Bajaj stockt auf : KTM-Sanierung - Ein erster Befreiungsschlag?

KTM könnte dank frischem Kapital und möglichen Investoren wie Stephan Zöchling wieder durchstarten.
- © KTMNur 50 statt 100 Millionen Euro – Zitterpartie bei KTM um Sanierungsplan und Produktion
Die Nervosität war greifbar, bei Gläubigern und bei den mit der Sanierung betrauten bei der insolventen KTM: Bis zum Montag, den 31. März, hätten, so sieht es der im Februar vereinbarte Sanierungsplan vor, von den Gesellschaftern der KTM weitere 100 Millionen für das Hochlaufen der Produktion am Konto des Masseverwalters der KTM sein sollen.
>>> KTM-Produktion vorerst gesichert?
Wie schon Anfang März sollte der KTM Miteigentümer Bajaj dieses Kapital, unbesichert, bereitstellen. Doch im Vorfeld war befürchtet worden, dass die Inder die Reissleine ziehen könnten. Auf den letzten Drücker, exakt am 31. März, wurden dann allerdings nur 50 Millionen Euro am Konto des Masseverwalters gutgeschrieben – und die Verwirrung war perfekt: War es tatsächlich nur der Bilanzstichtag von Bajaj am 31. März, der die Inder veranlasst hat, nur einen Teil der zugesagten 100 Millionen Euro zu überweisen? Zumindest die KTM-Kommunikatoren waren auf Anfrage sicher - und stellten "weiteren Geldsegen in den nächsten Tagen" in Aussicht.
Nie mehr die wichtigsten News aus Österreichs Industrie verpassen? Abonnieren Sie unser Daily Briefing: Was in der Industrie wichtig wird. Täglich um 7 Uhr in ihrer Inbox. Hier geht’s zur Anmeldung!
KTM sichert Produktion mit indischem Kapital – Bajaj sichert sich Einfluss
Tatsache ist: KTM brauchte nach den ersten 50 Millionen vom Anfang März zumindest weitere 150 Millionen Euro zum Hochfahren der Produktion, die im Dezember des Vorjahres eingestellt wurde. Wenn zu wenig Geld für den Hochlauf kommt, ist ein Konkurs nicht zu vermeiden.
>>> Wie Stefan Pierer die Kultmarke KTM zum Weltmarktführer machte
Drei Tage später, am Donnerstag, war es dann tatsächlich soweit. Die fehlenden 50 Millionen landeten am Konto des Treuhänders. Mehr noch: Zusätzlich zu den 50 Millionen von Anfang März sowie den nunmehr 100 Millionen versprechen die Inder zusätzlich ein 50 Millionen Euro-Darlehen um dem Unternehmen Luft zu verschaffen. Doch die Inder sichern sich auch ab.
Kurz nach Bekanntwerden der Versprechen der Inder schoss Pierer Mobility, die Muttergesellschaft der KTM, eine Pflichtveröffentlichung nach. Die börsennotierte KTM-Mutter Pierer Mobility verliere, so die Aussendung, wegen des deutlich negativen Ergebnisses im Geschäftsjahr 2024 das halbe Grundkapital. Daher werde am 25. April eine außerordentliche Hauptversammlung stattfinden, bei der Kapitalmaßnahmen beschlossen werden sollen.
So soll in einem ersten Schritt eine Kapitalerhöhung in Höhe jener 200 Millionen Euro beschlossen werden, die Bajaj zuschiessen wird. Aus dem großzügigen Angebot der Inder wird also eine Beteiligung. Streubesitz-Aktionäre können sich an dieser Sach-Kapitalerhöhung nicht beteiligen.

Kapitalerhöhung öffnet Tür für Stephan Zöchling
Zusätzlich soll eine Bar-Kapitalerhöhung in Höhe von 150 Millionen Euro beschlossen werden - unter Gewährung der gesetzlichen Bezugsrechte. Das heißt, Streubesitz-Aktionäre können sich daran beteiligen. Der Ausgabepreis soll 7,50 Euro betragen, was deutlich unter dem derzeitigen Aktienkurs von 18 Euro liegt. Alle Aktien, die nicht über das Bezugsrecht verkauft werden, können dann vom Mehrheitseigentümer Pierer Bajaj AG, hinter dem Stefan Pierer und Bajaj aus Indien stehen, aufgegriffen werden.
>>> KTM: Wie der Kult-Motorradhersteller seine Insolvenz heraufbeschwor
Mit der Kapitalerhöhung hätten sich die bisherigen Eigentümer Pierer und Bajaj teilweise vom eigentlchen Hauptproblem der insolventen KTM freigespielt: Der Finanzierung der Sanierungsquote von insgesamt 600 Millionen Euro, die spätestens am 23. Mai überwiesen werden muss.
Für den Investoren-Prozess zum Einstieg eines Geldgebers, der diesen Betrag stemmen soll, hat sich Pierer Mobility die Citibank an Bord geholt. Und der Prozess läuft derzeit auf Hochtouren. Nach Bekanntwerden der Kapitalerhöhung muss der Geldgeber wohl zumindest etwa 400 Millionen Euro mitbringen, um in Zukunft auch ein starkes Wort bei KTM mitreden zu dürfen. Und mit der Kapitalerhöhung erhält auch die immer wieder genannte Variante, wonach der bisherige indische Miteigentümer Bajaj aufstockt und der nunmehrigen Pierer-Mobility-Aufsichtsratsvorsitzende Stephan Zöchling Anteile übernimmt, immer mehr Gewicht.
Stephan Zöchling im Rennen um KTM – mit Rückendeckung von Siegfried Wolf?
Denn der von Pierer nach der Insolvenz als Aufsichtsratsvorsitzender seiner Pierer Mobility geholte Unternehmer hat sich nach eigenen Angaben "dem normalen Verkaufsprozess der Citibank", unterworfen. Der 52-Jährige Zöchling ist CEO und Miteigentümer des Sportauspuffherstellers Remus. Er gilt als geradliniger Unternehmer, harter Verhandler – mit Erfahrung im Automotivebereich und in Osteuropa.
>>> KTM: Steigt Stephan Zöchling als Investor ein?
Hinter dem Angebot von Zöchling dürfte auch der Unternehmer Siegfried Wolf, Eigentümer von Steyr Automotive stehen. Der langjährige Magna-Manager Wolf und Zöchling kennen einander aus der Zusammenarbeit beim Autobauer Magna und der russischen Automotive-Gruppe Russian Machines des Oligarchen Oleg Deripaska.
Ob Zöchling den Zuschlag erhält – und ob und viel der Indische Partner Bajaj zu den bereits bekannten 200 Millionen Euro noch nachlegt, ist unklar. Welche anderen Interessenten noch im Rennen sind, ist ebenfalls nicht bekannt. Zuletzt wurde von den Oberösterreichischen Nachrichten der kanadischen BRP-Konzern ins Spiel gebracht. Der Konzern, der im Unternehmens-Teilbereich Bombardier Recreational Products unter anderem Carts und Schneemobile verkauft, hat im oberösterreichischen Gunskirchen ein Motorenwerk.