Industriekongress 2025 : Palfinger-CEO Klauser über Trumps Zollpolitik: "Ein großer Stresstest"
"Europas Politik ist gut beraten, eine Anhebung der Zölle durch Trump gelassen hinzunehmen. Ein transatlantischer Zollkonflikt richtet deutlich mehr Schaden an", sagt Palfinger-CEO Andreas Klauser
- © PalfingerKlauser zu Zollandrohungen: "Stresstest, den wir managen können"
INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Klauser, die faktische Umsetzung von US-Zöllen gegen Mexiko und Kanada ist fürs erste aufgeschoben. Erleichtert?
Andreas Klauser: Trump nutzt Zollankündigungen als politische Druckmittel. Insofern sehe ich die Ankündigungen nicht als dramatisch. Sie waren erwartbar. Aber wir werden uns auf Zölle einstellen müssen. Weil Trump davon überzeugt ist, dass sie den USA nutzen. Unter anderem um die lokale Wertschöpfung in den Vereinigten Staaten wieder zu steigern.
Was bedeuten Zölle für Palfingers Lieferantennetz in Mexiko und den Palfinger-Standort in Kanada?
Klauser: Für unser Netzwerk in NAM ist das ein großer Stresstest, den wir aber managen können. Wie sich Zölle gegenüber Mexiko und Kanada konkret auswirken werden, hängt von den jeweiligen Produktlinien ab. Wir evaluieren derzeit die Risiken und unsere Möglichkeiten in dieser Situation. Nichtsdestotrotz sind wir in den USA hinsichtlich der Wertschöpfung gut positioniert.
Rechtzeitig auf die weltweit volatilen Verhältnisse vorbereitet
Welche Shifts von Arbeitsinhalten erwarten Sie?
Klauser: Es ist zu früh, darüber zu spekulieren. Klar ist, dass Zölle den Kostenvorteil des Imports etwa von Komponenten in die USA erheblich verringern. Eine Möglichkeit ist, die Komponenten dann in den USA anzufertigen. Dazu brauchen wir kompetente Partner, die wiederum über die entsprechenden Produktionskapazitäten verfügen. Das heißt, wir müssen alle Faktoren und ihre Auswirkungen etwa auf die Kostenstruktur beachten.
Wie werden sich die Kosten- und Preisstrukturen verändern?
Klauser: Tendenziell treiben Zölle die Kostenstruktur, damit auch die Preise und die Inflation. Das ist nicht im Interesse von Trump und daher mit einer der Gründe, weswegen ich davon ausgehe, dass Trump mit Mexiko und Kanada „Deals“ abschließen wird und die Kostenvorteile der Region NAM im Großen und Ganzen bestehen bleiben.
Was bedeuten die Entwicklungen für die Wachstumsstory von Palfinger?
Klauser: Unsere Wachstumsstory geht weiter. Wir setzen auf organisches Wachstum und wir fahren gut damit. Wir verfolgen das Prinzip „in der Region für die Region“ zu produzieren, was uns eine größere Unabhängigkeit von Lieferketten und Zollschranken sichert. Wir haben uns rechtzeitig auf die weltweit volatilen Verhältnisse vorbereitet, wir können damit umgehen.
Transatlantischer Zollkonflikt würde deutlich mehr Schaden anrichten
Sind Sie in Sorge, dass auch Europa mit Importzöllen belegt wird?
Klauser: Im Gegensatz zu Kanada und Mexiko rechne ich damit, dass die USA tatsächlich ihre Importzölle gegenüber Europa anheben werden. Das aber betrifft Palfinger dank unseres Produktionsfootprints in den USA nur am Rande.
Welche Reaktion erwarten Sie von Europas Politik?
Klauser: Die aktuellen europäischen Zolltarife gegenüber den USA sind höher als die amerikanischen gegenüber Europa. Die Politik ist also gut beraten, eine Anhebung durch Trump gelassen hinzunehmen. Ein transatlantischer Zollkonflikt richtet deutlich mehr Schaden an. Sinnvoller ist es, die Politik fokussiert endlich darauf, die Wettbewerbsbedingungen in Europa spürbar zu verbessern und den Industriestandort grundlegend zu attraktiveren – insbesondere durch die Reduzierung der (Lohn-)Kosten. Das sind die dringendsten Aufgaben, die anzugehen sind. Nicht ein Kräftemessen zwischen Brüssel und Washington.
Welche globalen Shifts erwarten Sie nun - auch vor allem vonseiten Chinas?
Klauser: Chinas Exportwirtschaft hängt wesentlich von niedrigen Zöllen ab, die inzwischen auch von Europa in Frage gestellt werden. Ich erwarte weltweit eine teilweise Rückkehr der Zollschranken und einen spürbaren Rückgang des Freihandels.
Was, wenn Trumps Plan womöglich aufgeht und die Zollpolitik den USA Prosperität bringt?
Klauser: Das ist nicht auszuschließen. Würde es zu Rückverlagerungen der Industrieproduktion in die USA kommen, dann würde sich das durchaus positiv auf die Prosperität auswirken. Die Frage ist, wie sich höhere Zölle auf allen Seiten in einer immer noch hochgradig miteinander vernetzten Welt mittel- und langfristig auswirken, auch in den USA.