Papierindustrie : Papierindustrie: Gute Zahlen für 2021, Strategiesuche für die Zukunft

Sebastian Heinzel, CSO der Heinzel Holding, CEO von Heinzel Sales in der Papierindustrie und Zellstoffindustrie

Sebestian Heinzel: Strategien gegen hohe Energiepreise gesucht

- © Matthias Bernold

Der Papierkonzern Heinzel Group hat 2021 mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 195,8 Mio. Euro ein Plus von 55,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr das zweithöchste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte erzielt. Trotz aller Widrigkeiten durch den Ukraine-Krieg, die noch anhaltende Pandemie, Inflation und hoher Rohstoff- und Energiepreise strebt die Gruppe weiteres Wachstum an.

Der Vorstand der Gruppe wird per April umgebaut: Sebastian Heinzel - vormals Chief Strategy Officer - folgt Kurt Maier als CEO nach. Maier wechselt in die Rolle des Chief Operation Officer (COO). CFO Barbara Potisk-Eibensteiner verbleibt ebenso in der dreiköpfigen Unternehmensführung.

Der Umsatz von Heinzel nahm durch steigende Verkaufsvolumina und hohe Marktpreise um 26,5 Prozent auf 2,038 Mio. Euro zu. Die eigene Papier- und Zellstoffproduktion erhöhte sich um 5 Prozent auf rund 1,69 Mio. Tonnen. Die gruppenweiten Verkaufsmengen - 54,7 Prozent Handelsware und 45,3 Prozent aus Eigenproduktion - legten um 26.000 Tonnen auf 3,71 Mio. Tonnen zu.

Die Heinzel Group erzeugt an vier Standorten in Europa Marktzellstoff, Verpackungspapiere sowie Magazinpapiere und handelt weltweit mit Zellstoff, Papier, Altpapier und Verpackungslösungen. Mit den Produktionsunternehmen Zellstoff Pöls, Laakirchen Papier, Raubling Papier und Estonian Cell gehört sie nach eigenen Angaben zu den wichtigsten Zellstoff- und Papierproduzenten in Mittel- und Osteuropa. Dazu kommen noch die drei Handelsunternehmen heinzelsales, Europapier und Bunzl&Biach.

Laut dem zukünftigen CEO Sebastian Heinzel sind zuletzt nicht nur die Energiepreise extrem gestiegen, sondern auch die Kosten für das eingesetzte Altpapier, Stärke und Chemikalien. Diese Gestehungskosten könnten jeweils nur mit Zeitverzug an den Markt weitergegeben werden. Ab Ende 2021 seien den Abnehmern Energiekostenzuschläge verrechnet worden

Ob der derzeitige Eindruck, die Nachfrage würde zurückgehen, auf die höheren Kosten zurückzuführen sei oder ob es sich um eine Beruhigung und Normalisierung des Marktes nach der ab Sommer 2021 sehr starken Nachfrage nach sei noch nicht klar. Wenn es kein Gas aus Russland mehr gebe, würde die Papierproduktion aber auf jeden Fall stehen, sagt Heinzel - die Werke benötigen Wärme zum Trocknen des Papiers.

Branche will Energieverbrauch senken

Die hohen Energiepreise hatten im Vormonat zu einem kurzfristigen Produktionsstopp bei der obersteirischen Papierfabrik Norske Skog in Bruck an der Mur geführt. Erst nachdem man neue Konditionen mit den Kunden abschließen konnte, wurde die Produktion wieder aufgenommen. Zugleich verfolgt Norske Skog wie andere Papierhersteller auch die Strategie, seinen Energieverbrauch zu senken. An April soll ein neuer Kessel den Gasverbrauch des Werks reduzieren.

Gute Zahlen hatte zueltzt auch der in Österreich tätige Mondi-Konzern vorgelegt. Der Konzern mit 2.500 Mitarbeitern in Österreich hat 2021 ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 1,503 Mrd. Euro erzielt, ein Plus von 150 Mio. Euro im Jahresvergleich. Der Gewinn vor Steuern legte um 28 Prozent auf 983 Mio. Euro zu. Ergebniszahlen zu den einzelnen Ländern wurden nicht genannt.

