KTM Insolvenz : KTM-Aus: Stefan Pierers Machtverlust – und warum er trotzdem weiter Milliarden bewegt

11th Round MotoGP 2019 - Red Bull Ring (AUT)

Stefan Pierer und "seine" Marke: Jahrzehntelang war KTM untrennbar mit dem Industriellen verbunden – nun ist das Kapitel zu Ende.

- © Philip Platzer

Noch vor wenigen Jahren zählte Stefan Pierer zu den reichsten Menschen der Welt. Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes taxierte sein Vermögen 2023 auf rund 1,5 Milliarden Euro – genug für Rang 1.804 auf der globalen Liste der Superreichen. Heute ist sein Name dort nicht mehr zu finden. Das Vermögen? Geschrumpft. Die Macht? Geschwunden. Die Bühne? Eine andere.

KTM, einst Flaggschiff seines unternehmerischen Erfolgs, mag als Marke weiterbestehen – doch es ist nicht mehr Pierers KTM. Der langjährige Konzernchef hat sich 2025 vollständig aus dem Vorstand der Pierer Mobility AG zurückgezogen, der operative Einfluss liegt inzwischen bei neuen Akteuren. Der indische Großaktionär Bajaj hat die Kontrolle übernommen, die Unternehmensgruppe firmiert inzwischen unter dem Namen Bajaj Mobility AG.

So tief der Einschnitt auch ist – das letzte Kapitel in Stefan Pierers Unternehmerlaufbahn ist damit nicht geschrieben. Auch nach dem Verlust der operativen Führung bei KTM hält der Industrielle Beteiligungen an Unternehmen in Schlüsselbranchen – vom Hochleistungszulieferer bis hin zu Technologiefirmen und Start-ups im KI-Bereich. Zwar ist sein Einfluss nicht mehr so sichtbar wie einst, doch Pierer bleibt eine prägende Figur der österreichischen Industrie – wenn auch in veränderter Rolle.

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KTM ist gerettet – Stefan Pierer ist draußen

Zehn Kilo habe er verloren, erzählen Wegbegleiter den Oberösterreichischen Nachrichten. In der Krise habe Stefan Pierer ruhig und überlegt agiert, sich selbst zurückgenommen und das Interesse des Unternehmens über das eigene gestellt. Doch auch wenn die Rettung gelungen ist: Für Pierer ist es eine Niederlage.

Denn die Sanierung von KTM findet ohne ihn statt. Der Industrielle, der das Unternehmen einst aus der Insolvenz holte und zum Weltmarktführer im Offroad-Bereich machte, ist nicht mehr Teil seines Lebenswerks. Was er eigentlich wollte – retten, sanieren, weitermachen – hat sich nicht erfüllt. Die Marke KTM wird künftig ohne seinen Namen auskommen.

Nachdem Pierers langjähriger Partner Bajaj über 800 Millionen Euro aufbrachte, um die Fortführung der Motorrad-Kultmarke abzusichern, ist klar: Die Inder haben jetzt das Ruder übernommen. Pierer, der KTM jahrzehntelang wie ein Werksfahrer durch alle Kurven lenkte, wird keine Rolle mehr spielen. Einst war er der Sanierer, der KTM aus dem Industriereich von Josef Taus herauslöste und in neue Sphären führte. Jetzt sanieren andere.

Dass die KTM-Pleite öffentlich so emotional diskutiert wurde, lag nicht nur an den bedrohten Arbeitsplätzen im Innviertel oder an den betroffenen Zulieferbetrieben. Pierer selbst war immer Teil der Inszenierung – als Präsident der Industriellenvereinigung Oberösterreich, als politischer Provokateur, als wortgewaltiger Kritiker der Regierung. Er scheute nie die Konfrontation – auch nicht, als er bei einer Veranstaltung offen für die italienische Rechtsaußen-Politikerin Giorgia Meloni warb, was selbst loyale Unterstützer irritierte. Und auch nicht, als er sich für eine 65-Millionen-Euro-Zwischenfinanzierung auf ein Geschäft mit Stephan Zöchling einließ – hinter dem Steyr-Automotive-Eigentümer Siegfried Wolf stand – mit Zinsen, die viele nur noch als Ausdruck der Verzweiflung deuteten.

