Rohstoffmangel : ERG-Sobotka: "Ende einer Ära billiger Rohstoffe"

Benedikt Sobotka, CEO Eurasian Resources Group

Benedikt Sobotka, CEO Eurasian Resources Group: "Der Rohstoffsektor durchläuft die wohl größte Transformation seit Jahren"

- © YouTube/ Mining Review Africa

Betriebe, die jetzt schon unter Teuerungen der Rohstoffe zu leiden haben, müssen langen Atem beweisen. Denn nach Ansicht eines Branchenexperten wird der Krieg in der Ukraine Rohstoffe dauerhaft teuer machen.

"Angesichts aller Unsicherheiten, die der Beginn des laufenden Jahrzehnts mit sich bringt, ist eines klar: Wir erleben das Ende einer Ära billiger Rohstoffe", sagte der Chef des luxemburgischen Rohstoffkonzerns Eurasian Resources Group (ERG), Benedikt Sobotka.

Gleichzeitig prognostizieren manche Forscher ein Defizit bei Kupfer – gepaart mit einer höheren Nachfrage unter anderem wegen erneuerbaren Energien und E-Mobilität ein weiterer Preistreiber. Könnte der Rohstoff 2040 seinen Höhepunkt erreicht haben?

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„Ein Zulieferer aus der Automobilindustrie wollte unbedingt von mir wissen, ob es in zehn Jahren noch Kupfer gibt", erzählt Uwe Schmidt, CCO der Montanwerke Brixlegg, wo Kupfer aus Schrotten produziert wird. "Und ich habe gesagt: ‚Kein Problem, das gibt es‘“. Momentan sei zwar Schrott knapp, aus dem die Montanwerke Brixlegg ihr recyceltes Kupfer herstellen. Doch das rührt laut Schmidt daher, dass asiatische Akteure zurzeit „sehr aggressiv“ in Europa einkaufen.

Zudem seien aufgrund der unsicheren Lage die Lieferketten im letzten Jahr geleert worden, was den jetzigen Bestand schmäler aussehen ließe, als er sei. „Letztes Jahr gab es zu viel Schrott, dieses Jahr gibt es zu wenig Schrott. Und in der zweiten Jahreshälfte ist es wieder normal“, beruhigt Schmidt.

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Nicht nur die Kosten für Kupfer sind gestiegen – auch die für Die Kosten für Rohöl, Erdgas und Aluminium und Kupfer sind seit Jahresbeginn auf Höchststände geklettert, und weitere Preisschwankungen seien unvermeidlich, so Sobotka.

"In den kommenden Monaten werden viele wichtige Elemente unseres täglichen Lebens tendenziell teurer - von Brot und Kaffee über Computer und Autos bis hin zu Baumaterialien, Häusern und der Art und Weise, wie wir unsere Haushalte mit Strom versorgen", betonte der Unternehmenschef.

ERG ist ein Produzent von Kobalt und Kupfer sowie Lieferant von Aluminiumoxid und Eisenerz. Der Konzern ist vor allem in Kasachstan, Brasilien und dem südlichen Afrika tätig und beschäftigt etwa 75.000 Menschen.

"Der Rohstoffsektor durchläuft die wohl größte Transformation seit Jahren", sagte Sobotka. Einige Änderungen dauerten zwar länger, seien aber nur vorübergehend wie etwa Lieferkettenprobleme. Andere hingegen, wie die Frage der Bezugsquellen oder die Definition strategischer Materialien, seien grundlegender. "Es ist nicht mehr möglich, den besten Kunden, die rentabelste Route oder das günstigste verfügbare Material auszuwählen", sagte Sobotka. "Dies sind die Kosten für eine verbesserte langfristige Nachhaltigkeit und die Auswirkungen der globalen geopolitischen Unsicherheit, an die sich die Produzenten anpassen müssen."

Konkrete Folgen hätten die Kämpfe etwa für die Autobauer, da die Ukraine ein wichtiger Zulieferer gewesen sei. Russland sei zentral für viele Metalle wie Nickel, das wichtig ist für Batterien, und Aluminium, das etwa für Karosserien und Räder benötigt wird, sowie Palladium und Platin, die kritische Komponenten in Fahrzeugabgassystemen sind.

Bei Kupfer und Kobalt sei der bereits bestehende Angebotsdruck noch verschärft worden, zumal die globalen Lagerbestände gering seien. Bereits vor Kriegsbeginn hätten Experten bei Kupfer ein Defizit prognostiziert. Die höhere Nachfrage durch die Umstellung auf erneuerbare Energien und E-Mobilität werde die Preise für Kupfer und Kobalt weiter antreiben, sagte der Branchenexperte. (apa/red)