Autobau : Wie Mercedes jetzt auf CO2-Neutralität und Luxus setzt

Ola Källenius, Konzernchef von mercedes

"Knappheit ist ein sehr wichtiger Teil unserer Strategie" – Konzernchef Källenius

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Mercedes-Benz hat sich auf dem Weg zur CO2-Neutralität bis 2039 ein Zwischenziel gesteckt: Der Ausstoß an Treibhausgas pro Neuwagen solle über den gesamten Lebenszyklus hinweg bis 2030 mindestens um 50 Prozent im Vergleich zum Jahr 2020 verringert werden, teilte der deutsche Autobauer am Montag zu Beginn einer Konferenz über Nachhaltigkeit mit.

Die wichtigsten Hebel zum CO2-Abbau sei die Umstellung des Angebots auf Elektroautos, das Laden mit Grünstrom, verbesserte Batterietechnologie sowie der Einsatz von Recyclingmaterialien und erneuerbaren Energien in der Produktion. Bis 2030 will das deutsche Unternehmen mehr als 70 Prozent des Energiebedarfs in der Produktion durch erneuerbare Energien decken. Die Erzeugung von Solar- und Windenergie an eigenen Standorten soll ausgebaut und mehr Grünstrom eingekauft werden. Die Marke mit dem Stern will bis Ende des Jahrzehnts weltweit nur noch E-Autos auf den Markt bringen, insofern es die Nachfrage ermöglicht.

Vorstandschef Ola Källenius hatte vor knapp drei Jahren das Ziel angekündigt, bis 2039 - und damit ein Jahrzehnt früher als im Pariser Klimaschutzabkommen für die Wirtschaft postuliert - CO2-Neutralität zu erreichen. "Bis 2030 wollen wir die Hälfte des Weges erreichen", sagte Källenius. Für schnelleren Fortschritt beim Klimaschutz sei "maximales Engagement und mehr Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und der gesamten Gesellschaft" notwendig.

Schon 2021 hat Mercedes-Benz nach eigenen Angaben mit seinen verkauften Neuwagen die erwarteten CO2-Flottenziele der EU eingehalten. Der durchschnittliche Kohlendioxid-Ausstoß der neuen Personenwagen habe nach internen Berechnungen bei 115 Gramm je gefahrenem Kilometer gelegen, das sei unterhalb für den Konzern erwarteten Schwelle von 125 Gramm pro Kilometer, teilte Källenius mit. Auch bei den Lieferwagen bleibe der Hersteller unter den Vorgaben für leichte Nutzfahrzeuge.

Knappheit als Gelegenheit

Neben der Elektromobilität verfolgt Mercedes derzeit noch eine Strategie besonders: Der Konzern will sein Profil als Luxushersteller schärfen und damit den Gewinn auf hohem Niveau halten. Die im vergangenen Jahr erreichte Rekordhöhe von 13 Prozent Umsatzrendite hat sich die Marke mit dem Stern für Pkw auch 2022 vorgenommen. Die Luxusrendite lag aber an der Sondersituation Chipmangel, die zu Produktionsstopps und einer Konzentration auf hochpreisige und sehr profitable Modelle wie S-Klasse oder Maybach führte.

Aus der Not will Konzernchef Källenius eine Tugend machen. "Knappheit ist ein sehr wichtiger Teil unserer Strategie", sagte der Schwede. Sie mache Produkte begehrenswert. Überziehen mit zu langen Wartezeiten auf ein neues Auto will es der Konzern aber auch nicht. Das Angebot an weniger profitablen Kompaktwagen soll "selektiver" werden. Ob damit das Ende etwa des Einstiegsmodells A-Klasse verbunden ist, ließ Källenius offen.

Mercedes-Benz rückt damit in Regionen vor, die in Deutschland nur die Luxus-Automarke Porsche schafft. Der Höchstwert bisher war für Mercedes-Benz eine operative Marge von 9,5 Prozent 2015. Denn früher setzte der Autobauer zugleich auf Masse und Klasse, um als weltweit größter Premiumhersteller nach Stückzahlen zu triumphieren. Källenius gab das Ziel auf und ließ BMW überholen.

Der Chipengpass in der Autoindustrie weltweit, der auch in diesem Jahr noch anhalten soll, ermöglichte Mercedes einen Gewinnsprung trotz Absatzrückgang. In der ersten Bilanz nach Abspaltung und Börsennotierung von Daimler Truck verbuchte der in Mercedes-Benz umbenannte DAX-Konzern 2021 einen Nettogewinn von 23,4 Mrd. Euro, das Sechsfache des Vorjahres. Darin enthalten sind reine Buchgewinne durch Neubewertungen im Zuge der Konzernteilung von fast 10 Mrd. Euro. Ohne diese belief sich der Konzerngewinn 2021 auf 14,2 Mrd. Euro, immer noch mehr als dreimal so viel wie im Jahr davor. Der Umsatz legte um 9 Prozent auf 168 Mrd. Euro zu, der Anteil der fortgeführten Aktivitäten betrug 134 Mrd. Euro (plus 9,9 Prozent). Als Dividende sollen 5,00 Euro je Aktie ausgeschüttet werden, nach 1,35 Euro im Vorjahr.

Neben Produktmix und höheren Preisen durch geringeren Rabatt hätten auch Kostendisziplin und das Gebrauchtwagengeschäft die Umsatzrendite angetrieben. Der Umsatz pro Fahrzeug stieg um gut ein Viertel auf 49.800 Euro. Seit 2019 seien die Fixkosten um 16 Prozent gesunken, vor allem durch den Abbau von Bürojobs, erklärte Finanzchef Harald Wilhelm. Die Belegschaft schrumpfte seither um fast 5.000 Vollzeitstellen auf knapp 155.000. Einschließlich seines Finanzdienstleisters hat der Konzern rund 170.000 Mitarbeiter. Die Zielmarke für Kostensenkungen bis 2025 von 20 Prozent gegenüber 2019 gilt weiter. Wilhelm sagte, das zu erreichen werde kein Spaziergang, denn an vielen Stellen stiegen die Kosten - so etwa für Rohstoffe. (apa/red)