Ranking

Die besten FHs in Österreichs: wo studieren, wie viel verdienen?

Was es zum Studieren braucht: Tablet, Lernunterlagen, Stifte, Kaffee, Handy und Kopfhörer
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Im großen FH-Ranking ermittelt das INDUSTRIEMAGAZIN gleich zweierlei. Zum einen zeigen wir auf, welche Fachhochschule in Österreich sich als die beste bezeichnen kann. Zusätzlich wurden auch die besten Fachbereiche der FHs ermittelt.

Und dabei kamen viele Sieger heraus – was nicht an zusätzlichen Kategorien liegt. Wohl noch nie in der Geschichte des Rankings lagen die besten Fachhochschulen so knapp beieinander und wohl noch nie war das Ergebnis so gut.

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Welche ist die beste Fachhochschule Österreichs?

Gewertet wurde in zwei Kategorien: Einerseits wurde die beste FH ermittelt, andererseits der beste Fachbereich. Als solcher wurde die nächste Ebene unterhalb der Fachhochschule definiert. Je nach Struktur einer Hochschule waren das dann Departments, Institute oder Fakultäten.

Das FH-Ranking 2022 wurde von brandscore.at. erstellt. Befragt wurden mehr als 150 Personalverantwortliche österreichischer Unternehmen. Die Befragten bewerteten die Fachhochschulen nach dem Schulnotensystem, wobei 1 der bestmöglichen Wertung und 5 der schlechtesten Wertung entspricht.

Abgefragt wurde einerseits das Image jeder Fachhochschule als Ganzes und anderseits das Image der einzelnen Departments bzw. anderer Einheiten, die innerhalb einer Hochschule als Zwischenstufe zwischen der Gesamtinstitution und den einzelnen Studiengängen fungieren.

Wie gut sind Österreichs FHs?

„Wird nach der Schulnotenskala gewertet, so gilt in der klassischen Meinungsforschung ein Ergebnis ab 2,0 als sehr gut, eines ab 2,5 als gut“, erläutert Herbert Kling, Chef des Meinungsforschungsinstituts brandscore.at, das das Fachhochschulen-Ranking im Auftrag des INDUSTRIEMAGAZIN durchgeführt hat.

Das gesamte Ranking finden Sie hier: Die besten Fachhochschulen in Österreich: Online oder Praxis?

In unserem Ranking schneiden somit alle 17 FHs de facto gut bzw. sehr gut ab. Auf einen Wert von 1,91 kommt der Sieger, auf einen Wert von 2,52 der Letztplatzierte. Es sind vielleicht nur feine Unterschiede in der Qualität, doch für die richtige Wahl können diese natürlich ausschlaggebend sein.

Etwas größer fallen die Unterschiede dann schon beim Bekanntheitsgrad aus. Die zweitbekannteste Fachhochschule in Österreich ist die FH BFI Wien. Sie kommt auf einen Bekanntheitsgrad von 79 Prozent. Übertroffen wurde sie nur von der FH Campus Wien.

Studierende sitzen in der Bibliothek einer Universität oder Fachhochschule an einem Tisch und lernen gemeinsam.
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"Definitiv nicht online-tauglich sind praxisorientierte Übungen, die beispielsweise im Labor durchgeführt werden."
Gerald Reisinger, Präsident FH Oberösterreich

Welche Fachrichtung an einer FH? – eine große Entscheidung

Die FH Campus Wien belegte auch schon im Vorjahr puncto Bekanntheit den ersten Platz. Dieses Jahr kommt sie in der Wertung auf 81 Prozent. Die beiden bekanntesten Fachhochschulen sind also jedem vierten von fünf Befragten ein Begriff.

Danach flacht die Kurve nach unten allerdings deutlich ab. FHs, die im letzten Drittel platziert sind, liegen mit ihren Werten bereits unter fünfzig Prozent. Das bedeutet: Nicht einmal jeder zweite Befragte kennt sie.

