Oliver Zipse Nachfolger BMW : BMW vor dem Stresstest: Neuer Chef erbt eine gefährliche Baustelle
Milan Nedeljković übernimmt im Mai 2026 den Vorstandsvorsitz der BMW AG und folgt damit auf Oliver Zipse. Der langjährige Produktionsvorstand gilt als BMW-Eigengewächs – und startet in einer heiklen Phase für den Autobauer.
- © BMWBei BMW endet eine Ära: Nach der Hauptversammlung am 13. Mai 2026 zieht sich Oliver Zipse planmäßig aus dem Vorstand zurück. Einen Tag später übernimmt Milan Nedeljković den Vorsitz des Vorstands der BMW AG. Der bisherige Produktionsvorstand tritt damit an die Spitze eines Konzerns, der im Branchenvergleich solide dasteht, aber unter erheblichem Druck aus China, Zöllen und sinkender Profitabilität steht.
Nedeljković ist kein externer Sanierer, sondern ein Eigengewächs. Der promovierte Ingenieur begann 1993 als Trainee bei BMW, leitete unter anderem Werke in Leipzig und München und verantwortete seit 2019 das Produktionsressort im Vorstand. Sein Vertrag als Vorstandschef läuft nach Unternehmensangaben bis 2031. Aufsichtsratschef Nicolas Peter bescheinigte ihm bei der Bekanntgabe der Nachfolge „strategischen Weitblick“ und „große Umsetzungsstärke“.
Der Führungswechsel kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. BMW hat 2025 zwar seine Position unter den deutschen Premiumherstellern behauptet, die Ertragskraft steht jedoch spürbar unter Druck. Das Ergebnis vor Steuern lag 2025 bei 10,236 Milliarden Euro, die EBIT-Marge im Automobilsegment bei 5,3 Prozent. Damit bleibt BMW deutlich unter dem Anspruch, dauerhaft deutlich höhere Renditen zu erzielen.
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China und Zölle werden für BMW zur brisanten Belastung
Im Vergleich mit den deutschen Wettbewerbern wirkt BMW dennoch robust. Volkswagen meldete für 2025 ein operatives Ergebnis von 8,9 Milliarden Euro und eine operative Marge von 2,8 Prozent. Mercedes-Benz Cars kam auf ein bereinigtes EBIT von 4,8 Milliarden Euro und eine bereinigte Umsatzrendite von 5,0 Prozent. Audi erzielte im selben Jahr 3,4 Milliarden Euro operativen Gewinn bei einer Marge von 5,1 Prozent.
Zu den größten Belastungen zählt China. Der Markt, auf dem deutsche Hersteller über Jahre hohe Gewinne erzielten, ist durch einen harten Preiskampf und starke heimische Konkurrenten geprägt. BMW selbst verweist in den aktuellen Quartalszahlen auf schwächere Nachfrage in China als einen Grund für den Umsatzrückgang zu Jahresbeginn 2026. Im ersten Quartal sank der Konzernumsatz um 8,1 Prozent auf 31 Milliarden Euro, die EBIT-Marge im Automobilgeschäft fiel auf 5,0 Prozent.
Hinzu kommen Handelskonflikte. BMW rechnet für 2026 mit einer Belastung der EBIT-Marge im Automobilsegment durch höhere Zölle von rund 1,25 Prozentpunkten. Bereits 2025 hatten zusätzliche Zölle die Marge laut Konzern um etwa 1,5 Prozentpunkte gedrückt. Betroffen ist BMW unter anderem durch US-Zölle sowie durch EU-Abgaben auf aus China importierte Elektrofahrzeuge.
Neue Klasse wird zur entscheidenden Bewährungsprobe
Strategisch übernimmt Nedeljković zugleich ein zentrales Zukunftsprojekt seines Vorgängers: die „Neue Klasse“. Mit der neuen Elektro- und Softwarearchitektur will BMW die nächste Fahrzeuggeneration prägen. Zipse hatte während seiner Amtszeit darauf gesetzt, den Konzern nicht ausschließlich auf batterieelektrische Fahrzeuge festzulegen, sondern verschiedene Antriebstechnologien parallel offen zu halten. Diese Linie unterschied BMW von Wettbewerbern, die früher einen klareren Bruch mit dem Verbrenner angekündigt hatten.
Dass BMW bei Elektroautos dennoch nicht zurückliegt, zeigen die Absatzzahlen. 2025 lieferte die Gruppe weltweit 2.463.715 Fahrzeuge aus, ein Plus von 0,5 Prozent. Darunter waren 442.072 vollelektrische Fahrzeuge. Insgesamt verkaufte BMW 642.087 elektrifizierte Fahrzeuge, also batterieelektrische Modelle und Plug-in-Hybride zusammen.
Für Nedeljković wird die zentrale Aufgabe sein, aus dieser technologischen Ausgangslage wieder höhere Margen zu machen. BMW setzt dabei bislang weniger auf große Stellenabbauprogramme als auf Kostendisziplin, effizientere Produktion und eine bessere Auslastung neuer Plattformen. Gleichzeitig zeigen Wettbewerber wie Mercedes-Benz, wie stark der Druck auf die Kostenbasis inzwischen ist: Mercedes kündigte für die kommenden Jahre unter anderem feste Kostensenkungen und eine Senkung der Produktionskosten pro Fahrzeug an.
BMW hat Spielraum – aber keinen Komfortmodus
Finanziell hat BMW mehr Spielraum als viele Konkurrenten. Die Gruppe beschäftigte Ende 2025 weltweit 154.540 Menschen und verfügte weiterhin über eine starke Kapitalbasis. Genau dieses Polster ist für den neuen Vorstandschef Chance und Verpflichtung zugleich: Er muss die Transformation finanzieren, die Rendite stabilisieren und Investoren davon überzeugen, dass BMW den Spagat zwischen Verbrennergeschäft, Elektromobilität, Software und globalem Wettbewerb besser bewältigen kann als die Konkurrenz.
Der Wechsel an der BMW-Spitze ist deshalb weniger ein Bruch als ein Stresstest der Kontinuität. Zipse übergibt keinen Sanierungsfall, aber auch keinen Konzern im Komfortmodus. Nedeljković übernimmt einen Premiumhersteller mit starker Marke, solider Bilanz und wachsendem Elektroabsatz — allerdings in einer Branche, in der alte Gewissheiten kaum noch gelten.