In der Belegschaft sorgt zudem eine laut Oberösterreichischen Nachrichten gehaltene „Brandrede“ des Ex-Chefs im Sommer für Irritation. Pierer habe darin „wie früher agiert“ und Aussagen über die Zukunft des Unternehmens getroffen, „die nicht mehr real“ seien. Offenbar tue er sich schwer damit, zu akzeptieren, dass er keinen Einfluss mehr hat – und die neue Realität noch nicht vollständig erfasst hat.

Die KTM-Zentrale in Mattighofen: Hier schrieb Stefan Pierer jahrzehntelang Industriegeschichte – jetzt geht das Unternehmen ohne ihn weiter.

- © heikomandl.at

Was bleibt vom Industrie-Imperium des Stefan Pierer?

Trotz des Rückzugs von Pierer Mobility und KTM hält Stefan Pierer über die Pierer Industrie und die Pierer Digital Holding weiterhin eine Reihe von Beteiligungen:

  • Pankl AG / SHW AG: Stefan Pierers Pierer Industrie AG hält weiterhin Mehrheitsbeteiligungen an der Pankl AG, die auch die SHW AG umfasst. Diese Gruppe ist im High‑Tech‑Komponentenbereich aktiv (Automobil, Motorsport, Luftfahrt)
     
  • Abatec Group AG: Auch Abatec, ein Elektronik‑Fertigungsunternehmen für elektronische Baugruppen, gehört zur Pierer Industrie‑Familie.
     
  • Leoni AG: Pierer hielt eine bedeutende Beteiligung an der Leoni AG. Diese wurde w025 verändert: Pierer verkaufte 50,1 % der Leoni‑Mehrheit an den chinesischen Elektronik‑Konzern Luxshare‑ICT. Nach dem Verkauf bleibt Pierer mit etwa 49,9 % beteiligt.
     
  • Rosenbauer International AG: Feuerwehrfahrzeuge, Löschtechnik und Einsatzsysteme – Beteiligung indirekt über Robau mit rund 19 % 
     
  • NXAI / Netural X GmbH: Pierer ist über die Pierer Digital Holding an NXAI GmbH beteiligt, einem KI‑Startup, das zusammen mit Netural X und KI‑Forscher Sepp Hochreiter arbeitet (Entwicklung von europäischen Large Language Models bzw. xLSTM‑Technologien). Die Beteiligung wird mit rund 37 % ausgewiesen, gemeinsam mit Netural X (ca. 37 %) und Hochreiter (ca. 26 %).
     
  • Diverse Immobilien im In- und Ausland

Hochleistungs-Allianz: Wie Pankl und SHW Pierers Industrie-Portfolio dominieren

Die Pankl AG mit Sitz in Kapfenberg ist auf Hochleistungskomponenten für die Automobil- und Luftfahrtindustrie spezialisiert. Das Unternehmen entwickelt und fertigt mechanische Systeme für Rennsport, Luxusfahrzeuge und Flugzeuge – von Pleueln über Kurbelwellen bis hin zu komplexen Fahrwerkselementen. Zu den Kunden zählen Premiumhersteller wie Lamborghini und Ferrari, aber auch die Raumfahrtindustrie.

Seit 2018 gehört auch die deutsche SHW AG mehrheitlich zur Pierer-Gruppe. Die Übernahme erfolgte über die Pierer Industrie AG, die beide Unternehmen strategisch unter einer Führungsholding bündelte. Trotz enger technologischer Verzahnung agieren Pankl und SHW organisatorisch eigenständig.

Die SHW AG mit Sitz in Aalen blickt auf eine eindrucksvolle Geschichte bis ins Jahr 1365 zurück – sie zählt zu den ältesten Industriebetrieben Deutschlands. Ursprünglich in der Eisenverhüttung verankert, hat sich SHW zu einem modernen Automobilzulieferer entwickelt. Heute produziert das Unternehmen CO₂-optimierte Pumpen, Motorkomponenten und Hochleistungs-Bremsscheiben – für Pkw, Lkw, Agrar- und Baumaschinen. Stationärmotoren sowie Komponenten für Windkraftanlagen runden das Portfolio ab. Mit neun Standorten weltweit und rund 1.800 Beschäftigten beliefert SHW die internationale Fahrzeugindustrie.

Gemeinsam erzielten Pankl und SHW im Jahr 2024 einen Umsatz von rund 891 Millionen Euro an 21  Standorten. Rund 4.200 Mitarbeitende zählt die sogenannte „Automotive Group“, davon etwa 1.600 in Österreich. Beide Unternehmen bilden damit eine tragende Säule im industriellen Portfolio der Pierer Industrie.