Wer für sein Studium eine FH wählt, sucht sich diese freilich nicht nur anhand ihrer Gesamtbewertung aus. Für den persönlichen Werdegang ist die Wahl der richtigen Fachrichtung mindestens ebenso entscheidend. Im großen INDUSTRIEMAGAZIN Ranking wurden daher nicht nur die Schulen selbst, sondern auch ihre Fachbereiche bewertet und gereiht.

Im Department-Ranking wurde in Summe die beträchtliche Anzahl von 85 Einheiten abgefragt. Auch hier liegt das gesamte Bewerberfeld sehr eng zusammen. Unter den Departements, Instituten und Fakultäten kämpfen also praktisch alle um die ersten Ränge. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, wie viele Einheiten für die Reihung untersucht wurden.

„Ein Qualitätssiegel ist insbesondere die hohe Nachfrage nach unseren Absolventinnen und Absolventen.“
Martin Payer und Karl Peter Pfeiffer, Geschäftsführer der FH Joanneum

IT-Studium an einer Fachhochschule

Doch auch, wenn die Departments in der Wertung alle FHs relativ nah beieinander liegen – ein interessanter Trend zeichnet sich eindeutig ab. Denn auffallend ist, dass auf den ersten drei Plätzen ausschließlich Abteilungen zu finden sind, die sich in weitestem Sinne mit IT-Themen beschäftigen. Erst auf Platz vier landet eine Einheit, die vordergründig wenig technisiert ist.

Auf Platz drei im Fachhochschulen-Fakultäten-Ranking landet das Department Informatik und Security der FH St. Pölten. Auf zwei verschiedene Bachelor-Möglichkeiten folgen hier vier Master-Studiengänge, unter anderem Digital Innovation and Research. Die Fachhochschule in der niederösterreichischen Hauptstadt ist mit mehreren Einheiten im Ranking vertreten, also nicht nur auf dem dritten Platz, was sie zum heimlichen Star dieser Wertung macht.

Welche weiteren Departments der FH St. Pölten es unter die Top 10 geschafft haben, sehen Sie im ausführlichen Ranking!


Das zweitbeste Department im großen INDUSTRIEMAGAZIN Ranking ist die Fakultät Computer Science des FH Technikum Wien. In dieser finden sich acht Bachelor- und Master-Studiengänge.

Doch auf den besten Wert kommt das Department für Digitale Medien der FH Oberösterreich. Dieses kommt auf die „Schulnote“ 2,02 und schlägt damit alle anderen. Doch weit abgeschlagen sind in dem Ranking keine FHs, wenn man bedenkt, dass sogar der letzte der 85 Ränge noch auf ein Ergebnis von 2,78 kommt.

Fachhochschule St. Pölten
Fachhochschule St. Pölten: mit mehreren Departments in den Top 10. - © YouTube/ Fachhochschule St. Pölten

FH oder Uni – so denken Personalverantwortliche

Department ist natürlich nicht gleichbedeutend mit der ganzen Schule. Und so kommt es, dass in unserem Ranking die drei Fachhochschulen mit den besten Fakultäten nicht gleichzeitig die besten FHs per se sind.

Die drittbeste Fachhochschule, die in ihrer Gesamtheit bewertet wurde, ist eine mit besonders vielen Studiengängen – die FH Joanneum. Aufgeteilt auf drei steirische Standorte – Graz, Bad Gleichenberg und Kapfenberg – bietet diese Schule mehrere Bachelors und Masters in sechs unterschiedlichen Bereichen. Zu den übergreifenden Divisionen gehören unter anderem Engineering, Angewandte Informatik und Management. Auch eine Spezialisierung auf Bauen und Energie ist möglich.

