Digitalisierung

Harting-Produktmanager Lars Hohmuth: Der Heimkehrer

Ex-Valley-Kommunarde, Digitalversteher der ersten Stunde: Lars Hohmuth, Produktmanager Industrial Computing, Harting, will mit Microservices die Fertigungswelt umkrempeln. 

Digitalisierung Disruption Lars Hohmuth Harting Elektrotechnik

Nach seiner letzten digitalen Revolution war Lars Hohmuth urlaubsreif. Vor zwei Jahren kam der Physiker aus dem Silicon Valley zurück nach Deutschland - sein Lebenslauf bis dahin: ein Startup, Wolfram Research, und ein Konzern, Kyocera, und immer wieder Softwareentwicklung. „Nach der Krise war die USA nicht mehr mein Sehnsuchtsort. Leere Läden und Einkaufszentren prägten das Bild im Inland.“ Schweden, Kasachstan, Usbekistan, Südostasien und Mexiko bereiste er in den anschließenden neun Monaten – es war ein Ausstieg auf Zeit. 

Mehrere Jahre zuvor verantwortete der gebürtige Heidenheimer in der Druckerindustrie die Softwareentwicklung in Kalifornien – 60 Stunden die Woche. Kyocera, japanisches Unternehmen – verdeckte Hierarchien, zu viel Reporting und viel Verantwortung, aber auch viel Resistenz gegen neue Geschäftsmodelle wie Pay per Page oder Full-Service-Dienstleistungen. „Die Druckeranbieter hatten 2005 alle Panik vor neuen Geschäftsmodellen“, erinnert sich Hohmuth, der mit seinem Team die bröckelnden Hardwaremargen auffangen sollte. Nur wenige Unternehmen haben im Druckermarkt überlebt. Kyocera lebt noch.

Wenn Kollegen heute über Industrie 4.0 stöhnen, muss Lars Hohmuth schmunzeln, der 48-Jährige hat die Disruption einer ganzen Branche schon einmal erlebt. Heute will er sie mit dem familiengeführten Verbindungstechnikhersteller Harting in der Industrie anstoßen – Pay per Thing?

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Hohmuth zählt zu dem Team in Berlin, das die Harting MICA – einen modularen Minicomputer - auf den Markt gebracht hat. Das Versprechen: Kunden können Daten im direkten Umfeld von Maschinen und Anlagen aufnehmen, auswerten und verarbeiten. Darüber hinaus lässt sich der Minicomputer mit individueller Hardware, frei verfügbarer Software und passenden Schnittstellen konfigurieren – ganz nach kundenspezifischen Anforderungen. „Die MICA hätte ich in den 2000er Jahren bei Kyocera gebraucht“, sagt Hohmuth. Harting hat Mut mit ihr bewiesen, wie Hohmuth meint. Jetzt setze das Unternehmen auch auf Open Source, Software, Entwicklernetzwerke und neue Mitarbeiter in Berlin – die anders kommunizieren, in neuen Geschäftsmodellen denken. Der nächste Schritt in der Industrie? Microservices, ist Hohmuth überzeugt.

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