Portrait

Engel Austria. Einblick in eines der verschwiegensten Familienunternehmen des Landes

Stefan Engleder, CEO des Schwertberger Spritzgießmaschinenbauers Engel Austria
© Engel

Dieser Artikel erschien in INDUSTRIEMAGAZIN 2/2016. Er wurde seither nicht upgedatet. Einige handelnde Personen sind möglicherweise aus dem Unternehmen ausgeschieden.

Das Wasser kam rasend schnell. Viel zu schnell, um noch Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Rekordniederschläge lassen im August 2002 die Aist über die Ufer treten, binnen weniger Stunden steht die gesamte Altstadt der kleinen Mühlviertler Gemeinde Schwertberg unter Wasser. Die Produktion in der Ludwig-Engel-Straße 1 trifft die Naturgewalt besonders hart: Denn in einer zweiten Flutwelle kommt der Schlamm – und zerstört große Teile der Fertigungs- und Logistikflächen. Binnen weniger Stunden wird der Maschinenbauer Engel zum Multimillionen-Schadensfall. Im nahegelegenen Gasthof Tinschert erinnert sich ein Stadtpolitiker lebhaft: "Ich habe die gewaltigen Bilder vor mir. Und auch die Sorge, was diese Naturkatastrophe für die Zukunft von Stadt und Standort bedeuten wird." Der idyllische Gasthof, seit Jahrzehnten beliebteste Absteige für Gäste der Engels und, Ironie des Schicksals, vom Bruder eines Geschäftsführers beim Maschinenbauer Battenfeld geführt, wird zum Informationsknoten für viele der betroffenen Unternehmer der Umgebung. "Ich erinnere mich, dass nicht nur einmal Nachbargemeinden bei der Firma Engel vorstellig wurden und diese mit günstigen, hochwassersicheren Gründen für den Neuanfang köderten", sagt der Kommunalpolitiker.

Doch dazu sollte es nie kommen. Zur emotionalen Bindung an den 5.000-Seelen-Ort – die Eigentümerfamilien Schwarz und Engleder sind nach wie vor ansässig – gesellt sich fast so etwas wie Trotz: "Wir bauen dieses Werk genau hier wieder auf", war für Peter Neumann, 59, und Schwiegervater Georg Schwarz, heute 88 und mit seiner Frau Irene immer noch Haupteigentümer des Unternehmens, klar, als sie in Gummistiefeln in das Werk stapften. "Die Geschäftsführung demonstrierte, dass auf ein eigentümergeführtes Familienunternehmen mehr Verantwortung zukommt als per Stichtag ein gutes Ergebnis abzuliefern", sagt ein mittlerweile pensionierter Mitarbeiter. Und er erinnert sich an die in familiengeführten Unternehmen typische Flexibilität: "Wer damals wirklich wollte und sich reingekniet hat, bekam von der Geschäftsführung völlig freie Hand." Motivierte Mitarbeiter aus Produktion, Vertrieb oder der Logistik avancierten in diesen Tagen kurzerhand zu Führungskräften mit weitreichenden Entscheidungskompetenzen. "Das Hochwasser hat bei Engel Karrieren gemacht", sagt Engel-CEO Peter Neumann. Aber, und das bestätigen selbst Vorstände: Es hat auch Karrieren zerstört.