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Die beiden Geschäftsführer der FH Joanneum, Martin Payer und Karl Peter Pfeiffer, merken an: „Ein Qualitätssiegel ist insbesondere die hohe Nachfrage nach unseren Absolventinnen und Absolventen.“

Doch ist die Nachfrage nach FH-Absolventen im Allgemeinen höher als die nach Universitätsabgängern? In vielen Bereichen ist die Entscheidung ja längst obsolet geworden. Gefragt, ob sie lieber einen FH-Absolventen oder einen Uni-Abgänger anstellen würde, lachen Personalverantwortliche, die nach Technikern oder IT-Spezialisten suchen, ohnehin nur noch mitleidig. Sie seien, sagen sie, über jeden froh, den sie bekommen können. Den Luxus, eine bestimmte Hochschulform zu bevorzugen, können sie sich gar nicht leisten.

FH Joanneum – mehrere Bachelors und Masters in sechs unterschiedlichen Bereichen.

- © YouTube/ FH JOANNEUM

Wie viel verdient man nach der Fachhochschule?

Die im Rahmen unserer großen FH-Studie erhobenen Gehälter von Fachhochschulen- und Universitätsabgängern zeigen, dass in der Bezahlungspraxis tatsächlich wenig Unterschied zwischen den beiden Gruppen gemacht wird. Schon beim Berufseinstieg sind FH-Absolventen bei rund einem Viertel der Unternehmen gleich gut bezahlt wie Uni-Abgänger.

Lesen Sie mehr dazu im ausführlichen Bericht: Österreichs beste Fachhochschulen 2022 – So viel Qualität wie noch nie

Nach einigen Berufsjahren gibt es nur noch in rund zehn Prozent der Unternehmen eine Differenz zuungunsten der FHs. Dafür gibt es erstaunliche zwanzig Prozent Unternehmen, in denen FH-Absolventen nach einigen Jahren Dienstjahren mehr verdienen als Leute mit Universitätsabschlüssen. Das überrascht, könnte aber damit zu tun haben, dass sich einstige FH-Studierende eben leichter tun, den Alltag in der realen Arbeitswelt zu bewältigen.

Und möglicherweise die Abgänger der in unserem Ranking zweitbesten FH noch etwas leichter: Auf dem zweiten Platz landet die FH Vorarlberg. In Dornbirn können die rund 1.600 Studierenden sich in den Bereichen Wirtschaft, Technik, Gestaltung sowie Soziales und Gesundheit ausbilden lassen.

Und das von – ein wichtiger Punkt – ausreichend Lehrpersonal. „An der Fachhochschule Vorarlberg liegt das Betreuungsverhältnis derzeit bei 1:12. Das Studium in Kleingruppen ermöglicht eine persönliche Beziehung und damit eine bestmögliche Betreuung“, erklärt Tanja Eiselen, Rektorin der FH Vorarlberg.

Viele Universitäten wären auf die Balance zwischen Studierenden und Lehrenden, die Fachhochschulen teilweise erreichen, regelrecht neidisch. Dass Studieninteressierte sich aus diesem Grund sogar für eine Fachhochschule entscheiden, ist gut möglich. Denn kleine Gruppen sind in der Sichtweise der für unser Ranking Befragten etwas, was FHs anstreben sollten.

Viele Universitäten wären auf die Balance zwischen Studierenden und Lehrenden, die Fachhochschulen teilweise erreichen, regelrecht neidisch.

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Warum eine FH? Unternehmensnähe und Unabhängigkeit.

Was Personalverantwortliche ebenfalls schätzen, wenn sie die Ausbildung potenzieller Mitarbeiter betrachte, ist eine gewisse Unabhängigkeit der FHs. So sei Nähe zu Unternehmen gut und absolut wichtig, zugleich sollen Fachhochschule aber doch auch Orte sein, die als unabhängig beschrieben werden können. Mehr als sechzig Prozent der für das Ranking Befragten halten dieses Kriterium für wichtig oder sehr wichtig.

