Ergonomiehilfen

Warum der Lenze-Standort Asten auf Exoskelette in der Produktion und Logistik setzt

Warum Exoskelette am Astener Lenze-Produktions- und Logistikstandort bei ergonomisch fordernden Arbeiten ihre Bestimmung finden, schildert Alfred Ritirc, Leiter Prozessmanagement Lenze Operations Austria.

Alfred Ritirc, Leiter Prozessmanagement, Lenze Operations Austria

INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Ritirc, im Lenze-Logistikzentrum in Asten finden Mitarbeiter neuerdings in Form von Exoskeletten bei Logistik- und Produktionsaufgaben Unterstützung. Schildern Sie uns bitte die Ausgangssituation.

Alfred Ritirc: In unserem Logistikzentrum montieren wir derzeit rund 100.000 Getriebe pro Jahr. Dabei kommt es in den Bereichen der Montage - etwa dem Aufsetzen des Motors auf das Getriebe - und in der Logistik im Wareneingang, -ausgang und der Kommissionierung zu ergonomisch anstrengenden Tätigkeiten. Diese werden teils mit, teils ohne unterstützende Hilfs- und Hebemittel durchgeführt. An manchen Arbeitsplätzen ist eine Vollautomatisierung aufgrund der hohen Variantenvielfalt herausfordernd. 

Welche Orthesen sind im Einsatz?

White Paper zum Thema

Ritirc: Derzeit haben wir im Montage- und Logistikbereich Prototypen eines passiven Soft-Exoskeletts im Einsatz. Diese Exoskelette können manuelle Prozesse optimal unterstützen.

Welche Aussagen zur Akzeptanz von Exoskeletten lassen sich schon treffen?

Ritirc: Aktuell läuft eine Umfrage mittels Fragebogen – das erste Feedback in der Belegschaft dazu ist sehr gut ausgefallen.

Lenze, Operations, Austria © Lenze Operations Austria

Wie anwenderfreundlich sind Orthesen an einem heißen Sommertag?

Ritirc: Mitarbeiter sollen den Arbeitsplatz in derselben gesundheitlichen Verfassung verlassen, wie sie ihn betreten. Darüber hinaus ist der Tragekomfort ein wesentlicher Punkt. Gerade in den Sommermonaten ist es natürlich wichtig, dass das anliegende Material atmungsaktiv ist. Bei einer eindeutigen Zuordnung eines Exoskeletts zu einer Person ist der Hygienefaktor zudem ein wichtiger Aspekt.

Der sich jedoch durch die Möglichkeit, die wesentlichen Teile reinigen zu können, relativiert. Herausfordernd wird es bei etwas kostenintensiveren Geräten, welche an einem Arbeitsplatz für mehrere Mitarbeiter - etwa im Schichtbetrieb - zur Verfügung gestellt werden. Hier braucht es eine effektive Reinigungsstrategie, welche eine gemeinsame Nutzung ermöglicht.

Lenze, Operations, Austria © Lenze Operations Austria

Welche Form der Unterstützung bieten Orthesen Mitarbeitern Ihrer Lackiererei?

Ritirc: Hier laufen die Getriebemotoren über Hängebahnen durch die Lackierbox. Die zu lackierenden Komponenten können zwar durch Kransysteme in eine gute Arbeitsposition gebracht werden, für die Lackiermitarbeiter kommt es jedoch immer noch zu körperlichen Belastungen. Zum einen im Schulterbereich, wenn das Produkt von oben mit der Sprüheinheit bearbeitet wird. Und zum anderen im Rückenbereich bei der Produktabnahme.

Wie freiwillig ist die Nutzung dieser Hilfen im Unternehmen?

Ritirc: Ich denke nicht, dass es ein spezielles Anreizsystem benötigt, wenn im Vorfeld bereits ein offener Umgang mit diesem Thema herrscht und Vor- sowie auch Nachteile kommuniziert werden. Umso wichtiger ist die Team-Zusammensetzung in der Projektphase. Und die weitere Unterstützung durch den EHS-Bereich, welche die ergonomischen und gesundheitlichen Punkte beantworten können.