Tradition und neue Wege

2002 markiert für den Maschinenbauer Engel so etwas wie die Neuzeit: Ein bodenständiger Steirer, Peter Neumann, angeheirateter Schwiegersohn der Aufbaugeneration rund um Irene (geborene Engel), 87, und Georg Schwarz, 88, zieht binnen weniger Monate ein neues Werk mit einer bis heute für Maschinenbauer einmaligen Fertigungstiefe hoch. Neumann, "kein Krakeeler, der sofort mit Abwanderung droht" (ein Landespolitiker), schleust in den bisher wie am Reißbrett geführten Mittelständler neue Managementmethoden ein, ohne am strengen Wertekanon des Unternehmens, den Gründer Ludwig Engel 1945 aufstellte, zu kratzen. Mit "extremer Innovationsgeschwindigkeit" (ein Mitbewerber) arbeitet sich Engel in kurzer Zeit zum 5.200-Mitarbeiter-Konzern mit neun Werken und 29 Vertriebsniederlassungen hoch. Im Geschäftsjahr 2014/15 knackten die Schwertberger die Umsatzmilliarde. Heute zieht Neumann mit zwei Sprösslingen aus den Eigentümerfamilien,die beide noch keine 40 sind, die Fäden: Stefan Engleder, 37, Sohn von Schwarz-Tochter Birgitte Engleder, verantwortet seit 2012 das Technik-Ressort; Christoph Steger, Schwiegersohn von Schwarz-Tochter Birgitte, ist seit 2014 Vertriebschef des Maschinenbauers.

Strenge Werte – gute Freunde

Der allererste Arbeitstag beginnt für Mitarbeiter bei Engel mit einem Kompliment. Und einer Forderung. "Sie sind ein Vorbild. Handeln Sie danach." So steht es in dem Dutzende Richtlinien enthaltenden Wertekanon, den neue Mitarbeiter an ihrem "Willkommenstag" ausgehändigt bekommen. Vielen Neulingen wird das Schriftstück, wohl um ihm besondere Kraft zu verleihen, vom Vorstand höchstpersönlich ausgehändigt. Denn eine Formalie ist der Kodex nicht: "Kollegen, die nicht in die Kultur passen, kaut das Unternehmen dreimal durch und spuckt sie aus." Diesen Satz bekommen Firmenfremde sowohl von Führungskräften als auch von Mitarbeitern zu hören.

Die Werte, an denen sich jeder Neuling zu orientieren hat, sind jene, die "der geniale Gründer" (O-Ton Mitarbeiter) Ludwig Engel im Unternehmen verankert hat. 1945 eröffnet er seine kleine Schlosserei in Schwertberg und setzte bei der Entwicklung und Fertigung der ersten kunststoffverarbeitenden Maschinen auf leistungshungrige und selbstständige Mitarbeiter. Die fast schon asketisch anmutende Sparkultur fand erst in der zweiten Generation Eingang in die Unternehmens-DNA. Georg und (vor allem) Irene Schwarz perfektionierten die Kostenkontrolle: Schnurren wie jene, dass Irene Schwarz die Kosten für Fachbücher bis hin zu Rabattsätzen für Investitionen in den Firmenpark im Kopf hatte, erzählen sich Mitarbeiter noch heute. "Sie hielt uns nicht einmal, sondern drei Mal am Tag in deutlichen Worten zu mehr Wirtschaftlichkeit an", erinnert sich eine mittlerweile pensionierte Führungskraft.

Dass Askese von der Geschäftsführung vorgelebt wird, versteht sich von selbst. "Bei Peter Neumann und den anderen Mitgliedern der Eigentümer- und Geschäftsführungsfamilien findet man keine Privatyachten oder Privatjagden", sagt ein Aufsichtsrat. Ein Engel-Servicetechniker erinnert sich noch heute lebhaft daran, wie ihm vor Jahren zufällig Chef Neumann am Flughafen Birmingham über den Weg lief. Der von seinem Zehn-Stunden-Flug aus Korea sichtlich geschlauchte Chef nahm sich Zeit für den Kollegen und flog – selbstverständlich – Holzklasse. "Die Pflicht, kosteneffizient zu handeln, betrifft auch die Führungsebene", erzählt ein Mitarbeiter, wie schon damals, als Irene Schwarz die Bücher führte. Einzig die Methoden wurden an die Konzernkomplexität angepasst: Weltweit ausgerollte IT-Systeme sorgen heute für Kostentransparenz von Schwertberg bis Pyungtaek-City. Und mit Produktkostenanalysen rechnet Engel bis auf die erste Nachkommastelle nach, wie viel welcher Teil im Einkauf kosten darf.