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Möglichst nah mit Praktikern aus Wirtschaft und Industrie zusammenzuarbeiten, zugleich aber sich von ihnen nicht instrumentalisieren zu lassen, bleibt freilich ein Spagat. Für Karl Ennsfellner, Geschäftsführer der FH Krems IMC, gibt es daher nur einen einzigen Weg, wie sich Fachhochschulen ihre Unabhängigkeit bewahren können – durch Qualität.

„Fachhochschulen sind in der angewandten Forschung tätig und transferieren Ergebnisse der Grundlagenforschung in die Wirtschaft und Gesellschaft. Nur wenn Sie in der Lage sind, auf hohem Qualitätsniveau zu forschen und Ergebnisse liefern, die rasch verwertbaren Nutzen stiften, werden sie erfolgreich sein. Und das sichert die Unabhängigkeit“, sagt Ennsfellner.

Das Studium in Kleingruppen ermöglicht eine persönliche Beziehung und damit eine bestmögliche Betreuung."
Tanja Eiselen, Rektorin FH Vorarlberg

Praxisbezug in Berufsausbildung

Qualität kann natürlich vor allem eine Fachhochschule bieten: die beste. Und die ist in unserem Ranking verdient die FHWien der WKW. Der Abstand zum Zweitplatzierten ist zwar nicht riesig – was an der geballten Qualität im heurigen Ranking liegt –, doch immer noch deutlich. Schließlich kommt die Wiener Fachhochschule als einzige auf eine 1-er Note.

Groß geschrieben wird hier Praxisnähe. An der FH Wien der WKW kommen zwei Drittel der Vortragenden aus der Praxis. „Wichtig für die Berufsvorbereitung sind aber auch Praxisprojekte, bei denen Studierende Lösungen für Aufgabenstellungen aus den Unternehmen entwickeln“, erklärt Michael Heritsch, Geschäftsführer der FHWien der WKW.

Über achtzig Prozent der von uns befragten Personalverantwortlichen halten praxisnahe Ausbildung für ein sehr wichtiges oder wichtiges Qualitätsmerkmal einer Fachhochschule. Rund siebzig Prozent fordern nach erfahrenen Dozenten aus der Praxis. Ähnlich häufig geäußert ist der Wunsch nach gut aufbereiteten, beruflich nützlichen Unterlagen.

Die FHWien der WKW ist im INDUSTRIEMAGAZIN Ranking die beste Fachhochschule 2022.
Die FHWien der WKW führt 2022 das Ranking an: nützliche Unterlagen, nützliche Praxis. - © YouTube/ FHWien der WKW – Die Praxis studieren

Wie funktioniert ein Fernstudium – das eigentlich keines ist?

Während Praxisnähe also etwas Erwünschtes ist, ist es auch gleichzeitig eine Herausforderung. Besonders seit der Pandemie haben sich hier Hürden herauskristallisiert.
Denn die FHs sind zwar längst im Digitalzeitalter angekommen, nicht jedes ihrer Angebote kann aber gleich gut im Fernstudium umgesetzt werden.

Das bestätigt auch Gerald Reisinger, Präsident der FH Oberösterreich: „Primär ist die Frage, ob Unterricht digital oder in Präsenz stattfinden kann, abhängig von den didaktischen Erfordernissen der Lehrveranstaltungen. Definitiv nicht online-tauglich sind praxisorientierte Übungen, die beispielsweise im Labor durchgeführt werden sowie Lehrveranstaltungen, die ein hohes Maß an Interaktion erfordern.“

Davon abgesehen können Online-Formate aber natürlich eine Bereicherung sein. Es liegt an den FHs, sie auch als solche aufzubauen und nicht bloß als Not-Unterrichtsform zu behandeln. Wenn hier noch große qualitative Entwicklungen anstehen, könnte das Ranking nächstes Jahr auch wieder ganz anders aussehen.

Lesen Sie mehr über die besten Fachhochschulen in Österreich im ungekürzten Ranking!