CO₂-Steuer in Österreich, Deutschland und Europa : CO₂-Bepreisung in Österreich und Deutschland: Einfluss auf Klimaschutz und Wirtschaft
Inhalt
- Was ist die CO₂-Steuer?
- In welchen Ländern gibt es die CO₂-Steuer?
- Wer hat die weltweit höchsten CO₂-Steuern?
- CO₂-Steuer nach EU-Ländern
- CO₂-Steuer in Deutschland und Österreich
- Wie funktioniert das CO₂-Steuergesetz in Österreich?
- Wird sich die CO₂-Steuer mit einer FPÖ-Regierung ändern?
- Haben die USA eine CO₂-Steuer?
- Emissionshandel: Wie funktioniert der Handel mit CO₂-Zertifikaten?
- Wer ist vom Emissionshandel betroffen?
- Was ist "Carbon Leakage"?
- Wie wird Carbon Leakage durch internationale Zusammenarbeit vermieden?
- Vorteile einer CO₂-Steuer
- Nachteile einer CO₂-Steuer

CO₂-Steuer und Emissionshandel in Österreich und Deutschland: Entwicklungen und Auswirkungen
- © Jakub - stock.adobe.comWas ist die CO₂-Steuer?
Die CO₂-Steuer ist eine umweltpolitische Maßnahme, die den Ausstoß von Kohlendioxid (CO₂) durch eine Abgabe auf fossile Brennstoffe wie Benzin, Diesel, Heizöl, Erdgas oder Kohle bepreist. Ziel der Steuer ist es, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern, indem finanzielle Anreize geschaffen werden, auf klimafreundlichere Alternativen wie erneuerbare Energien oder energieeffiziente Technologien umzusteigen.
>>> Nachhaltigkeit in Österreich: Diese Unternehmen machen vor, wie es geht
Die CO₂-Steuer wird in der Regel pro ausgestoßener Tonne CO₂ berechnet. Die Einnahmen aus der Steuer können für den Ausbau von Klimaschutzmaßnahmen, die Förderung erneuerbarer Energien oder als soziale Ausgleichszahlungen (z. B. Klimabonus) verwendet werden.
Diese Steuer ist ein wichtiges Instrument im Kampf gegen den Klimawandel, da sie die "Kosten" der Umweltbelastung in die Preise von fossilen Energieträgern integriert und somit das Verhalten von Verbrauchern und Unternehmen beeinflusst.
Nie mehr die wichtigsten News aus Österreichs Industrie verpassen? Abonnieren Sie unser Daily Briefing: Was in der Industrie wichtig wird. Täglich um 7 Uhr in ihrer Inbox. Hier geht’s zur Anmeldung!
In welchen Ländern gibt es die CO₂-Steuer?
Der Kampf gegen den Klimawandel hat weltweit an Bedeutung gewonnen, und zahlreiche Länder haben CO₂-Steuern eingeführt, um Treibhausgasemissionen zu reduzieren. In Europa haben insgesamt 20 Länder eine CO₂-Bepreisung implementiert.
Liste der europäischen Länder mit CO₂-Steuer und deren Einführungsjahre:
- Finnland: 1990
- Polen: 1990
- Norwegen: 1991
- Schweden: 1991
- Dänemark: 1992
- Slowenien: 1996
- Estland: 2000
- Lettland: 2004
- Schweiz: 2008
- Liechtenstein: 2008
- Irland: 2010
- Island: 2010
- Vereinigtes Königreich: 2013
- Frankreich: 2014
- Spanien: 2014
- Portugal: 2015
- Deutschland: 2021
- Luxemburg: 2021
- Niederlande: 2021
- Österreich: 2022
Diese Liste zeigt die schrittweise Einführung der CO₂-Bepreisung in europäischen Ländern, beginnend mit Finnland im Jahr 1990 bis hin zu Österreich im Jahr 2022.
Erweiterung der Liste um weitere Länder weltweit:
- Japan: 2012
- Mexiko: 2014
- Südafrika: 2016
- Chile: 2017
- Kanada: 2019
Diese Länder haben ebenfalls CO₂-Steuern eingeführt, um ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Es ist wichtig zu beachten, dass die Höhe der CO₂-Steuer und die spezifischen Regelungen von Land zu Land variieren. Einige Länder haben zudem Emissionshandelssysteme eingeführt oder planen deren Einführung, um ihre Klimaziele zu erreichen.
