlimporte in die USA steht die europäische Stahlindustrie unter enormem Druck. Salzgitter sprach früh von einem „schweren Schlag“: Der Konzern verzeichnete im ersten Quartal 2025 einen Kernverlust und machte explizit auf die Last höherer US-Zölle aufmerksam. Zudem sei mit Rückgängen von 2–3 Millionen Tonnen in den europäischen Exporte zu rechnen.
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Thyssenkrupp Steel Europe weist darauf hin, dass direkte Exporte in die USA nur einen kleinen Teil des Geschäfts ausmachen, betont aber gleichzeitig, dass die Zollerhöhungen den gesamten Handel belasten. Allerdings sind offizielle Aussagen bislang vorsichtig: Thyssenkrupp meldet, die Belastung sei „begrenzt“, doch mögliche Umlagerungs- und Diversions-Effekte seien eine große Unsicherheit.
Parallel dazu plant Thyssenkrupp bereits einen Verkauf seiner Stahlsparte. Seit 2024 hat das Unternehmen 20 Prozent dieser Sparte an den tschechischen Investor EP Corporate Group verkauft. Nun. wurde bekannt das offenbar der indische Riese Jindal an einer Übernahme des Stahlgeschäfts interessiert sei.
Zollangst in der Pharmaindustrie: EU-Exporteure fürchten 100-Prozent-Abgaben
In der EU-Pharmaindustrie wächst die Unsicherheit – besonders in Irland, einem der wichtigsten Produktionsstandorte für Arzneimittel mit starker US-Ausrichtung. Dort summierten sich die Exporte von Pharma- und Medizinprodukten in die USA zuletzt auf rund 33 Milliarden Euro. Die Drohung, Zölle von bis zu 100 Prozent auf patentgeschützte Medikamente zu verhängen, hat die Branche alarmiert. Gleichzeitig argumentiert die EU-Kommission Europa wäre von erneuten Zollverschärfungen nicht betroffen.
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Große Konzerne wie Pfizer reagierten bereits mit Preisnachlässen im US-Markt, um im Gegenzug Ausnahmen von den Abgaben zu erhalten. Roche und Novartis betonen, dass ihre Investitionen in US-Werke ihnen helfen, die Zollbelastungen abzufedern. Für viele kleinere und mittelständische Hersteller jedoch, die keine eigene Produktionsbasis in den USA haben, stehen schwierige Entscheidungen an: Preisanpassungen, Produktverlagerungen oder Investitionsstopps. In Irland warnt man schon jetzt vor Jobverlusten und Einbußen bei Steuereinnahmen, sollte es zum Eskalationsszenario kommen.