Hightech aus Kapfenberg: In der Aerospace-Division von Pankl entstehen Komponenten für Flugzeuge und Raumfahrt – ein Schlüsselbereich im Pierer-Imperium.

- © Pankl

Elektronik-Schmiede mit Zukunft: Wie Abatec Pierers Hightech-Strategie prägt

Abatec ist ein oberösterreichischer Elektronikspezialist mit Standorten im oberösterreichischen Regau und in Salzburg. Das Unternehmen beschäftigt rund 200 Mitarbeitende und befindet sich zu 100 Prozent im Besitz der Pierer-Gruppe.

Abatec entwickelt und produziert elektronische Baugruppen, Steuergeräte, Sensoriklösungen und Leistungselektronik – insbesondere für Anwendungen in der Automobiltechnik, der E-Mobilität, der Industrieelektronik sowie für Heizungs- und Gebäudetechnik. Die Fertigung erfolgt überwiegend in Österreich, wobei das Unternehmen auf hohe Fertigungstiefe, schnelle Umsetzungszeiten und Prototypen-Kompetenz setzt.

Nach wirtschaftlich schwierigen Jahren übernahm Stefan Pierer Abatec 2018 und positionierte das Unternehmen strategisch als Technologiepartner innerhalb seiner Industriegruppe – unter anderem für KTM und Pankl. Seither hat sich Abatec nicht nur operativ stabilisiert, sondern auch technologisch neu aufgestellt. Besondere Schwerpunkte liegen auf der Leistungselektronik für batterieelektrische Fahrzeuge, Lichtsteuerungen für Motorräder und intelligente Systemintegration.

Im Rahmen der Elektrifizierungsstrategie von KTM nahm Abatec eine zentrale Rolle ein – etwa bei der Entwicklung von Steuer- und Ladeelektronik für elektrische Zweiräder oder bei sensorbasierten Systemen für Hochleistungsfahrzeuge. Durch den Eigentümerwechsel bei KTM steht diese Rolle zumindest mittel- bis langfristig zur Disposition – mit potenziellen Auswirkungen auf Auslastung und strategische Ausrichtung.

Milliarden-Deal mit Risiko: Leoni wird zur strategischen Wackelpartie für Pierer

Der fränkische Automobilzulieferer Leoni AG mit Sitz in Nürnberg zählt weiterhin zu den größten Herstellern von Kabelsätzen und Bordnetz-Systemen in Europa. Das Unternehmen ist auf Energie- und Datenleitungen für Fahrzeuge spezialisiert und beschäftigt weltweit mehrere zehntausend Mitarbeitende in 23 Ländern. Der Umsatz lag zuletzt bei knapp fünf Milliarden Euro.

2021 begann Stefan Pierer mit dem Einstieg bei Leoni und baute seine Beteiligung rasch auf über 20 Prozent aus – damit wurde er zum größten Einzelaktionär. Als das Unternehmen 2023 in eine schwere finanzielle Schieflage geriet, übernahm Pierer im Rahmen eines Sanierungsverfahrens nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz die vollständige Kontrolle: Ein Kapitalschnitt auf null ließ die Anteile der Altaktionäre – einschließlich Pierers ursprünglichem Paket – erlöschen. Im Gegenzug konnte er über seine Beteiligungsgesellschaften sämtliche neu ausgegebenen Aktien zeichnen.

Doch bereits ein Jahr später vollzog sich ein erneuter Eigentümerwechsel: Im Juli 2025 übernahm der chinesische Technologiekonzern Luxshare Precision Industry 50,1 Prozent der Anteile an Leoni. Zusätzlich sicherte sich Luxshares Tochterunternehmen TIME Interconnect die profitable Sparte „Automotive Cable Solutions“ (ACS) für rund 320 Millionen Euro. Der Kaufpreis für die Mehrheitsbeteiligung lag bei etwa 205 Millionen Euro. Die Transaktion wurde nach Freigabe durch die Wettbewerbsbehörden vollständig abgeschlossen.

Für Stefan Pierer bedeutete der Deal den Einstieg eines finanzstarken Partners und eine substanzielle Entlastung der Leoni-Bilanz. Gleichzeitig verlor er jedoch die strategische Kontrolle: Mit 49,9 Prozent bleibt er zwar ein bedeutender Anteilseigner, hat aber keinen bestimmenden Einfluss mehr auf die Ausrichtung des Unternehmens.

