Infineon Österreich : Sabine Herlitschka: "Ungebrochen hohe Nachfrage"

Sabine Herlitschka, Vorstandschefin bei Infineon Technologies Austria

"Digitalisierung und Dekarbonisierung sind die Treiber."
Sabine Herlitschka, Vorstandschefin bei Infineon Technologies Austria

- © Infineon Technologies Austria

Sabine Herlitschka will die Chancen, die sich durch eine Krise ergeben, nicht verstreichen lassen. Seit 2014 ist sie Vorstandsvorsitzende von Infineon, war mit dabei, als der Halbleiterhersteller 2018 die größte Industrieinvestition in Österreich realisiert hat: die neue Chip-Fabrik.

Die Investitionen in die Eigenfertigung haben sich gelohnt, die Zeiten gezeigt, wie „strategisch wichtig“ Mikroelektronik als Schlüsseltechnologie ist. Vielleicht prägt auch ihr frühmorgendliches Schwimmen ihren „Blick auf das Ganze“, sicher aber ihr vielschichtiger Werdegang: Ausbildung von Biotechnologie bis Betriebswirtschaft, beruflich im Labor, als Innovationsberaterin, heute als Managerin. Das INDUSTRIEMAGAZIN hat sie zum Interview getroffen.

Investments an mehreren Standorten

INDUSTRIEMAGAZIN: Frau Herlitschka, Sie führen ein 4.800-Mitarbeiter-Unternehmen durch eine hochgradig labile Zeit. Was gibt dem Unternehmen Halt?

Sabine Herlitschka:
Eine ungebrochen hohe Nachfrage in unseren Kernsegmenten. Die Ausrichtung des Unternehmens fußt auf strategisch, langfristigen Wachstumstreibern, wie Energieeffizienz, nachhaltige Mobilität,Sicherheit und digitale Vernetzung. Und allesamt nehmen sie in der Gesamtheit an Bedeutung zu. Die Erreichung der Klimaziele macht vor keinem Lebensbereich halt.

Im vorigen September ist Ihr neues Halbleiterwerk in Villach früher als geplant eröffnet worden. Wie läuft der Hochlauf?


Herlitschka:
Wir fahren das Werk sukzessive hoch und folgen dabei einem fein austarierten Plan. Auch an anderen Standorten des Konzerns wird investiert: In Malaysia gibt es grünes Licht für eine Investition über zwei Milliarden Euro, auch in Dresden sind weitere Ausbauschritte geplant. Digitalisierung und Dekarbonisierung sind die Treiber.

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Unternehmen sind fortwährend im Krisenmodus. Wie managen Sie das?

Herlitschka:
Seit Ausbruch der Pandemie ist straffes Krisenmanagement unerlässlich. Das ist uns bisher sehr gut gelungen. Wir erleben sehr fordernde Zeiten. Wer hätte sich vor kurzer Zeit vorstellen können, welchen Lauf und Einfluss auf unser Leben die Covidpandemie nimmt. Und nun dieser schreckliche Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Das sind schon sehr große Herausforderungen, vor denen wir stehen.

Und auch wenn Unternehmen als Stabilitätsfaktor eine wichtige Rolle zukommt: Inflationsängste und Sorgen vor Wohlstandsverlusten machen nicht vor der Belegschaft halt. In dieser Situation erfordert es im Management Klarheit bei Zielen und Plänen, wie auch ganz konkrete, tatkräftige Umsetzung. Frei nach Erich Kästner: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

3 Prozent Gas – doch mit Gewicht

Wie träfe den Infineon-Standort Villach ein Gasstopp?

Herlitschka: Bei Strom vollzogen wir 2013 den vollständigen Wechsel auf Erneuerbare. Unser Anteil an erforderlichem Prozessgas liegt bei aktuell drei Prozent bezogen auf den Gesamtenergieverbrauch. Fielen diese drei Prozent aus, hätte das massive Einschränkungen zur Folge.

Deshalb hoffe ich, dass seitens der politischen Entscheidungsträger zunehmend verstanden wird, dass die Situation kritisch ist. Wenn es, wie immer beteuert wird, einen transparenten Plan und Kriterien für eine zweckmäßige Gaslenkung gibt, ist das gut. Sollte es diesen Plan nicht geben, ist es hoch an der Zeit, einen solchen zu erstellen. Sonst setzen wir uns der Gefahr stillstehender Betriebe aus.

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Das europäische Chip-Gesetz soll Europas Wettbewerbsfähigkeit bei Halbleitertechnologien erhöhen. 43 Milliarden Euro umfasst das Budget für die Aufholjagd. Wird das ausreichen?

Herlitschka:
Aus Europa heraus einen relevanten Beitrag zu leisten ist unsere Chance, selbst wenn China ein Mehrfaches an Mitteln aufbringt. Wichtiger ist, inhaltlich die richtigen Schwerpunkte zu setzen, die entsprechende Dotierung – die vor allem national erfolgen soll – sicherzustellen und die nötigen Entscheidungen rasch zu treffen. Das Ziel, aus Europa heraus mittelfristig ein Fünftel der weltweiten Halbleiterkapazitäten zu stellen ist jedenfalls höchst ambitioniert.

Wieviel Personal suchen Sie in Villach?


Herlitschka:
Aktuell sind in Österreich etwas mehr 200 Stellen zu besetzen. Mit vielfältigen Kooperationen im Schulwesen, Hochschulen oder den Stiftungsprofessuren gelingt uns sehr viel. Es sagt sich so leichthin, den Menschen in den Mittelpunkt zu rücken. Wir nehmen das sehr ernst.

Mitarbeiter in Reinraum bei Infineon in Villach
Mitarbeiter in Reinraum bei Infineon in Villach - © Infineon Technologies Austria