Handelskonflikte unter Trump : 25.000 Jobs in Gefahr: Wie Trumps Einfuhrzölle Europas Automobilindustrie bedrohen
Die vom künftigen US-Präsidenten Donald Trump angedrohten Einfuhrzölle auf Autos bedrohen einer Studie zufolge zehntausende Arbeitsplätze in Europa.
- © davidjancik - stock.adobe.comBis zu 25.000 Stellen in der Auto-Industrie in Gefahr
Die von Donald Trump während seiner Präsidentschaftskampagne und seiner anschließenden Amtszeit angedrohten Einfuhrzölle auf europäische Automobile sorgten in der globalen Wirtschaft für erhebliche Besorgnis. Einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Kearney zufolge könnten solche Zölle verheerende Auswirkungen auf die europäische Automobilbranche haben. Die Untersuchung zeigt, dass zehntausende Arbeitsplätze in Europa gefährdet wären, sollten diese Zölle Realität werden. Die Studie spricht von rund 25.000 Stellen. Besonders betroffen wären renommierte deutsche Automobilhersteller wie Volkswagen, Mercedes und BMW sowie deren Zulieferer.
Laut Nils Kuhlwein, einem Experten von Kearney, könnten die Verluste der europäischen Autobauer zwischen 3,2 und 9,8 Milliarden US-Dollar (umgerechnet etwa 3,1 bis 9,5 Milliarden Euro) betragen. Die genaue Höhe der Verluste hängt von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere davon, wie hoch die Zölle angesetzt werden und ob die Hersteller die zusätzlichen Kosten auf die Endkunden umlegen oder selbst tragen.
Diese mögliche Entwicklung wirft die Frage auf, wie die Branche reagieren könnte und welche weitreichenden Konsequenzen daraus resultieren. Die Studie unterscheidet dabei zwischen zwei Szenarien: einerseits der Weitergabe der Kosten an die Verbraucher, was die Nachfrage negativ beeinflussen könnte, und andererseits der Übernahme der Kosten durch die Hersteller, was Druck auf die Zulieferer ausüben würde.
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Druck auf Zulieferer und Produktionsverlagerung
Eine der am stärksten gefährdeten Segmente ist der Markt für Elektroautos. Deutsche Hersteller exportieren jährlich rund 640.000 Fahrzeuge von Europa in die USA, wobei ein bedeutender Teil dieser Exporte Elektrofahrzeuge umfasst. Kuhlwein prognostiziert, dass die Nachfrage nach Elektroautos drastisch einbrechen könnte, wenn die zusätzlichen Kosten durch die Zölle direkt an die Verbraucher weitergegeben werden. Elektroautos, die ohnehin häufig teurer als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren sind, könnten dadurch für US-Kunden unerschwinglich werden.
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Die Einführung von Zöllen würde den Marktanteil europäischer Automobilhersteller in den USA deutlich schmälern und gleichzeitig Raum für die Konkurrenz aus Japan, Südkorea oder sogar von einheimischen US-Herstellern schaffen, die keine zusätzlichen Kosten zu tragen hätten.
Sollten die Hersteller sich dazu entscheiden, die Zölle nicht auf die Verbraucher abzuwälzen, wäre dies für die Zulieferindustrie besonders problematisch. Es ist eine gängige Praxis in der Automobilbranche, Kostensteigerungen entlang der Lieferkette weiterzugeben. Diese Vorgehensweise könnte insbesondere kleinere Zulieferbetriebe vor massive Herausforderungen stellen. Diese Unternehmen arbeiten oft mit engen Gewinnspannen und wären kaum in der Lage, zusätzliche Kosten aufzufangen, ohne ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.
Mittelfristig könnten solche wirtschaftlichen Belastungen zu einer Verlagerung der Produktion führen. Hersteller könnten verstärkt auf lokale Produktionsstätten in den USA setzen, um die Zölle zu umgehen. Eine solche Entwicklung hätte jedoch weitreichende Folgen für die gesamte europäische Automobilindustrie. Produktionsverlagerungen würden Zulieferer zwingen, ihren Standort ebenfalls zu ändern, was enorme Investitionen und Anpassungen erforderlich macht.
Reaktionen aus der Industrie
Die angedrohten Einfuhrzölle von Donald Trump haben nicht nur bei Automobilherstellern, sondern auch bei Zulieferern und Industrievertretern intensive Diskussionen und weitreichende Maßnahmen ausgelöst. Unternehmen aus der Automobilbranche, insbesondere deutsche Hersteller und deren Partner, reagieren unterschiedlich auf die drohenden Handelshemmnisse. Diese Reaktionen reichen von strategischen Anpassungen über diplomatische Bemühungen bis hin zu langfristigen Investitionsentscheidungen.