Die Hoffnung ruht nun auf den Potenzialen dieser neuen Partnerschaft: Durch das technologische Know-how von Luxshare – insbesondere im Bereich Hochvoltleitungen und Elektromobilität – soll Leoni stärker auf zukunftsträchtige Märkte ausgerichtet werden. Zugleich verspricht man sich besseren Zugang zu asiatischen OEMs. Offen bleibt jedoch, welche Rolle Leoni künftig im Portfolio der Pierer Industrie AG spielen wird. Ebenso besteht das Risiko, dass sich Pierer mittel- bis langfristig weiter aus dem Kabelgeschäft zurückzieht.

Feinarbeit am Kabelbaum: In der Leoni-Produktion entstehen komplexe Bordnetze für die Autoindustrie – einst ein Sorgenkind, heute Teil von Pierers Beteiligungsportfolio.

- © Leoni

Rettung in letzter Minute: Wie Pierer bei Rosenbauer das Ruder übernahm

In über 150 Ländern sind Feuerwehrfahrzeuge aus Oberösterreich im Einsatz, in 120 Märkten unterhält Rosenbauer ein Servicenetzwerk. Doch Fixpreisvereinbarungen im Vertrieb bei gleichzeitig stark steigenden Kosten für Vormaterialien und Energie führten ab 2022 zu hohen Verlusten. Zusätzliche Belastung brachten Umstrukturierungskosten durch die Umstellung von der Einzel- auf eine Serienfertigung.

Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt – just beim Wiederhochfahren der Produktion Anfang 2023 – wurde Rosenbauer Opfer eines Cyberangriffs. Die IT-Infrastruktur musste tagelang abgeschaltet werden, die Produktion stand wochenlang still. Die Folge: Das Eigenkapital des Traditionsunternehmens sackte zeitweise auf nur noch 15 Prozent ab.

Als die Platzierung einer Unternehmensanleihe scheiterte, erhöhten die Banken den Druck: Die Eigenkapitalquote sollte auf mindestens 20 Prozent steigen – über den Kapitalmarkt war das in der damaligen Lage nicht realisierbar. Die Eigentümerfamilie zeigte zunächst wenig Bereitschaft, die nötige Kapitalerhöhung von mindestens 100 Millionen Euro selbst zu stemmen. Erst auf massives Drängen der Gläubigerbanken stimmte die Familie einer Kapitalmaßnahme zu – und damit einer Verwässerung ihrer Beteiligung.

Im anschließenden Bieterverfahren setzte sich die neu gegründete Robau Beteiligungsverwaltung GmbH durch. Robau ist ein Konsortium, an dem die Pierer Industrie AG und die Mark Mateschitz Beteiligungs GmbH jeweils 34,5 Prozent halten, weitere Anteile liegen bei der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und der Invest AG. Das Konsortium verpflichtete sich, rund 120 Millionen Euro frisches Kapital einzubringen. Im Zuge der Kapitalerhöhung übernahm Robau rund ein Drittel der neuen Aktien – weitere Anteile kaufte das Konsortium direkt von der Eigentümerfamilie. In Summe hält Robau heute etwa 55 Prozent an Rosenbauer, wobei auf Pierer rechnerisch rund 19 Prozent entfallen. Die Eigentümerfamilie hält noch rund 17 Prozent, der Rest ist im Streubesitz.

Mittlerweile hat sich Rosenbauer operativ stabilisiert. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand wuchs auf 2,3 Milliarden Euro, das Ergebnis drehte deutlich ins Plus: Von 1,2 auf 29,8 Millionen Euro. In den ersten drei Quartalen 2025 setzte sich dieser positive Trend fort – Rosenbauer erwartet für das Gesamtjahr einen Umsatz von bis zu 1,5 Milliarden Euro. Auch die Eigenkapitalquote hat sich verbessert und lag zuletzt wieder über der 20-Prozent-Marke. Aktuell beschäftigt Rosenbauer weltweit etwa 4.800 Mitarbeitende.

Feuerwehrtechnik aus Oberösterreich: Rosenbauer-Fahrzeuge wie dieses rollen weltweit – Pierer ist über die Robau-Gruppe am Unternehmen beteiligt.R

- © Rosenbauer

KI-Offensive mit Hochreiter: Pierer setzt auf europäische Antwort zu ChatGPT & Co.

