E-Autos aus China : BMW & Co. unter Druck: Chinas Autobauer pochen auf Gegenmaßnahmen zu EU-Strafzöllen

BMW-Werk in Dadong, China

BMW-Werk in Dadong, China: BMW produziert in China - und wäre von den EU-Strafzöllen selbst betroffen

- © BMW

Angesichts der bevorstehenden EU-Strafzölle auf chinesische Elektroautos fordern chinesische Autobauer laut einem Medienbericht Gegenmaßnahmen von der heimischen Regierung. In einem nicht-öffentlichen Treffen sollen chinesische Autohersteller und Branchenvertreter höhere Zölle auf benzinbetriebene Fahrzeuge aus Europa vorgeschlagen haben, berichtete die staatsnahe chinesische Zeitung "Global Times" am Mittwoch. An der Sitzung nahmen auch europäische Autobauer teil. Aus Branchenkreisen hieß es, dabei sei es um Autos mit einem Hubraum von mehr als 2,5 Litern gegangen.

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Am 12. Juni hatte die Europäische Union Sonderzölle von bis zu 38,1 Prozent auf Elektroauto-Importe aus China angekündigt. Diese Maßnahme wurde mit Wettbewerbsverzerrungen durch hohe staatliche Subventionen in China begründet. Damit folgt die EU einem ähnlichen Schritt der USA, die ihre Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge auf 100 Prozent erhöht hatten. Der aktuelle Importzoll Chinas für Autos liegt bei 15 Prozent.

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- © Industriemagazin

Handelskonflikt: Chinesische Autobauer fordern Gegenmaßnahmen auf EU-Strafzölle

Große Fahrzeuge mit einem Hubraum von mehr als 2,5 Litern sind für Autobauer meist wesentlich profitabler als kleinere Autos. Ziel des Treffens war es, Druck auf die EU-Kommission auszuüben und gegen die europäischen Anti-Dumping-Zölle auf chinesische Autos vorzugehen, so zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Die chinesische Seite zeigte großes Unverständnis über die Importzölle und forderte eine kraftvolle Antwort, sagte ein Insider. Alle Teilnehmer des Treffens waren sich einig, dass Handelskonflikte vermieden werden sollten.

An der Sitzung nahmen Vertreter der europäischen Hersteller BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen, Porsche, Stellantis und Renault sowie der chinesischen Konzerne SAIC, Geely, BYD und Great Wall Motor teil, berichtete eine informierte Person. Bis auf Great Wall sprachen sich die chinesischen Autobauer für höhere Zölle aus. Die europäischen Hersteller lehnten dies ab und plädierten für vorsichtige Maßnahmen.

Im Zuge der Auseinandersetzungen um die Strafzölle für Elektroautos hatte die Regierung in Peking vor einem neuen Handelskonflikt gewarnt. China werde alle notwendigen Schritte ergreifen, um die Maßnahmen der Europäischen Union zu kontern.

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Laut Branchenkreisen streben sowohl China als auch die EU-Kommission eine Lösung des Konflikts an. Die Ankündigung der EU-Kommission, Zölle zu verhängen, könnte Gespräche zwischen Brüssel und Peking anstoßen, um genau diese Zölle zu vermeiden, sagte Bosch-Chef Stefan Hartung. Die EU-Kommission erklärte, sie prüfe, ob eine Lösung gefunden werden könne. Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck betonte vor seiner China-Reise die Bedeutung Chinas für viele deutsche Unternehmen als Produktionsstandort, Innovationszentrum sowie als Beschaffungs- und Absatzmarkt. "Deshalb ist es wichtig, dass wir im Gespräch bleiben und auch über faire und gleiche Wettbewerbsbedingungen sprechen."

Laut einem Insiderbericht der chinesischen Staatszeitung "Global Times" sammelt die chinesische Industrie derzeit Beweise für Untersuchungen gegen bestimmte Milchprodukte und Schweinefleisch aus der EU. Genaue Details wurden jedoch in den Beiträgen auf der Onlineplattform X nicht veröffentlicht. Das Handelsministerium erklärte, dass die untersuchten Produkte hauptsächlich für den menschlichen Verzehr bestimmt seien, und führte als Beispiele frisches und gefrorenes Schweinefleisch sowie Schlachtnebenerzeugnisse an. Dies ist nicht die erste derartige Untersuchung Chinas gegen europäische Produkte. Bereits im Januar hatte das Handelsministerium eine Untersuchung gegen Brandy aus der EU eingeleitet, von der hauptsächlich französische Hersteller betroffen waren. Besonders in der einflussreichen chinesischen Mittelschicht sind - anders als chinesische E-Autos in Europa - europäische Agrar- und Lebensmittel aufgrund ihrer höheren Standards äußerst beliebt. Zwar steigen in Europa die Marktanteile chinesischer E-Autos, einen wirklichen Durchbruch hat es allerdings trotz zahlreicher Ankündigungen noch nicht gegeben.