Mondi
hat bedeutende Aktivitäten in Russland, die im Jahr 2021 rund zwölf Prozent des Umsatzes der Gruppe nach Produktionsstandort ausmachten, einschließlich der kostengünstigen, integrierten Zellstoff-, Verpackungspapier- und unbeschichteten Feinpapierfabrik in Syktyvkar. In den letzten drei Jahren haben die russischen Betriebe von Mondi rund 20 Prozent des bereinigten EBITDA des Konzerns erwirtschaftet.

Personell hat sich der Konzern im Bereich Flexible Packaging und Engineered Materials neu aufgestellt: Der Wiener Thomas Ott wird neuer Chef für die Geschäftsbereiche Flexible Packaging und Engineered Materials von Mondi. Er ist dort für 12.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von rund 4 Mrd. Euro in 29 Ländern verantwortlich und folgt in dieser Position auf Peter Orisich, der in den Ruhestand getreten ist. Zuletzt arbeitete Ott für den Verpackungshersteller Amcor in der Schweiz.

Auch Konkurrenz in guter Verfassung

Der börsenotierte Kartonhersteller Mayr-Melnhof hat 2021 dank starker Nachfrage nach Kartonverpackungen und Papieren mehr Gewinn gemacht. Der Jahresüberschuss legte gegenüber dem Jahr davor um 17,5 Prozent auf 190,7 Mio. Euro zu, wie der Konzern am Dienstag bekanntgab. In beiden Divisionen sei es gut gelaufen - trotz starkem Margendruck wegen Preissteigerungen bei Energie, Altpapier und Zellstoff. Die Dividende für 2021 soll auf 3,50 Euro je Aktie angehoben werden, für 2020 waren 3,20 Euro je Titel ausgeschüttet worden.

Die Kostenanstiege bei den Rohstoffen im abgelaufenen Jahr seien "historisch einzigartig" gewesen, so das Unternehmen. Der dadurch entstehende Druck auf die Margen konnte den Angaben zufolge jedoch durch Preiserhöhungen, die allerdings nur zeitversetzt umgesetzt werden konnten, sukzessive kompensiert werden. Mit dem Kauf der Karton- und Papierwerke Kwidzyn in Polen und Kotkamills in Finnland sowie dem Verkauf von kleineren Kartonwerken vollzog das Unternehmen zudem einen starken strategischen Wandel. Ziel sei es, wettbewerbsfähiger zu werden und damit Wachstum und mehr Profitabilität zu ermöglichen.

Die Zukäufe kurbelten den Umsatz von Mayr-Melnhof an. Die Verkaufserlöse stiegen im Vorjahr um gut ein Fünftel (21,4 Prozent) auf 3,07 Mrd. Euro an. Auch das Betriebsergebnis erhöhte sich um 16,5 Prozent auf 269,6 Mio. Euro. Dabei standen Einmalaufwendungen aus der Erstkonsolidierung der im Vorjahr erstandenen Werke Kwidzyn in Polen und Kotkamills in Finnland in Höhe von 26,3 Mio. Euro und Restrukturierungsaufwendungen in der Division MM Packaging von 20,1 Mio. Euro Einnahmen aus dem Verkauf der Werke Eerbeek und Baiersbronn von 46,1 Mio. Euro gegenüber.

Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) nahm um 5,5 Prozent auf 421 Mio. Euro zu. Vor Steuern lag der Gewinn bei 224,5 Mio. Euro, das waren um 10,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Mayr-Melnhof erwirtschaftet rund 9 Prozent seines EBITDA in Russland und der Ukraine, in Russland produziert das Unternehmen an zwei Standorten - St. Petersburg und Pskov - Packagingprodukte für den lokalen Bedarf bei täglichen Konsumgütern. "Mit einem Stillstand muss gerechnet werden", schreibt Mayr-Melnhof im Ausblick. Weiters seien alle Kartonlieferungen nach Russland gestoppt worden. Am Standort Cherkassy in der Ukraine sei der Betrieb zudem stark eingeschränkt. Die weiteren Entwicklungen in den Ländern würden genau beobachtet.

Für das laufende Jahr 2022 plant das Unternehmen wegen der stark steigenden Inputkosten weitere Preiserhöhungen. Eine Kartonpreiserhöhung sei für das zweite Quartal geplant. Nachfrage und Auftragslage würden sich aber "in guter Verfassung" zeigen, heißt es im Ausblick. Als Dividende für 2021 schlägt das Management nun 3,50 Euro je Aktie vor. Für 2020 waren 3,20 Euro pro Papier ausgeschüttet worden.