Elektromobilität

Warum Volkswagen und Bosch im Batteriezell-Anlagenbau kooperieren

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Volkswagen-Modelle: Bis zum Ende des Jahrzehnts will VW mit dem Bosch-Joint-Venture sechs große Fabriken mit einer Kapazität von 240 Gigawattstunden aufbauen.

- © APA/dpa/Peter Steffen

Der Automobilzulieferer Bosch und Volkswagen haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, im Bereich der Lieferung integrierter Batterieproduktionssysteme sowie beim Hochlauf und der Wartung von Fabriken von Batteriezellen- und Systemherstellern zu kooperieren. Das Joint Venture soll den riesigen Bedarf an Know How in dem Bereich in Europa abdecken: Allein in Europa planten verschiedene Unternehmen in den kommenden zehn Jahren Batteriezellfabriken mit einer Gesamtkapazität von mindestens 700 Gigawattstunden. Alleine der Volkswagen-Konzern will bis dahin sechs große Fabriken mit einer Kapazität von 240 Gigawattstunden auf die grüne Wiese stellen.

Das gemeinsame Batteriezell-Anlagenbau-Joint Venture wird alleine für Bau der von Volkswagen in Europa geplanten Zellfabriken mit einem Volumen von 25 bis 30 Milliarden Euro rechnen können. In der Batterie-Allianz der beiden Industrieschwergewichte sollen bis Ende 2022 rund 80 Entwickler aus beiden Konzernen die Machbarkeit auf dem Markt prüfen, der derzeit von asiatischen Mitbewerbern dominiert wird. Damit ergebe sich erstmals "eine vollständig lokalisierte europäische Lieferkette für E-Mobilität 'made in Europe'" wie man bei Bosch und Volkswagen betont. "Das ist eine historische Chance in der Wirtschaftsgeschichte" sagt Volkswagen-Technikvorstand Thomas Schmall.


"Wir wollen Kosten- und Technologieführerschaft bei der Fabriksausrüstung"
Thomas Schmall, Technikvorstand Volkswagen über die geplante Kooperation mit Bosch

Warum Bosch in die Batteriezellefertigung einsteigt

Dabei sind sowohl Bosch als auch Volkswagen relativ spät auf den Zug der Elektromobilität aufgesprungen. Noch 2018 hat man beim Automobilzulieferer Bosch den Einstieg in die Batteriezellfertigung nach langer Prüfung verworfen. Erst im Vorjahr entschloss man sich bei Bosch dazu, Fertigungstechnik für diesen Geschäftszweig zu liefern. Die Kooperation mit Volkswagen der mit der Ausstattung der sechs firmeneigenen Gigafactories auch Teile des finanziellen Risikos des Einstieges von Bosch übernimmt, dürfte den Ausschlag gegeben haben.

Volkswagen ist 2019 in die Batteriezellfertigung eingestiegen.
Allein zwei Milliarden Euro investiert der Autokonzern bis zum Hochlauf der Serienproduktion von Batteriezellen für das Volumensegment am deutschen Standort in Salzgitter. Das chinesische Unternehmen Gotion Hightech ist in Salzgitter der Partner. In Schweden fährt man mit dem europäischen Batteriespezialisten Northvolt eine Produktion für Premiumzellen hoch.

Die Kooperation mit Bosch in diesem Bereich war eigentlich naheliegend: "Bosch ist nicht nur einer der weltweit größten Automobilzulieferer, sondern auch einer der führenden Fabrikausrüster" sagt Volkswagen Technikvorstand Schmall, "wir verstehen die Batterietechnik und verfügen über das Know-how, diese zu fertigen." Marktbeobachter schliessen nicht aus, dass Bosch mit dem Ingenieurswissen in der Fertigung zukünftig die Batteriezellfertigungsfabriken für Volkswagen auch selbst betreiben wird. Dass Bosch eigene Festigungen in diesem Bereich aufbauen wird, gilt jedoch als unwahrscheinlich.

Bereits im Dezember des Vorjahres wurde bekannt, dass Volkswagen für den Aufbau einer eigenen Produktion von Batteriezellen eine Vielzahl von Partnerschaften eingegangen ist: So sind mit dem belgischen Materialtechnologie- und Recycling-Konzern Umicore, dem Lithiumhersteller Vulcan Energie und dem US-Batterie-Start-up 24M für die Großserienproduktion von Akkus Verträge geschlossen worden. Das nun geplante Joint Venture für Industrialisierungslösungen im Batteriezellbereich wolle, so Volkswagen Technik Chef Schmall, "die Kosten- und Technologieführerschaft bei Ausrüstung von Zellfabriken in Europa".