Europas Autoindustrie kritisiert Pläne der EU

Die vorgesehenen Zölle variieren je nach Automobilhersteller: BYD soll einen Importzoll von 17,4 Prozent zahlen, Geely (inklusive Volvo-Pkw) 20 Prozent und SAIC, der chinesische Partner von Volkswagen, 38,1 Prozent. Hersteller, die bei der Untersuchung kooperiert haben, werden mit einem durchschnittlich gewichteten Zollsatz von 21 Prozent belegt. Nicht kooperierende Hersteller müssen einen Zoll von 38,1 Prozent zahlen. Derzeit gilt für alle Elektroautos aus China ein einheitlicher Zollsatz von 10 Prozent. Auch europäische Hersteller, die Fahrzeuge in China produzieren und in Europa verkaufen, wären von den Zöllen betroffen. Dementspecehdn ablehnend reagieren Europas Autobauer.

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Unter chinesischen Elektroautobauern schwindet laut einer Umfrage das Interesse an Europa: Vier Fünftel der Befragten gaben in der Erhebung der chinesischen Handelskammer vom April und Mai an, dass die Zoll-Untersuchung der EU-Kommission ihr Vertrauen beeinträchtigt habe. Fast drei Viertel berichteten von rückläufigen Geschäften aufgrund der Untersuchung. Dennoch sieht eine Mehrheit Europa als strategisch wichtigen Markt und plant, innerhalb von fünf Jahren Werke in Europa zu eröffnen.

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BMW-Chef Oliver Zipse
BMW-Chef Oliver Zipse - © BMW

Deutsche Automobilhersteller warnen vor Handelskrieg durch EU-Zölle

Die europäische Autoindustrie unterstützt diese Maßnahme kaum. Besonders deutsche Automobilhersteller sind stark vom chinesischen Markt abhängig und befürchten Vergeltungsmaßnahmen seitens Pekings. Führungskräfte von BMW, Mercedes und Volkswagen warnten vor möglichen Zöllen auf chinesische Fahrzeuge. Laut Schätzungen von HSBC erzielen die deutschen Hersteller 20 bis 23 Prozent ihrer weltweiten Gewinne in China. Zudem werden viele in die EU importierte Fahrzeuge von europäischen Herstellern in China produziert. Obwohl China die EU für die Anti-Subventionsuntersuchung kritisierte und zur Kooperation aufrief, bleibt unklar, wie die Volksrepublik auf die Zölle reagieren wird. "Eine Provokation könnte zu einem Handelskrieg führen, der eine Region hart treffen würde, die stark von chinesisch dominierten Lieferketten abhängt, um ihre Klimaziele zu erreichen," sagte Will Roberts, Leiter der Automobilforschung bei Rho Motion.

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So könnten die geplanten Einfuhrzölle der EU auf Elektroautos aus China könnten BMW stark belasten. Das Joint Venture von BMW mit dem chinesischen Unternehmen Great Wall Motor, das den elektrischen Mini Cooper in China produziert, wird nicht von den ermäßigten Zollsätzen profitieren, die die EU-Kommission für bestimmte Unternehmen vorsieht. In der am Mittwoch veröffentlichten Liste ist nur BMW Brilliance aufgeführt, das den SUV iX3 in China herstellt und nach Europa exportiert.

BMW-Chef Oliver Zipse kommentierte die Zollankündigung der EU-Kommission mit den Worten: „Die Entscheidung für zusätzliche Importzölle sei der falsche Weg. Die EU-Kommission schadet damit europäischen Unternehmen und europäischen Interessen.“ Protektionismus berge die Gefahr, eine Spirale von Zöllen und Gegenmaßnahmen auszulösen.

Im Oberösterreichischen Steyr steht die neue Werkshalle von BMW kurz vor der Fertigstellung. Ab 2025 werden hier Motoren für E-Autos der nächsten Generation produziert, die Vorserienproduktion soll bereits im Juli 2024 starten. Über 600.000 E-Motoren sollen pro Jahr in Steyr vom Band gehen. Das neue Gebäude umfasst insgesamt vier Ebenen und rund 60.000 qm, hier findet in Zukunft die gesamte Montage der E-Antriebe statt. Auch Kernkomponenten wie Rotor, Stator, Inverter, Getriebe und Gehäuse für die Generation 6 der Elektromotoren werden hier hergestellt. Eine Transformation für das gesamte Werk.

2023 wurden nach Angaben des europäischen Statistikamtes Autos im Wert von 19,4 Mrd. Euro aus der EU nach China exportiert, vor allem profitable Verbrennermodelle mit großen Motoren: Allein seit Jahresbeginn wurden nach chinesischen Einfuhrdaten Fahrzeuge mit einem Motor von mehr als 2,5 Litern Hubraum im Wert von 1,2 Mrd. Dollar aus Deutschland nach China eingeführt. Die Fahrzeugimporte aus China summierten sich 2023 auf 9,7 Mrd. Euro. Für die deutschen Autobauer ist China der wichtigste Einzelmarkt mit einem Umsatzanteil von etwa einem Drittel.