Flexibilität und Lokalisierung als Schlüsselstrategien
Eines der zentralen Themen in den Reaktionen der Industrie ist die sogenannte „Lokalisierung“. Continental-CEO Nikolai Setzer erklärte, dass das Unternehmen seit Jahren verstärkt darauf setzt, Produktionsstätten in der Nähe seiner Hauptkunden aufzubauen. Dieser Ansatz ermöglicht es, Lieferketten zu verkürzen und mögliche Zölle zu umgehen. „Wo wir weiter lokalisieren können, und wo das Sinn ergibt, werden wir das tun“, so Setzer. Diese Strategie ist nicht nur eine Reaktion auf mögliche Zölle, sondern auch eine Antwort auf steigende Transportkosten und den Wunsch vieler Länder, ihre heimischen Industrien zu stärken.
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Auch andere Zulieferer und Hersteller verfolgen ähnliche Ansätze. Bosch und ZF Friedrichshafen, zwei weitere Giganten der Automobilzulieferindustrie, haben in den letzten Jahren erhebliche Investitionen in ihre US-amerikanischen Produktionsstandorte getätigt. Ziel ist es, ihre Präsenz auf dem nordamerikanischen Markt zu stärken und gleichzeitig Risiken durch Handelsbarrieren zu minimieren.
Verstärkte Verhandlungen mit Lieferanten
Neben der Lokalisierung spielen intensive Gespräche mit Lieferanten eine zentrale Rolle in der Strategie der Industrie. Große Unternehmen wie Volkswagen und Daimler prüfen derzeit, wie sie ihre Lieferketten anpassen können, um die Auswirkungen möglicher Zölle abzufedern. Dabei geht es nicht nur um die Verlagerung der Produktion, sondern auch um die Neuverhandlung von Verträgen, um zusätzliche Kosten entlang der Lieferkette fair zu verteilen.
Für kleinere Zulieferer, die eng mit großen Automobilherstellern verbunden sind, könnte diese Entwicklung jedoch kritisch sein. Die Praxis, Kostensteigerungen durch Zölle an die Lieferanten weiterzugeben, ist in der Branche üblich, setzt jedoch vor allem kleinere Unternehmen unter erheblichen finanziellen Druck. Einige dieser Unternehmen könnten gezwungen sein, ihre Produktionsprozesse zu automatisieren oder sich mit anderen Zulieferern zusammenzuschließen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Innovationen und Diversifizierung der Märkte
Ein weiterer Aspekt der industriellen Reaktion ist die zunehmende Innovationsbereitschaft und Diversifizierung der Märkte. Automobilhersteller wie BMW und Mercedes betonen, dass sie ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in den USA ausbauen möchten. Ziel ist es, Produkte zu entwickeln, die besser auf die Bedürfnisse des US-Marktes zugeschnitten sind. Dazu zählen vor allem SUVs und Pick-ups, die bei amerikanischen Kunden besonders beliebt sind.
Darüber hinaus suchen Unternehmen verstärkt nach Alternativen zu den USA als Absatzmarkt. Märkte in Asien, insbesondere in China und Indien, gewinnen an Bedeutung. Hersteller wie Volkswagen haben bereits angekündigt, ihre Investitionen in diese Regionen zu erhöhen, um mögliche Verluste in den USA auszugleichen. Diese Strategie der Diversifizierung könnte langfristig dazu beitragen, die Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu reduzieren.
Zusammenarbeit mit politischen Akteuren
Die Automobilindustrie sucht zudem den Dialog mit politischen Entscheidungsträgern. Deutsche Automobilverbände wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) stehen in engem Austausch mit der Bundesregierung sowie der Europäischen Union, um eine Eskalation des Handelskonflikts zu vermeiden. Ziel dieser Bemühungen ist es, den freien Handel zwischen Europa und den USA zu sichern und mögliche Zölle durch diplomatische Lösungen abzuwenden.
Die geopolitischen Dimensionen
Die angedrohten Einfuhrzölle von Donald Trump sind nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine geopolitische Herausforderung. Sie spiegeln einen deutlichen Wandel in der US-amerikanischen Handelspolitik wider, der während Trumps Präsidentschaft an Dynamik gewonnen hat. Protektionismus und die Betonung von „America First“ führten zu einer zunehmenden Konfrontation zwischen den USA und ihren Handelspartnern.
Die Europäische Union, die stets für freien Handel und offene Märkte plädiert, sah sich gezwungen, Gegenmaßnahmen zu erwägen. In der Vergangenheit hatte die EU bereits angedeutet, auf US-Zölle mit eigenen Handelshemmnissen zu reagieren, was die Gefahr eines Handelskrieges zwischen den beiden Wirtschaftsräumen verstärkte.