Handelsstreit zwischen EU und China : Nach Strafzöllen gegen chinesische E-Autos: China prüft eigene Strafzölle gegen EU

Workers in a meat processing production line, in a food processing enterprise, on December 20, 2013, tangshan city, hebei province, China.

Chemische Fleischproduktion: Europäische Lebensmittel genießen in China einen hohen Stellenwert

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China hat eine Anti-Dumpinguntersuchung gegen importierte Waren aus der Europäischen Union eingeleitet. Diese Untersuchung betrifft insbesondere Schweinefleisch und Nebenprodukte, wie das Handelsministerium am Montag in Peking mitteilte. Diese Maßnahme könnte als Reaktion auf die von der EU angedrohten Strafzölle auf chinesische Elektroautos gesehen werden.

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Die EU-Kommission hatte zuvor Untersuchungen zu Chinas Subventionen für Elektrofahrzeuge durchgeführt, die nach Ansicht Brüssels den europäischen Markt verzerren. Im Jahr 2023 importierte China Schweinefleisch und Innereien im Wert von sechs Milliarden Dollar (5,6 Milliarden Euro), wobei mehr als die Hälfte dieser Produkte aus der EU stammte. Schweineteile wie Füße, Ohren und Innereien sind in China sehr beliebt, im Gegensatz zu Europa.

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- © Industriemagazin

Agrar-, Lebensmittel- und Getränkeprodukte geraten ins Visier der Chinesen

Die chinesische Staatszeitung "Global Times" berichtete unter Berufung auf einen Insider, dass die chinesische Industrie Beweise für Untersuchungen gegen bestimmte Milchprodukte und Schweinefleisch aus der EU sammle. Genauere Informationen wurden jedoch in den Beiträgen auf der Onlineplattform X nicht veröffentlicht. Das Handelsministerium erklärte, dass die betroffenen Produkte hauptsächlich für den menschlichen Verzehr bestimmt sind und nannte als Beispiele frisches und gefrorenes Schweinefleisch sowie Schlachtnebenerzeugnisse. Dies ist nicht die erste Untersuchung Chinas gegen europäische Produkte. Bereits im Januar hatte das Handelsministerium eine Untersuchung gegen Branntwein (Brandy) aus der EU angekündigt, von der hauptsächlich französische Hersteller betroffen waren.

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Experten hatten nach der EU-Androhung von Strafzöllen chinesische Gegenmaßnahmen erwartet. Jacob Gunter vom Berliner Institut Merics erklärte jedoch, dass Peking keine EU-Produkte mit Zöllen belegen werde, die China noch benötige. "Dazu zählen Maschinen, hochwertige Industriegüter, Chemikalien, Medizintechnik und andere Produkte." Große europäische Automobilhersteller dürften verschont bleiben, da diese stark in China investieren, Arbeitsplätze schaffen, Steuern zahlen und zum Wachstum beitragen.

Laut Gunter könnten hingegen Agrar-, Lebensmittel- und Getränkeprodukte ins Visier geraten, auf die chinesische Verbraucher verzichten können oder die in China ausreichend produziert werden, wie zum Beispiel Schweinefleisch.

Europäische Lebensmittel genießen hohes Ansehen in China

China, die bevölkerungsreichste Nation der Welt, hat sich in den letzten Jahren zu einem der größten Importeure von Agrar- und Lebensmittelerzeugnissen entwickelt. Die Europäische Union (EU) spielt dabei eine bedeutende Rolle als Lieferant. Im Jahr 2022 importierte China landwirtschaftliche Produkte im Wert von rund 137 Milliarden US-Dollar, womit das Land hinter den USA den zweitgrößten Agrarimporteur weltweit darstellt. Die EU gehört zu den wichtigsten Lieferanten Chinas und deckt einen erheblichen Teil dieses Bedarfs ab. Allein im Jahr 2022 beliefen sich die Exporte der EU nach China auf etwa 17,3 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 2,4 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Zu den wichtigsten Agrar- und Lebensmittelerzeugnissen, die China aus der EU importiert, gehören:

  1. Milchprodukte: Besonders gefragt sind Milchpulver, Käse und Butter. Im Jahr 2022 importierte China Milchprodukte im Wert von rund 1,7 Milliarden Euro aus der EU.
  2. Schweinefleisch: Aufgrund von Engpässen in der eigenen Produktion und der Afrikanischen Schweinepest ist China auf Importe angewiesen. Im Jahr 2022 importierte China Schweinefleisch im Wert von etwa 5,8 Milliarden Euro aus der EU.
  3. Wein und Spirituosen: Französische Weine und Spirituosen sind besonders begehrt. Die Exporte dieser Produktkategorie erreichten 2022 ein Volumen von etwa 2,1 Milliarden Euro.
  4. Obst und Gemüse: Insbesondere Äpfel, Birnen und Trauben sowie verarbeitetes Obst und Gemüse machten einen wesentlichen Anteil der Importe aus, mit einem Gesamtwert von rund 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2022.

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Die chinesische Mittelschicht hat in den letzten Jahren eine zunehmende Vorliebe für europäische Lebensmittel entwickelt. Diese Präferenz basiert auf mehreren Faktoren, die eng mit den sich wandelnden Lebensstil- und Konsumgewohnheiten in China verbunden sind. Europäische Lebensmittel sind für ihre hohen Qualitätsstandards und strengen Sicherheitskontrollen bekannt. In China, wo Lebensmittelsicherheit ein wichtiges Thema ist, schätzen Verbraucher diese Zuverlässigkeit. Mit dem steigenden Einkommen wächst auch das Gesundheitsbewusstsein der chinesischen Mittelschicht. Europäische Lebensmittel, oft als natürlich und gesund wahrgenommen, passen in diesen Lebensstil. Generell genießen Produkte aus Europa ein hohes Ansehen. Der Konsum europäischer Produkte wird oft als Statussymbol betrachtet und unterstreicht einen gehobenen Lebensstil.

Wie wirken sich Strafzölle auf Lebensmittel auf Europa aus?

Die Einführung von Strafzöllen auf europäische Lebensmittel durch China hätte weitreichende Auswirkungen auf die Agrar- und Lebensmittelindustrie in Europa. China ist einer der wichtigsten Exportmärkte für europäische Lebensmittelprodukte. Mehrere europäische Agrar- und Lebensmittelunternehmen haben eine starke Abhängigkeit vom chinesischen Markt entwickelt, da China einer der größten und am schnellsten wachsenden Märkte weltweit ist, darunter Danone, Nestlé oder Ferrero.

Zunächst würden Strafzölle die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Lebensmittel auf dem chinesischen Markt erheblich beeinträchtigen. Durch die zusätzlichen Kosten wären europäische Produkte teurer und damit weniger attraktiv für chinesische Verbraucher. Dies könnte zu einem Rückgang der europäischen Exporte nach China führen, insbesondere bei preisempfindlichen Produkten wie Milchpulver, Fleisch und Wein. Ein signifikanter Rückgang der Exporte würde direkt die Einnahmen der europäischen Lebensmittelproduzenten mindern und könnte zu finanziellen Engpässen führen, insbesondere bei kleineren und mittelgroßen Unternehmen, die stark vom chinesischen Markt abhängig sind.

Darüber hinaus könnte die europäische Agrar- und Lebensmittelindustrie gezwungen sein, nach alternativen Märkten zu suchen, um den Verlust auszugleichen. Dies wäre jedoch mit erheblichen Herausforderungen verbunden, da die Erschließung neuer Märkte Zeit und Ressourcen erfordert. In vielen Fällen sind bestehende Handelsabkommen und Marktzugangsbeschränkungen zusätzliche Hürden. Zudem könnte ein verstärkter Wettbewerb in anderen Märkten die Preise und Margen weiter unter Druck setzen.

Stahl, Elektronikkomponenten, Solarmodule: Seit Jahrzehnten produzieren chinesische Unternehmen mehr Güter als nachgefragt werden – und drücken dadurch weltweit die Preise. Die langen Phase niedriger Inflationsraten seit Beginn der 2000er und der letztlich steigende Wohlstand in Europa waren immer auch den niedrigen Produktionskosten in China zu verdanken. Doch jetzt wird die Überproduktion in China zum Problem – für immer mehr Industrien.