Wer hat die weltweit höchsten CO₂-Steuern?
Im Jahr 2025 sind Schweden und die Schweiz führend bei der CO₂-Bepreisung in Europa. Schweden erhebt eine CO₂-Steuer von etwa 118 Euro pro Tonne CO₂, während die Schweiz 120 Franken (ca. 111 Euro) pro Tonne verlangt. Norwegen folgt mit einer CO₂-Steuer von 83,47 Euro pro Tonne.
>>> Fit for 55: Der EU-Masterplan für die grüne Wende
In Schweden werden insbesondere der private Konsum, der Groß- und Einzelhandel sowie Dienstleistungen hoch besteuert. Unternehmen mit hohem Exportanteil profitieren hingegen von Steuererleichterungen. Diese Politik hat dazu beigetragen, dass Schweden seine Wirtschaftsleistung trotz der CO₂-Steuer steigern konnte.
Diese zehn Länder erheben die höchsten CO₂-Abgaben:
- Schweden: 118 € pro Tonne CO₂
- Schweiz: 111 € pro Tonne CO₂
- Norwegen: 83,47 € pro Tonne CO₂
- Dänemark: 80,37 € pro Tonne CO₂
- Finnland: 76,92 € pro Tonne CO₂
- Deutschland: 55 € pro Tonne CO₂
- Österreich: 55 € pro Tonne CO₂
- Niederlande: 51,07 € pro Tonne CO₂
- Frankreich: 45 € pro Tonne CO₂
- Luxemburg: 44,19 € pro Tonne CO₂
CO₂-Steuer nach EU-Ländern
Zu den Vorreitern in Sachen CO₂-Steuer gehören Finnland (76,92 €), Norwegen und Dänemark (80,37 €), die bereits Anfang der 1990er-Jahre begannen, Emissionen von CO₂ zu besteuern. Finnland führte 1990 als erstes Land weltweit eine CO₂-Steuer ein.
Während in Deutschland bereits seit 1994 die Einführung einer CO₂-Steuer gefordert wurde, wurde sie erst im Rahmen des Klimapakets 2019 konkretisiert und schließlich 2021 eingeführt. Der Preis pro Tonne betrug zu Beginn 25 €, stieg jedoch auf 55 € im Jahr 2025. Deutschland plant einen Preiskorridor mit einer Obergrenze von bis zu 65 € ab 2026.
>>> ESG und Soziale Nachhaltigkeit im UnternehmenDas „stumme S“ in ESG
Österreich folgte diesem Beispiel mit einer CO₂-Steuer von 32,50 € im Jahr 2022. Bis 2025 stieg der Preis, wie geplant, auf 55 €. Ähnlich verhält es sich mit den Niederlanden, die ihre CO₂-Steuer zunächst mit 30 € einführten. Im Jahr 2025 liegt der Preis bei 51,07 € pro Tonne. Luxemburg hat ebenfalls eine CO₂-Steuer, die 2025 mit 44,19 € pro Tonne bepreist wird.
Auch Island, das 2010 eine CO₂-Steuer einführte, liegt 2025 mit etwa 35,40 € im Mittelfeld. Slowenien führte bereits 1996 eine CO₂-Steuer ein. Der Preis liegt derzeit bei rund 17 €. Die Schweiz entschied sich 2008 zur Einführung einer CO₂-Steuer. Mit einem Preis von etwa 111 € pro Tonne im Jahr 2025 gehört sie weiterhin zu den Vorreitern in Europa. Gleiches gilt für Liechtenstein, das den gleichen Preis von 111 € pro Tonne erhebt.
Frankreich führte 2014 eine CO₂-Steuer mit einem Einstiegspreis von 7 € pro Tonne ein. Bis Ende 2020 stieg die Abgabe kontinuierlich auf 45 €. Seitdem stagniert der Tarif, da die Pariser Regierung geplante Erhöhungen – etwa auf 65 € bis 2020 und auf 86 € bis 2022 – aufgrund der „Gelbwesten“-Proteste aussetzte. Diese Proteste wurden insbesondere durch steigende Spritpreise ausgelöst. Auch im Jahr 2025 beträgt die CO₂-Steuer in Frankreich weiterhin 45 €.
Irland bewegt sich mit einer CO₂-Steuer von 41 € im oberen Mittelfeld. Das Vereinigte Königreich, das 2010 bzw. 2013 eine CO₂-Steuer einführte, bleibt mit einem Preis von 20 € pro Tonne weiterhin im unteren Mittelfeld.