Harte Mitbewerber

Dabei hat kaum ein Maschinenbauer so wenige Vorlieferanten wie Engel. Eine einzigartige – und fast anachronistisch anmutende – Fertigungstiefe zeichnet die Maschinen made in Schwertberg aus. Selbst einfache Blechteile für das Gehäuse oder Unterböden werden noch immer hausintern produziert. Nur so lässt sich für Engel offenbar der Anspruch der Gründergeneration an Kostenkontrolle und Innovationsfähigkeit mit der emotionalen Bindung an den Standort in Einklang bringen. Kleine geografische Zugeständnisse an die Globalisierung hat man Anfang des Jahrtausends aber doch gemacht: Die Blechbearbeitung aus Schwertberg wurde abgezogen, einfache mechanische Komponenten werden werden seither von der verlängerten Werkbank Kaplice in Tschechien per Lkw in die drei Österreichwerke geliefert.

Doch die Selbermacher-Mentalität der Engels hat noch einen weiteren, sehr rationalen Grund: Nur wenn selbst profan scheinende Technologie im Hause behalten wird, lassen sich die Maschinen ideal an Kundenwünsche anpassen. Denn die Schwertberger haben sich im letzten Jahrzehnt vom Spritzgießmaschinenbauer zum Systemanbieter gewandelt. Kunststoffverarbeitern werden mit fast chirurgischer Präzision "customized" Maschinen geliefert. Vom hochautomatisierten Prozess bis zu Spezialanwendungen wie dem automobilen Leichtbau und neuen innovativen Verfahren wie zuletzt dem Spritzgießen von Metalllegierungen: Die Schwertberger haben sich längst aus dem immer größeren preislichen Verwerfungen ausgesetzten Standardsegment herausgelöst. Mit dieser Strategie entfernt sich Engel vom Mitbewerb: Setzt die technologisch starke japanische Konkurrenz wie Toshiba und Fanuc auf Maschinentechnologie für die Massen, stehen für den Erfinder der Holmlos-Technologie aus Schwertberg Prozesstechnologie, Automatisierung, Werkzeugprojektierung und Support im Vordergrund. Bislang ging die Strategie auf: Um wie Engel die Umsatzmilliarde zu knacken, musste der chinesische Anbieter Haitian im Vorjahr fünf- bis sechsmal so viele Maschinen absetzen wie der qualitätsbewusste Mitbewerber aus Schwertberg. In China adressiert Engel seit 2014 mit der Zweitmarke Wintec zwar das mittlere Preissegment – hält aber mit im Funktionsumfang reduzierten Maschinen dennoch am europäischen Qualitätsanspruch fest. Drei Produktionswerke, zwei in China (Shanghai, Changzhou), eines in Korea (Pyungtaek-City) unterhält Engel mittlerweile in Asien. Die Feierlichkeiten zum 30-Jahre-Jubiläum von Engel in der asiatischen Welt sind trotzdem von einem Ereignis überschattet, das kürzlich Schlagzeilen machte: Im Januar wurde der schärfste Mitbewerber Engels, der Großmaschinenhersteller KraussMaffei, von einem Konsortium um den Chemiekonzernriesen ChemChina um fast eine Milliarde Euro gekauft. Wie viel stärker der Zugang des Mitbewerbers zum asiatischen Markt dadurch wird, ist fraglich. Für Engel-CEO Neumann war die bisherige Eigentümer-Konstellation jedenfalls ein Geschenk: Denn mit langfristiger Aufbauarbeit machten die stetig wechselnden Finanzinvestoren, die KraussMaffei seit der Veräußerung durch Siemens Anfang der 2000er kontrollierten, wenig Schlagzeilen.

Vertrauen. Verantwortung. Veränderung?

