Trumps Auto-Zölle : Warum US-Autos in Europa unverkäuflich sind

Minsk, Belarus. May 10, 2024. Ford truck F-150 XLT headlight closeup, sleek and modern design of the headlamp. F150 without front bumper cover grille upper molding. Selective focus

Nicht Handelsschranken oder Zölle seien schuld am schwachen Abschneiden der US-Autobauer in Europa, sondern deren Modelle

- © Tricky Shark - stock.adobe.com

Mit neuen Importzöllen will US-Präsident Donald Trump den europäischen Markt für amerikanische Automarken öffnen. Die EU schotte sich zu stark ab, so die Begründung des 78-Jährigen für den seit Donnerstag geltenden 25-Prozent-Aufschlag auf ausländische Pkw. Doch Branchenexperten widersprechen: Nicht die Zollpolitik, sondern die US-Autohersteller selbst seien für das schwache Abschneiden in Europa verantwortlich.

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„Das ist das große Problem der US-Hersteller, die Geschmäcker der europäischen Konsumenten einfach nicht zu treffen“, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Die Modellpalette sei schlicht nicht auf die Bedürfnisse des europäischen Markts zugeschnitten. „Die haben eigentlich nichts anzubieten, was bei uns größere Marktanteile gewinnen könnte.“

Einzige Ausnahme: Tesla. Doch auch der E-Auto-Pionier kämpft derzeit mit Gegenwind. „Aber Tesla hat jetzt andere Probleme“, so Bratzel. Im ersten Quartal brach der Absatz des Unternehmens um 13 Prozent ein – unter anderem wegen wachsender Kritik an Konzernchef und Trump-Berater Elon Musk.

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Trumps Zollstrategie: Kritik an „unfairem Wettbewerb“

Trump wirft der EU vor, den Wettbewerb im Autohandel zu verzerren. „Einer der Gründe, warum ich Zölle einführe, ist der, dass wir Millionen ihrer Autos nehmen – BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz“, erklärte der US-Präsident. Gleichzeitig sei es „fast unmöglich“, US-Autos in der EU zu verkaufen.

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Tatsächlich zeigen Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) ein deutliches Ungleichgewicht im transatlantischen Autohandel: Während 2024 rund 450.000 Fahrzeuge aus Deutschland in die USA exportiert wurden, gelangten nur etwa 136.000 US-Modelle in die entgegengesetzte Richtung. Auch beim Zollniveau gibt es Unterschiede: Während die USA bislang lediglich 2,5 Prozent Einfuhrzoll auf europäische Pkw erhoben, liegt der EU-Zollsatz für US-Autos bei 10 Prozent.

Du kannst hier kein Auto verkaufen mit acht Zylindern und 15 Litern Verbrauch.
Ferdinand Dudenhöffer

Marktferne Modelle: US-Fahrzeuge passen nicht nach Europa

Trotz dieser Zahlen sehen Fachleute wie Ferdinand Dudenhöffer den Grund für die geringe Nachfrage nach US-Autos in Europa nicht in Handelsbarrieren, sondern in mangelnder Marktkompatibilität. „Die Autos aus Amerika sind bei uns schlicht unverkäuflich“, so der renommierte Autoexperte.

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Größe, Verbrauch und Ausstattung amerikanischer Fahrzeuge seien schlichtweg nicht für europäische Bedürfnisse ausgelegt. „Du kannst hier kein Auto verkaufen mit acht Zylindern und 15 Litern Verbrauch.“ In den USA, wo Benzinpreise deutlich niedriger liegen, sei das kein Problem – in Europa dagegen schon.

Automotive expert, Ferdinand Dudenhöffer, considers the electric powertrain to be the engine of the future: ?I am convinced that the all-electric battery car will prevail and determine mobility in the passenger car sector.?
Ferdinand Dudenhöffer - © Volkswagen AG

Bezeichnend ist, dass das meistverkaufte US-Modell, der Pick-up Ford F-150, in Europa gar nicht offiziell erhältlich ist. Auch der direkte Konkurrent von Ram, einer Stellantis-Marke, wird hierzulande nicht angeboten. Gleichzeitig fehlt es den US-Herstellern an wettbewerbsfähigen Klein- und Kompaktwagen – Segmenten, die in Europa besonders gefragt sind.