Vergleichsweise niedrige Preise gelten auch in Spanien und Portugal. Spanien liegt 2025 mit 15 € pro Tonne auf einer Ebene mit Lettland, während Portugal mit 23 € leicht darüber liegt.
Osteuropäische EU-Staaten haben ebenfalls schon früh CO₂-Steuern eingeführt:
- Polen: Seit 1990, jedoch bei unverändert niedrigen Preisen von unter 1 € pro Tonne.
- Estland: Führte 2000 eine CO₂-Steuer ein, die 2025 weiterhin 2 € pro Tonne beträgt.
- Lettland: Seit 2004 hat sich die CO₂-Bepreisung hier auf 15 € erhöht, was im EU-Vergleich jedoch weiterhin im unteren Bereich liegt.
Trotz dieser Bemühungen bleibt die CO₂-Bepreisung in Osteuropa insgesamt niedrig, da nur ein kleiner Prozentsatz der Emissionen betroffen ist und die Steuersätze deutlich unter dem europäischen Durchschnitt liegen.
Das ist wirklich ein historischer Moment. Wir haben es geschafft, uns auf das größte Klimaschutzgesetz aller Zeiten zu einigen – mindestens in der EU.Peter Liese, deutscher EU-Abgeordneter (CDU), nach der Einigung auf die Reform des EU-Emissionshandels im Dezember 2022
CO₂-Steuer in Deutschland und Österreich
Mehrere europäische Staaten haben bereits eine CO₂-Abgabe für Erdöl, Gas und Kohle eingeführt. Damit werden unter anderem Klimaschutz-Programme finanziert. Manche Regierungen lassen einen Teil der Einnahmen an die Bürger zurückfließen, etwa über Ausgleichsleistungen für Geringverdiener, Familien und Pendler. Nach mehreren Verzögerungen führte Österreich im Jahr 2022 als jüngstes Land eine CO2-Steuer ein.
>>> Ein Europäischer Grüner Deal: Ein Industrieplan für das Netto-Null-Zeitalter
Im Jahr 2025 haben sich die CO₂-Bepreisungen in Europa weiterentwickelt, wobei sowohl Deutschland als auch Österreich ihre Abgaben erhöht haben, um Klimaschutzmaßnahmen zu finanzieren und soziale Ausgleichsleistungen zu ermöglichen.
Deutschland:
Seit dem 1. Januar 2025 beträgt der CO₂-Preis in Deutschland 55 Euro pro Tonne ausgestoßenem CO₂. Diese Erhöhung führt zu höheren Kosten für fossile Brennstoffe, was sich auf Verbraucherpreise für Heizung und Kraftstoffe auswirkt. Die Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung fließen in den Klima- und Transformationsfonds (KTF), der Projekte zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen und zur Förderung erneuerbarer Energien finanziert.
Österreich:
Ursprünglich für den 1. Juli 2022 geplant, wurde in Österreich ab Oktober 2022 ein fixer CO₂-Preis von 30 € pro Tonne eingeführt, der schrittweise auf 55 € bis 2025 angestiegen ist. Für jede Tonne CO₂ muss eine nationale Emissionsquote abgegeben werden. Es wurden zahlreiche Ausnahmen und Zugeständnisse beschlossen, beispielsweise für die Landwirtschaft oder für Wirtschaftszweige, die von einer Abwanderung in Länder mit weniger strenger Klimapolitik bedroht sind (sogenannte „Carbon Leakage“).
Diese Maßnahme verteuert fossile Energieträger wie Benzin, Diesel und Heizöl, was zu höheren Kosten für Verbraucher führt. Gleichzeitig wird der Klimabonus, eine Ausgleichszahlung an die Bürger, angepasst, um die finanziellen Belastungen abzufedern. Allerdings gibt es politische Diskussionen über die Zukunft des Klimabonus. Vertreter der Regierungsparteien diskutieren über mögliche Einsparungen, wobei die Abschaffung des Klimabonus im Raum steht. Klimaministerin Leonore Gewessler betonte im Parlament, dass die Streichung des Klimabonus einer Steuererhöhung gleichkäme, da die CO₂-Steuer bestehen bleibt und ohne den Bonus die Belastung für die Bürger steigt.