Dass auch die Schwertberger einst konjunkturellen Gegenwind erfahren mussten, dafür sorgte das Jahr 2009: Mit Auftragseinbrüchen von bis zu 70 Prozent scheint es fast so, als hätte die letzte Stunde geschlagen. Gerüchte, wonach die Belegschaft halbiert werden soll, schockieren die Mitarbeiter. Ein Sparprogramm in dem ohnehin schlanken Unternehmen verärgert Mitarbeiter. Konflikte brechen auf: Warum wird im tschechischen Werk Kaplice (das Vormaterial produziert, das Mitbewerber längst bei Dritten zukaufen) nicht abgebaut? Sind wirklich alle Maßnahmen – von Kurzarbeit bis zu Negativ-Konten – ausgeschöpft worden? Vom einfachen Werker bis zum Betriebsrat wird nicht verstanden, warum ein kerngesundes Unternehmen so schnell die Reißleine ziehen muss.

Tatsächlich müssen 200 Mitarbeiter gehen. Das Engel-Management verordnet sich Gehaltsverzicht. Und gewinnt die Einsicht, dass transparente Kommunikation und die Entwicklung einer Fehlerkultur im Unternehmen bislang zu kurz gekommen ist. Es sind die Stärken des familiengeführten Unternehmens, die nach 2009 für Ausgleich sorgen: Die Geschäftsführung einigt sich mit den Mitarbeitern auf eine neue Betriebsvereinbarung, unter anderem ein Krisenkonto, auf dem Mitarbeiter anstelle von Überstunden Zeit puffern (Stunden werden vom Unternehmen verdoppelt). Und mit "Vertrauen – Verantwortung – Veränderung" findet 2012 ein Programm in den Engel-Konzern Einzug, das bislang undenkbar schien: Erstmals werden die Regeln für ein Miteinander im Unternehmen gemeinsam definiert. Neben der "Steigerung der Führungskompetenz" sehen die Oberösterreicher den Schlüssel zu einer nachhaltigen Personalentwicklung jetzt auch im Aufzeigen persönlicher Entwicklungschancen. Mit Letzterem setzt die Engel-Führung ein Signal: Auch in einem Großunternehmen hat Anerkennung ihren Platz.

Heute arbeiten im Werk Schwertberg 1.800 Mitarbeiter, das sind 650 mehr als 2009. Ein Großteil der 2009 abgebauten Mitarbeiter soll übrigens wieder angestellt sein, heißt es aus dem Unternehmen. Und Konfliktlösungs- und Führungskräftetrainings sind nun Teil der Engel-Welt. Ebenso wie Kaminabende, bei denen Geschäftsführer und Bereichsleiter mit Mitarbeitern außerhalb des Arbeitsalltags auf ein Bier zusammenkommen. Und auch die Werke sollen sich untereinander als "Teil einer Familie" verstehen. Heute feiern Österreicher und Tschechen gemeinsame Firmenfeste an der Aist – und stoßen auf die gute Zusammenarbeit an.

Neue Fehlerkultur

Die Fehlerkultur à la Engel ist mittlerweile auch in den Produktionshallen angelangt. Der Kopf dahinter: Technik-Chef Stefan Engleder. Die ganzheitliche, streng auf Protokollierung ausgerichtete Fabriksteuerung gilt als Meisterstück des 37-Jährigen. Mittlerweile sind über 2.000 Konzernmitarbeiter in EPOS (Engel Produktions-Optimierungs-System)-Teams organisiert. Workshops zum Thema stehen für Engel-Mitarbeiter mittlerweile ebenso am Schichtplan wie laufende Prozessverbesserungen von der Handwerkstätte bis zur vollautomatisierten Roboterzelle. Ein tiefgreifender Wandel, der sich nicht nur jederzeit einsehbare Kennzahlenboards am Shopfloor äußert. Das neue System erlaube dem Teamleiter im Fehlerhäufungsfall, "ohne Gesichtsverlust in seine Linie zurückzukehren", sagt Engleder. Ganz im Sinne der Unternehmenskultur hat der studierte Maschinenbauer damit ein Produktionsumfeld erschaffen, das Karrieren fördert – aber keine mehr zerstört.