„Wenn man hier Autos verkaufen will, braucht man Modelle, die die Kunden auch wollen“, resümiert Dudenhöffer. Und daran hapert es weiterhin. Handelszölle könnten daran nichts ändern.

Das jahrelang meistverkaufte US-Modell, der Pick-up-Truck Ford F-150, wird in Europa gar nicht offiziell angeboten

- © Wikipedia

Warum US-Autos in Europa nicht verkauft werden dürfen

Abweichende Sicherheitsstandards

  • US-Autos erfüllen oft nicht die in Europa geltenden EU-Sicherheitsnormen, etwa im Bereich der Crashtests, Fußgängerschutz oder Seitenaufprallschutz.

Unterschiedliche Homologationsvorschriften

  • Fahrzeuge müssen für den europäischen Markt nach EU-Recht typgenehmigt (homologiert) werden. US-Modelle erfüllen oft nicht die technischen Vorschriften, z. B. für Beleuchtung, Abgasnormen oder Bremsanlagen.

Nicht zugelassene Beleuchtungssysteme

  • Scheinwerfer, Blinker, Rücklichter und Bremsleuchten entsprechen oft nicht der europäischen ECE-Regelung. Umbauten wären teuer und technisch aufwändig.

Abgasnormen und Umweltvorgaben

  • Viele US-Fahrzeuge entsprechen nicht den strengen EU-Abgasnormen (z. B. Euro 6, Euro 7). Hoher CO₂-Ausstoß führt zu Strafzahlungen oder Verkaufsverboten.

Kollisionsverhalten und Karosserieanforderungen

  • Unterschiede beim Karosseriebau können dazu führen, dass US-Fahrzeuge nicht den europäischen Vorschriften für Insassensicherheit oder Fußgängerschutz entsprechen.

Probleme bei der Einzelzulassung

  • Ohne EU-Typgenehmigung bleibt nur eine teure und zeitaufwendige Einzelabnahme. Für Hersteller ist das wirtschaftlich oft nicht lohnend.

Technische Inkompatibilität bei digitalen Systemen

  • Navigationssysteme, Konnektivitätsdienste oder Notrufsysteme (z. B. eCall) funktionieren häufig nicht oder sind nicht EU-konform.

Warum US-Autos bei europäischen Kunden eher unbeliebt sind

Fahrzeuggröße und Parkraumprobleme

  • Viele US-Autos, insbesondere SUVs und Pick-ups, sind für europäische Innenstädte und Parkplätze zu groß und unpraktisch.

Hoher Kraftstoffverbrauch

  • Große Motoren mit viel Hubraum bedeuten hohe Benzinkosten – in Europa mit deutlich höheren Spritpreisen ein klarer Nachteil.

Schwaches Design und wenig Markenbindung

  • Europäische Käufer empfinden US-Automodelle oft als altmodisch, klobig oder wenig innovativ im Vergleich zu deutschen, französischen oder japanischen Fahrzeugen.

Unpassende Ausstattung und Bedienkonzepte

  • US-Fahrzeuge sind oft für Komfort auf langen Highways ausgelegt – weniger für agile Fahrweise, enge Straßen oder effiziente Raumnutzung.

Fehlende Werkstattinfrastruktur und Ersatzteile

  • US-Marken haben in Europa nur ein begrenztes Händler- und Werkstattnetz. Ersatzteile sind teurer und schwerer verfügbar.

Geringe Wiederverkaufswerte

  • Der europäische Gebrauchtwagenmarkt bewertet US-Modelle meist schlechter – hoher Wertverlust schreckt potenzielle Käufer ab.

Kritik an Umwelt- und Klimafreundlichkeit

  • In Zeiten von Klimawandel und wachsendem Umweltbewusstsein gelten viele US-Fahrzeuge als klimaschädlich und nicht zukunftsfähig.

Fehlendes Vertrauen in Qualität und Technik

  • Europäische Kunden schätzen Präzision und Effizienz – Bereiche, in denen viele US-Autos als unterlegen wahrgenommen werden.
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