Europäische Perspektive:
Mehrere europäische Länder haben nationale CO₂-Bepreisungssysteme eingeführt, die sich in Höhe und Struktur unterscheiden. Schweden beispielsweise erhebt seit 1991 eine CO₂-Steuer, die aktuell bei fast 120 Euro pro Tonne liegt. Im Vergleich dazu bewegen sich die CO₂-Preise in den meisten europäischen Staaten um die 30 Euro pro Tonne. Österreich orientiert sich mit seinem CO₂-Preis von 55 Euro pro Tonne am deutschen Modell und liegt damit im europäischen Mittelfeld.
Eine hundertprozentige Dekarbonisierung der Industrie ist aus heutiger Sicht nicht möglich.Robert Schmid, Umweltsprecher der Bundessparte Industrie und Geschäftsführer des Baustoffherstellers Baumit
Wie funktioniert das CO₂-Steuergesetz in Österreich?
Seit dem 1. Oktober 2022 hat Österreich im Rahmen der „Ökosozialen Steuerreform“ ein eigenes Gesetz zur CO₂-Bepreisung eingeführt. Ziel ist es, fossile Brennstoffe durch klare Preisanreize weniger attraktiv zu machen und so die Reduktion von Treibhausgasemissionen zu fördern. Die österreichischen Gesetzgeber haben sich für eine Einführungs- und Übergangsphase entschieden, in der ein fixer CO₂-Preis gilt. Dieser wurde zunächst auf 30 Euro pro Tonne CO₂ festgelegt und steigt schrittweise an – auf 55 Euro pro Tonne bis 2025. Ab 2026 soll der fixe Preis durch den Marktpreis des EU-Emissionshandelssystems (EU ETS) ersetzt werden.
Die Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung fließen in den sogenannten Klimabonus, eine Ausgleichszahlung für Bürgerinnen und Bürger. Der Bonus ist gestaffelt und berücksichtigt den Wohnort der Empfänger, um Menschen in ländlichen Regionen, die stärker auf fossile Brennstoffe angewiesen sind, besonders zu entlasten. Der Klimabonus wurde im Jahr 2022 mit bis zu 200 Euro pro Person eingeführt und wird regelmäßig angepasst. Unter einer FPÖ-ÖVP-Regierung soll der Klimabonus abgeschafft werden.
Zu den Nicht-KWK-Sektoren (Kraft-Wärme-Kopplung), die von der CO₂-Bepreisung betroffen sind, gehören:
- Gebäude: Emissionen aus der Beheizung von Gebäuden, insbesondere durch Heizöl und Erdgas.
- Verkehr: CO₂-Emissionen durch den Verbrauch von Benzin und Diesel.
- Landwirtschaft: Direkte und indirekte Emissionen aus landwirtschaftlichen Tätigkeiten.
- Abfallwirtschaft: Emissionen durch Deponien und Abfallbehandlungsanlagen.
- Kleinindustrie: Emissionen aus kleineren industriellen Betrieben, die nicht dem EU-Emissionshandel unterliegen.
Die CO₂-Bepreisung gilt für Emissionen, die durch den Verkauf fossiler Brennstoffe entstehen. Betroffen sind insbesondere Benzin, Gasöl (Diesel), Heizöl, Erdgas, Flüssiggas, Kohle und Paraffin.
Ab 2026 plant Österreich den Übergang in den EU-weiten Emissionshandel. Ziel ist es, den Marktpreis für CO₂-Emissionen direkt in den österreichischen Regelungen zu verankern. Der Marktpreis wird sich voraussichtlich dynamisch entwickeln und könnte über den Fixpreis von 55 Euro hinausgehen. Österreich bereitet sich darauf vor, die Rahmenbedingungen entsprechend anzupassen, um den Übergang möglichst reibungslos zu gestalten.
Die österreichische Regierung sieht in der CO₂-Bepreisung ein zentrales Instrument, um die nationalen Klimaziele zu erreichen. Bis 2040 möchte das Land klimaneutral werden, also netto keine Treibhausgase mehr ausstoßen.
Wird sich die CO₂-Steuer mit einer FPÖ-Regierung ändern?
Die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) hat in der Vergangenheit wiederholt ihre Ablehnung gegenüber der CO₂-Steuer zum Ausdruck gebracht. So forderte die FPÖ beispielsweise die Abschaffung der CO₂-Steuer und argumentierte, dass diese Maßnahme die Bürger finanziell belaste und insbesondere Autofahrer treffe. Im Zuge der Koalitionsverhandlungen zwischen FPÖ und ÖVP im Januar 2025 wurde die Abschaffung des Klimabonus beschlossen. Obwohl die CO₂-Steuer zunächst beibehalten wurde, äußerten Experten die Vermutung, dass die Steuer entweder deutlich gesenkt oder vollständig abgeschafft werden könnte.