In den kommenden zwei Jahren will der 37-Jährige, als "Manager des Industrie-4.0-Zeitalters" (O-Ton Mtarbeiter) EPOS weltweit ausrollen. Das gefällt auch seinem Großvater, mit dem er nach eigenem Bekunden an Wochenenden oft stundenlang über sein Projekt philosophiert. Dass er sich in der Führungsmannschaft als Jüngling fühlt, gibt der direkte Nachfahre Ludwig Engels offen zu – wofür ihm seine weitaus dienstälteren Kollegen Respekt zollen. Ob der "hochtalentierte" (ein Mitarbeiter) promovierte Maschinenbauer die Nachfolge Peter Neumanns antreten wird, ist noch nicht klar. Der durchaus geerdete Sohn eines Kieferchirurgen verkörpert jedenfalls Kontinuität wie sonst keiner. Mit Großvater Schwarz verbindet ihn, der schon als Halbwüchsiger im Werk der Großeltern mithalf, bis heute ein gemeinsamer Leistungsbegriff. Geradlinigkeit und Direktheit (manche sprechen von der "Ungeduld der Jugend") verbinden ihn mit Neumann.

Einen nicht ganz so einfachen Start hatte Christoph Steger, Schwiegersohn von Schwarz-Tochter Birgitte – und ebenfalls als Nachfolge-Kandidat gehandelt. Als "einer von außen", der 36-jährige Marketingspezialist kommt von Battenfeld-Cincinnati, musste sich Steger 2012 als Leiter des Packaging-Bereichs bei Engel Sporen verdienen. Seit 2014 leitet er den Verkauf. Der impulsive Vertriebsprofi versteht das Unternehmen zu inszenieren, als hätte er nie etwas anderes gemacht: Beim Engel-Symposium Mitte Juni in Linz war ausgerechnet der Dienstjüngste in der Engel-Geschäftsführung für so manche Pointe gut.

Der Techniker Engleder und der Vermarkter Steger sind nur auf den ersten Blick Extrempole: Hochgebildet, innovativen Managementmethoden aufgeschlossen und mit hohen Ansprüchen an sich selbst und das Team schicken sie sich an, in der vierten Generation fortzuführen, was Engel, Schwarz und Neumann aufgebaut haben. Für die weitere Zukunft ist übrigens bereits vorgesorgt: Stefan Engleder ist Vater zweier Töchter (drei und sieben). Und seit dem Vorjahr ist Christoph Steger Vater eines Sohnes. Ab kommendem Jahr wird der Bub – selbstverständlich – die firmeneigene Krabbelstube in der Schwertberger Engel-Zentrale besuchen.

Der Engel-Clan

Gegründet vor 70 Jahren, ist bei Engel nun die dritte und vierte Generation operativ tätig.

1. Generation: LUDWIG ENGEL

Gründet 1945 in Schwertberg das Unternehmen Engel als kleine Schlosserei. Genialer Erfinder, der mit Kunststoff experimentiert und bald Maschinen in Serie fertigt. Wegbereiter der Engel-Story.

2. Generation: IRENE (geborene Engel), 87, und GEORG SCHWARZ, 88

Übernehmen ab 1965 die Geschäfte und bauen Produktion und Vertrieb am Stammsitz massiv aus. Treiben zugleich die Expansion in neue Märkte und gründen 1977 das erste Engel-Auslandswerk in Guelph/Kanada. Sind seit vielen Jahren Ehrenbürger der Gemeinde Schwertberg.

3. Generation: PETER NEUMANN, 59

Der Schwarz-Schwiegersohn leitet seit 1997 mit einem Team an Geschäftsführern die operativen Geschäfte. Er schiebt die Internationalisierung an und verpasst dem Vertrieb eine Neuausrichtung in fünf Zielbranchen. Der ausgebildete Betriebswirt und Marketingspezialist weiß das Unternehmen zu inszenieren. Wegbegleiter beschreiben ihn als bodenständig und jovial.

4. Generation: STEFAN ENGLEDER, 37, und CHRISTOPH STEGER, 36

Stefan Engleder, Sohn von Schwarz-Tochter Birgitte, verantwortet seit 2012 das Technik-Ressort. Eine der ersten Taten des promovierten Maschinenbauingenieurs war die Einführung eines Prozessoptimierungssystems. Wie schon seine Großeltern wohnt Engleder mit Blick direkt aufs Werk Schwertberg. Er ist Vater zweier Töchter (3 und 7).

