Teil 2: Robert Ottel, Voestalpine - der Bilder-Maler

Sie sind die Zukunft der Industrie, aber sie sind selten: Nur 39 der 500 einflussreichsten Industriemanager sind unter 45. Wie führt, wie entscheidet und motiviert die Generation U45 in den heimischen Vorständen?

Schweigen. Wer Robert Ottel zu Details aus seinem Lebenslauf befragt, der erhält zuallererst – Schweigen. „Ich glaube, ich werde alt“ sagt der Finanzvorstand der Voestalpine, der gerade einmal 42 Lenze zählt und ruft auf dem Laptop seinen Lebenslauf auf. „Ach ja, Maschinenbau habe ich bis 1991 studiert, BWL noch während meines ersten Jobs bei der Haas Waffelmaschinengruppe, bis 1994.“
Für einen Finanzvorstand hat Ottel sein persönliche Zahlenwerk erstaunlich schlecht parat. Das liegt vielleicht daran, dass der Vater dreier kleiner Söhne seine Führungsaufgabe weniger in der Analyse als in der Kommunikation sieht. „Die Kunst eines Finanzvorstandes ist es, Zahlen spürbar zu machen“ sagt Ottel. Da kann es schon vorkommen, dass er vor einer Präsentation erhebliche Zeit für das Malen von Bildern veranschlagt. Etwa jenes vom Ralleyfahrer, der in der Kurve gleichzeitig bremst und Gas gibt um auf der folgenden Geraden schneller vom Fleck zu kommen. „Das soll den Zustand der Voestalpine im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld begreifbar machen“ sagt Ottel.

Kreativ. Kollegen bestätigen die kreative Kraft, die Ottel innewohnt. Ein kreativer Beruf ist für den Bildermaler, Sohn zweier Freiberufler – die Eltern haben ein Architekturbüro – trotzdem nie in Frage gekommen. Auch war von Anfang an klar, dass er niemals selbständig sein wollte. „Ich habe die Arbeitsbelastung meiner Eltern gesehen, das war kein Lebensplan für mich“ sagt Ottel. Heute hat er nach eigenen Angaben „acht bis 19-Stunden-Tage“ und sein Gehalt bemisst sich zu zwei Drittel aus den Variablen Vorsteuerergebnis und Kapitalrentabilität. Kann gut sein, dass der Mann die Sache mit der Selbständigkeit heute auch ein bisschen anders sieht.
Doch wie wird jemand, der sich in jungen Jahren weder Selbständigkeit, Chefsessel noch Luxusleben erträumt, mit 38 zum Finanzvorstand eines der größten Industriebetriebe des Landes? Möglicherweise, so die Selbsteinschätzung, „weil ich immer den vollen Einsatz geben und nie zufrieden bin“. Vor allem nicht mit sich selbst. Als einen Getriebenen dieser Unzufriedenheit sieht sich der Mann, der 1997 im Zuge der geplanten Übernahme des deutschen Herstellers Salzgitter im Voest-internen Ausbildungsprogramm „Hochmobilitätsreserve“ zur Firmenelite ausgebildet wurde, dennoch nicht. „Unglücklich wäre ich mit der Situation doch nur, wenn ich sie nicht ändern könnte. Aber ich kann ja immer den Extra-Schritt gehen, der nötig ist.“

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