Die FPÖ betont in ihrem Programm die Notwendigkeit einer Energie- und Umweltschutzpolitik mit "Hausverstand" und spricht sich gegen CO₂-Strafsteuern aus, die ihrer Ansicht nach zulasten der Bürger gehen. Angesichts dieser Positionen ist es wahrscheinlich, dass eine FPÖ-geführte Regierung die CO₂-Bepreisung in Österreich reduzieren oder abschaffen würde. Dies könnte zu einer Abkehr von bisherigen Klimaschutzmaßnahmen führen und Österreichs Verpflichtungen im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems beeinflussen.
Entweder wird die CO₂-Steuer deutlich gesenkt oder ganz abgesetzt. Das traue ich den beiden Parteien zu.Christoph Pöchinger, Politikberater mit Nähe zur FPÖ
Haben die USA eine CO₂-Steuer?
Unter der Regierung von Präsident Joe Biden haben die Vereinigten Staaten keine landesweite CO₂-Steuer eingeführt. Stattdessen setzt die Biden-Administration auf umfangreiche Investitionen und Anreize zur Förderung sauberer Energien und Technologien. Ein zentrales Element dieser Strategie ist der Inflation Reduction Act (IRA), der im August 2022 verabschiedet wurde und erhebliche Mittel für Klimaschutzmaßnahmen bereitstellt.
>>> Trump als US-Präsident vereidigt – Was Österreichs Industrie jetzt fürchtet
Obwohl keine CO₂-Steuer auf Bundesebene existiert, gibt es spezifische Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Beispielsweise hat die Biden-Administration im November 2024 eine Methanabgabe für große Öl- und Gasproduzenten eingeführt. Diese Abgabe beginnt 2024 mit 900 US-Dollar pro Tonne ausgestoßenem Methan und steigt bis 2026 auf 1.500 US-Dollar pro Tonne.
In seiner (bisher kurzen) zweiten Amtszeit hat Präsident Donald Trump die Klimapolitik der USA bereits erheblich verändert. Am 20. Januar 2025 unterzeichnete er ein Exekutivdekret zum erneuten Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen, was weltweit Besorgnis auslöste.
Zudem erklärte Trump einen "nationalen Energie-Notstand" und kündigte Maßnahmen zur Förderung fossiler Brennstoffe an, darunter die Ausweitung von Bohrungen und den Abbau auf öffentlichen Flächen. Diese Politik steht im Gegensatz zu den vorherigen Bemühungen um den Ausbau erneuerbarer Energien und hat zu Unsicherheit bei Investoren und Unternehmen im Bereich der sauberen Energie geführt.
Des Weiteren setzte Trump mehrere Umweltvorschriften außer Kraft, die unter der vorherigen Regierung eingeführt wurden, und stoppte neue Offshore-Windprojekte. Diese Schritte signalisieren eine klare Priorisierung fossiler Brennstoffe gegenüber erneuerbaren Energiequellen.
Das Paris-Abkommen hätte uns Billionen gekostet. Es war Abzocke, und ich habe es beendet.US-Präsident Donald Trump
Emissionshandel: Wie funktioniert der Handel mit CO₂-Zertifikaten?
Der Handel mit CO₂-Zertifikaten ermöglicht es Unternehmen, ihre Treibhausgasemissionen zu kompensieren. Unternehmen kaufen Zertifikate, die den Ausstoß einer bestimmten Menge CO₂ – in der Regel eine Tonne – ausgleichen sollen. Dies geschieht über CO₂-Berechnungspartner und Plattformen, die diese Zertifikate anbieten. Laut Niklas Schmidmeier stammen viele Zertifikate von Zwischenhändlern, was das Risiko birgt, dass der Fokus weniger auf der tatsächlichen Klimawirkung liegt, sondern vielmehr auf den Profiten aus dem Zertifikathandel. Unternehmen, die direkt beim Projektentwickler kaufen, wie etwa das österreichische Unternehmen Helioz, sind bisher die Ausnahme.