Mit der Pierer Digital Holding engagiert sich Stefan Pierer seit 2024 erstmals im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Gemeinsam mit dem Linzer Softwareunternehmer Albert Ortig und dem international renommierten KI-Forscher Sepp Hochreiter gründete er das Linzer Start-up NXAI. Das Unternehmen entwickelt auf Basis der sogenannten xLSTM-Technologie – einer Weiterentwicklung von Hochreiters Long Short-Term Memory-Modellen – große europäische Sprachmodelle und KI-Anwendungen. Ziel ist es, eine konkurrenzfähige Alternative zu den marktbeherrschenden US- und chinesischen Plattformen zu schaffen.

Die ursprünglich gleichgewichtige Eigentümerstruktur – je 37 Prozent für die Pierer Digital Holding und Ortigs Netural X GmbH sowie 26 Prozent für Hochreiter – gilt allerdings nicht mehr. Nach dem Einstieg neuer Investoren im Laufe des Jahres 2025 haben sich die Anteile verschoben: Heute halten die Pierer Digital Holding und Netural X jeweils rund 21,7 Prozent, Sepp Hochreiter etwa 25 Prozent. Neue Gesellschafter sind die deutsche BHei Vermögensverwaltung und der VC-Fonds Lignite Ventures, die sich gemeinsam rund 32 Prozent an NXAI gesichert haben. Die Umstrukturierung deutet auf eine erste Finanzierungsrunde hin – ursprünglich hatte NXAI kommuniziert, bis Ende 2025 rund 100 Millionen US-Dollar an Risikokapital einwerben zu wollen.

Auch an der Netural X GmbH, die als KI-Inkubator fungiert, ist die Pierer Digital Holding beteiligt. Ein konkreter Anteil von 25,1 Prozent wird branchenintern genannt, lässt sich in den öffentlichen Registern derzeit jedoch nicht eindeutig verifizieren.

Pierer selbst betonte mehrfach, das Engagement sei nicht primär renditegetrieben, sondern langfristig motiviert: „Wer industrielle Wettbewerbsfähigkeit sichern will, muss in Schlüsseltechnologien investieren.“ Dass europäische KI-Modelle eine strategische Relevanz gewinnen, steht für ihn außer Frage – auch wenn Markt, Regulierung und Monetarisierung in diesem Umfeld weiterhin in Bewegung sind. Branchenkenner sehen in NXAI einen ambitionierten Versuch, europäische Technologie-Souveränität im Bereich generativer KI zu etablieren – mit offenem Ausgang.

Tech-Investor und KI-Unternehmer: Albert Ortig ist Mitgründer von NXAI und Partner von Stefan Pierer.

- © Dieter Hawlan

Machtverlust ohne Rückzug: Pierer bleibt Strippenzieher der Industrie

Stefan Pierers Vermögen und Machtbasis haben sich im Zuge der KTM-Krise deutlich verringert. Das Firmengeflecht und Vermögen schrumpfte, politische Funktionen legte er ab: Ende 2024 trat er als Präsident der Industriellenvereinigung Oberösterreich zurück – eine Rolle, in der er über Jahre als meinungsstarker Taktgeber der Industrie galt. Sein Nachfolger wird im Juni Starlim-Chef Thomas Bründl.

Obwohl Pierer im November 69 Jahre alt wurde, rechnen Wegbegleiter nicht mit einem Rückzug aus dem Wirtschaftsleben. Denn: Er hat noch einige Eisen im Feuer – und seine diversen Beteiligungen spülen auch weiterhin Geld in seine Kasse. Auch wenn er bei KTM viel Kapital verloren hat, wirtschaftlich besteht für ihn kaum Anlass zur Sorge. Bei Rosenbauer gibt sich Pierer auffallend zurückhaltend und sitzt nicht im Aufsichtsrat – dort vertritt ihn mit Friedrich Roithner jedoch ein langjähriger Wegbegleiter.

Was mit anderen Beteiligungen – etwa Pankl, SHW oder Abatec – künftig passiert, bleibt offen. Pierer selbst war für eine Stellungnahme seit Monaten nicht mehr erreichbar. Ob und in welcher Form er künftig noch Impulse in der österreichischen Industrie setzen kann oder will, bleibt abzuwarten. Fest steht: Sein Name bleibt präsent – auch wenn sich die Machtverhältnisse rund um sein Lebenswerk KTM fundamental verschoben haben.

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