Christoph Steger, Schwiegersohn von Schwarz-Tochter Brigitte, leitete ab 2012 die Engel-Business-Unit Packaging und ist seit 2014 Vertriebschef. Er stärkte zuletzt das Service- und Vertriebsnetz. Seit dem Vorjahr ist er Vater eines Sohnes, der demnächst die Engel-Krabbelstube in Schwertberg besucht.

Die Engel-Eigentümer

Irene und Georg Schwarz Beteiligungs GmbH: 46,35 %

FRIES Beteiligungs GmbH: 21,4 %

Engleder Beteiligungs GmbH: 10,72 %

Neumann Beteiligungs GmbH: 10,72 %

Obermair Beteiligungs GmbH: 5,35 %

Engel GesmbH (unbeschränkt haftend): 5 %

Kommerzialrat Georg Schwarz (unbeschränkt haftend): 0,5 %

Die Engel-Trumpf-Connection

Die Unternehmen Engel und Trumpf verbindet bis heute ein Intimverhältnis. Man trifft sich in den Achtzigern auf Fachmessen oder Veranstaltungen des Deutschen Verbands für Maschinen- und Anlagenbauer, philosophiert stundenlang über neue Fertigungskonzepte und teilt die Liebe für die klassische Musik im Rahmen gemeinsamer Besuche der Salzburger Festspiele: Große persönliche Sympathien füreinander führen die beiden Unternehmerfamilien Leibinger und Schwarz dereinst zusammen. Doch den Engel-Geschäftsführer Georg Schwarz und Trumpf-Chef Berthold Leibinger verbindet seinerzeit noch mehr: Beide sind sie operative Geschäftsführer von zwei bis heute familiengeführten Betrieben mit steiler Wachstumskurve. "Die Geschichte der beiden Unternehmen zeugt von ähnlichen Charakteren, die die Aufbauarbeit leisteten", meint ein ehemaliger Maschinenbauer-Chef. Bis heute sind die guten Verbindungen zwischen beiden Unternehmen intakt. So gibt es erstaunlich viele Querverbindungen ganz hinauf in die Vorstandsabteilungen. Stefan Engleders frühe Lehr- und Wanderjahre führten zum Maschinenbauer nach Dietzingen. Trumpf-Österreich-Chef Armin Rau sitzt im Engel-Aufsichtsrat. Und Engel-CFO Klaus Siegmund, seit Anfang des Vorjahrs im Unternehmen, sammelte zuvor über ein Jahrzehnt bei Trumpf Erfahrungen.

Medien-Macher

Die Engel-Eigentümer scheuen die Öffentlichkeit – sind aber im Mitbesitz eines Medienhauses. "Wer sich zu Eitelkeiten hinreißen lässt, der macht Fehler." So, hört man, wird im Unternehmen Engel der scheue Umgang mit Medien begründet. Und doch ist die Nähe zur Meinungsbildung zumindest bei den Engel-Eigentümern größer als vermutet: Über die mehrheitlich in ihrem Besitz stehende Engel Verlagsbeteiligungsgesellschaft sichert sich die Maschinenfabrik Ludwig Engel KG 12,93 Prozent der Aktien an der Kurier Beteiligungs-AG – damit ist auch der Badener Anwalt und langjährige Engel-Miteigentümer Rudolf Fries – er hält 25 Prozent – am Medienunternehmen mitbeteiligt.

Der Spritzgieß-Titan

Mit einem Maschinenprogramm von 280 bis 55.000 Kilonewton Schließkraft und einem Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro (2014/15) ist Engel mit Sitz in Schwertberg der weltweit größte Spritzgießmaschinenbauer. Produziert wird an neun Standorten in Europa, Nordamerika und Asien. Engel hat 5.200 Mitarbeiter und Niederlassungen und Vertretungen in über 85 Ländern.

Letzte Investition

30.000.000 Euro investiert Engel zuletzt in die Erweiterung des Werks Schwertberg.