>>> Klimaneutralität: "Unternehmen kompensieren CO2 anstatt ihre Prozesse zu verbessern"
Ein Problem des Marktes ist die Qualität der Zertifikate. Viele sind veraltet und stammen aus einer Zeit, in der die Anforderungen an die Zertifizierung entweder weniger streng oder gar nicht geregelt waren. Diese Zertifikate wurden oft zu sehr niedrigen Kosten erstellt und haben in der Praxis häufig eine fragwürdige Klimawirkung. Moderne Standards wie die des Gold Standard oder Verified Carbon Standard (VCS) sind strenger und garantieren eine überprüfbare und dauerhafte Emissionsreduktion.
Ein weiteres Hindernis ist der Preiswettbewerb. Viele Unternehmen verfolgen bei der Kompensation ihrer Emissionen einen rein wirtschaftlichen Ansatz und wählen die günstigsten Zertifikate, ohne deren tatsächliche Wirkung zu hinterfragen. Experten empfehlen jedoch, Projekte genau zu prüfen und sicherzustellen, dass die investierten Mittel in nachhaltige und effektive Klimaschutzmaßnahmen fließen.
Zukunftsweisende Unternehmen setzen verstärkt auf transparente Projektpartnerschaften, bei denen die Gelder in den Aufbau erneuerbarer Energien, Wiederaufforstung oder technologische Innovationen fließen. Der Handel mit CO₂-Zertifikaten bleibt eine wichtige Säule des Klimaschutzes, muss jedoch stärker reguliert werden, um wirkliche Nachhaltigkeit und faire Preise zu gewährleisten.
Wer ist vom Emissionshandel betroffen?
Um die globale Erwärmung zu bekämpfen, verfügt die EU über ein zentrales Gemeinschaftsinstrument: den Emissionshandel (EU ETS). Dieses System ist das erste seiner Art weltweit und wurde 2005 eingeführt, um CO₂-Emissionen zu begrenzen und zu reduzieren. Es gilt in den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie in der Schweiz, Liechtenstein, Island und Norwegen und erfasst europaweit etwa 10.000 Anlagen aus der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie.
>>> Nachhaltigkeit in der Industrie: Bedeutung, Möglichkeiten, Probleme
Betroffen sind Emissionen, die durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe wie Benzin, Diesel, Heizöl, Flüssiggas, Erdgas sowie seit 2023 auch Kohle und teilweise Biomasse entstehen. Das EU ETS deckt aktuell rund 40 Prozent der gesamten CO₂-Emissionen in der EU ab. Unternehmen erhalten jährlich eine begrenzte Anzahl an Emissionszertifikaten, die sie handeln können. Dies setzt einen Marktpreis für CO₂ fest und schafft einen wirtschaftlichen Anreiz zur Emissionsreduktion.
Besonders betroffen sind der Energiesektor sowie Industriezweige wie Stahl-, Chemie- und Zementwerke. Seit 2012 ist auch die Luftfahrt Teil des Systems, während die Schifffahrt ab 2024 vollständig einbezogen wird. Ziel des EU ETS ist es, die Emissionen bis 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken und die EU bis 2050 klimaneutral zu machen.
Was ist "Carbon Leakage"?
Carbon Leakage (zu Deutsch: „CO₂-Verlagerung“) bezeichnet das Phänomen, dass Unternehmen ihre Produktion in Länder mit weniger strengen Klimaschutzvorgaben und niedrigeren CO₂-Preisen verlagern, um Kosten durch Klimaschutzmaßnahmen wie CO₂-Steuern oder Emissionshandelssysteme zu vermeiden. Dadurch sinken zwar die Emissionen im ursprünglichen Land, die globalen Treibhausgasemissionen bleiben jedoch gleich oder steigen sogar, da die Produktion oft in Ländern mit weniger effizienter Technologie und höheren Emissionsintensitäten stattfindet.
Ursachen für Carbon Leakage:
- Höhere Produktionskosten in Ländern mit strengen Klimaschutzauflagen.
- Ungleichgewicht zwischen Ländern, die Klimaschutzmaßnahmen umsetzen, und solchen, die keine oder weniger ambitionierte Maßnahmen verfolgen.
- Wettbewerbsverzerrungen, die Unternehmen dazu zwingen, kosteneffizientere Standorte zu suchen.
Gegenmaßnahmen:
Um Carbon Leakage zu verhindern, wurden verschiedene Strategien entwickelt, darunter:
- Freistellungen oder Ausnahmen von CO₂-Kosten für bestimmte Industrien (z. B. energieintensive Sektoren wie Stahl- oder Zementproduktion).
