Magna Steyr Xpeng Produktion Graz : Magna Steyr: Überraschender Aufstieg zum Europa-Hub für Xpeng

Xpeng setzt auf Graz: Im Magna-Steyr-Werk läuft die Testproduktion der E-Limousine P7+ – ein strategischer Schritt für den Marktausbau in Europa

Xpeng setzt auf Graz: Im Magna-Steyr-Werk läuft die Testproduktion der E-Limousine P7+ – ein strategischer Schritt für den Marktausbau in Europa

- © Xpeng

In Graz entwickelt sich das Magna-Steyr-Werk zunehmend zu einem wichtigen Standort für die europäische Endmontage chinesischer Elektroautos. Der chinesische Hersteller Xpeng hat dort kürzlich die Testproduktion seines neuen Modells P7+ erfolgreich abgeschlossen. Damit erweitert das Unternehmen sein Fertigungsportfolio am Standort um eine dritte Baureihe – neben den SUV-Modellen G6 und G9, die bereits seit dem dritten Quartal 2025 in Graz endmontiert werden.

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Die Entscheidung, den P7+ in der Steiermark montieren zu lassen, ist Teil einer umfassenden Lokalisierungsstrategie. Diese zielt darauf ab, die steigende Nachfrage auf dem europäischen Markt zu bedienen und gleichzeitig regulatorische sowie tarifäre Hürden zu umgehen. Ein entscheidender Vorteil ergibt sich dabei aus dem Einsatz des sogenannten SKD-Verfahrens (Semi-Knocked-Down): Die Fahrzeuge werden in China vorproduziert, in Baugruppen zerlegt und als Bausätze nach Europa verschifft. In Graz erfolgt anschließend die Endmontage. Auf diese Weise lassen sich im Vergleich zur Komplett-Einfuhr fertig montierter Fahrzeuge erhebliche Zölle einsparen, was die Kostenstruktur verbessert und die Markteintrittsbarrieren senkt.

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P7+ vor dem Serienstart: Magna Steyr etabliert sich als Schlüsselpartner für Chinas Autoindustrie

Die Testphase für den P7+ diente insbesondere der Erprobung von Produktionsprozessen und Logistikabläufen. Der P7+, eine vollelektrische Limousine, soll Xpengs Position in Europa weiter stärken und das Modellangebot diversifizieren. Die Serienfertigung wird nach Abschluss der erfolgreichen Testreihe voraussichtlich zeitnah starten.

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Das Grazer Werk von Magna Steyr, ursprünglich 2001 aus dem Steyr-Daimler-Puch-Konzern hervorgegangen, ist seit vielen Jahren auf die Entwicklung und Montage von Fahrzeugen im Auftrag externer Hersteller spezialisiert. Als einer der größten unabhängigen Fahrzeugfertiger Europas bietet Magna insbesondere für Hersteller ohne eigene europäische Produktionskapazitäten ideale Voraussetzungen. Diese Rolle gewinnt angesichts globaler Handelskonflikte und wachsender Anforderungen an Lieferketten an Bedeutung.

Start der Xpeng-Produktion bei Magna in Graz im September 2025

- © Peter Reiter Photography

Steiermark wird Hotspot chinesischer E-Mobilität

Neben Xpeng wird auch ein weiterer chinesischer Hersteller, GAC (Guangzhou Automobile Group), künftig auf das Fertigungs-Know-how in Graz zurückzugreifen. GAC gab Ende November bekannt, sein E-Auto Aion V bei Magna in Graz fertigen zu lassen. Auch hier dürfte das SKD-Prinzip zur Anwendung kommen, um Zölle zu umgehen und die Einhaltung europäischer Normen effizient zu gestalten. GAC (Guangzhou Automobile Group) ist mit rund 100.000 Mitarbeitern einer der großen Hersteller in der chinesischen Autoindustrie. Für Magna Steyr bedeutet dieser Trend eine wichtige strategische Absicherung der Produktionsauslastung, insbesondere vor dem Hintergrund rückläufiger Aufträge aus dem klassischen OEM-Geschäft mit westlichen Automarken. So wird die Produktion für BMW und Toyota noch heuer auslaufen. 

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Xpeng ist seit 2021 auf dem europäischen Markt aktiv und vertreibt seine Fahrzeuge mittlerweile in mehreren EU-Ländern, darunter Deutschland, die Niederlande und Norwegen. Die lokale Montage in Europa erlaubt dem Unternehmen nicht nur, günstiger zu produzieren, sondern auch schneller auf Marktanforderungen zu reagieren und sich flexibler gegenüber politischen oder wirtschaftlichen Veränderungen zu positionieren.

Langfristig könnte die Fertigung in Graz laut Branchenkennern sogar auf weitere Modelle ausgeweitet werden. Damit würde sich die Steiermark nicht nur als Fertigungsstandort, sondern auch als Drehscheibe chinesischer E-Mobilität in Europa etablieren.

Magna Steyr rutscht in die Verlustzone – Projektabbrüche und Kundenpleiten belasten Bilanz

Im Geschäftsjahr 2024 verzeichnete Magna Steyr einen operativen Verlust. Wie aus dem letzten Jahresabschluss hervorgeht, ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 44 Millionen Euro gesunken. Als Gründe nennt das Unternehmen Stornierungen und das vorzeitige Ende mehrerer Projekte.

Das Unternehmen berichtet von einer „sehr volatilen“ Geschäftsentwicklung, die durch „ungeplante negative Projektentwicklungen“ geprägt gewesen sei. Gemeint sind insbesondere die Insolvenz des Kunden Fisker sowie der Abbruch des Geländewagen-Projekts Ineos Fusilier. „Aufgrund der geringeren Auslastung waren Restrukturierungsmaßnahmen bzw. Personalfreisetzungen sowie die Umsetzung eines Sozialplans erforderlich“, heißt es im Lagebericht. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl sank von 7.781 auf 6.976 Beschäftigte.

Trotz des operativen Verlustes in Höhe von 11,7 Millionen Euro – im Vorjahr wurde noch ein Betriebsgewinn von 35,8 Millionen Euro erzielt – konnte das Unternehmen unter dem Strich einen Jahresüberschuss von 111,2 Millionen Euro ausweisen. Dieser resultiert vor allem aus Beteiligungserträgen in Höhe von 120 Millionen Euro. Die Insolvenz von Fisker hatte 2024 keine zusätzlichen finanziellen Auswirkungen mehr, da alle notwendigen Abschreibungen, Forderungswertberichtigungen und Projektabwertungen bereits zum 31. Dezember 2023 erfolgt seien.