- Grenzausgleichsmaßnahmen (Carbon Border Adjustment Mechanisms), bei denen Importe mit einem CO₂-Preis belegt werden, um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.
- Förderprogramme für die Dekarbonisierung energieintensiver Industrien.
Carbon Leakage stellt eine zentrale Herausforderung in der internationalen Klimapolitik dar, da effektiver Klimaschutz globale Kooperation und gleiche Rahmenbedingungen voraussetzt.
Wie wird Carbon Leakage durch internationale Zusammenarbeit vermieden?
Carbon Leakage entsteht, wenn Unternehmen ihre Produktion in Länder mit weniger strengen Klimavorgaben verlagern, um Kosten durch CO₂-Steuern oder andere Klimaschutzmaßnahmen zu vermeiden. Internationale Zusammenarbeit spielt eine zentrale Rolle, um dieses Problem zu mindern und globale Klimaziele zu erreichen.
Ein wichtiger Ansatz ist die Einführung von Grenzausgleichsmechanismen (Carbon Border Adjustment Mechanisms, CBAM). Länder wie die EU planen, Importe aus Staaten ohne vergleichbare CO₂-Bepreisung mit zusätzlichen Abgaben zu belegen. Dies stellt sicher, dass heimische Produkte nicht durch günstigere, emissionsintensive Importe benachteiligt werden.
Zudem fördern internationale Klimaschutzabkommen, wie das Pariser Abkommen, eine Angleichung der Klimapolitiken. Gemeinsame Mindeststandards für CO₂-Bepreisung oder Emissionshandelssysteme verringern die Attraktivität von Verlagerungen.
Weiterhin bieten einige Länder finanzielle Anreize oder technische Unterstützung, um Entwicklungsländern den Aufbau nachhaltiger Industrien zu erleichtern. Programme wie der Internationale Klimafonds stellen sicher, dass emissionsarme Technologien global verfügbar sind.
Die Abstimmung von Klimapolitiken in internationalen Foren wie der G20 oder der UNFCCC (UN-Klimakonferenzen) hilft, Wettbewerbsverzerrungen zu reduzieren. Eine globale Angleichung der Maßnahmen bleibt entscheidend, um Carbon Leakage langfristig zu vermeiden und die Effektivität von Klimaschutzstrategien sicherzustellen.
Vorteile einer CO₂-Steuer
Eine CO₂-Steuer bietet zahlreiche ökologische, wirtschaftliche und soziale Vorteile. Sie ist ein zentrales Instrument im Kampf gegen den Klimawandel, da sie sowohl auf die Reduktion von Treibhausgasen als auch auf die Förderung nachhaltiger Technologien abzielt.
1. Anreiz zur Emissionsreduktion
Durch die Bepreisung von CO₂-Emissionen werden Unternehmen und Verbraucher dazu motiviert, ihren CO₂-Ausstoß zu senken. Fossile Brennstoffe werden teurer, was den Wechsel zu erneuerbaren Energien und energieeffizienten Technologien wirtschaftlich attraktiver macht.
2. Förderung von Innovationen
Die CO₂-Steuer schafft einen Markt für klimafreundliche Technologien und Dienstleistungen. Unternehmen investieren stärker in Forschung und Entwicklung, um energieeffizienter zu produzieren und wettbewerbsfähig zu bleiben. Dies stärkt die Innovationskraft einer Volkswirtschaft.
3. Transparenz und Einfachheit
Im Vergleich zu komplexen Systemen wie dem Emissionshandel ist eine CO₂-Steuer einfach zu implementieren und transparent. Sie legt einen festen Preis für jede ausgestoßene Tonne CO₂ fest, was Unternehmen und Bürgern klare Signale gibt.
4. Staatliche Einnahmen für Klimaschutzprojekte
Die Einnahmen aus der CO₂-Steuer können für den Ausbau erneuerbarer Energien, Energieeffizienzprogramme oder Infrastrukturprojekte verwendet werden. Sie können auch als soziale Ausgleichszahlungen (z. B. Klimabonus) eingesetzt werden, um ärmere Haushalte zu entlasten.
5. Verursacherprinzip
Die CO₂-Steuer basiert auf dem Verursacherprinzip: Wer mehr CO₂ ausstößt, zahlt auch mehr. Dies sorgt für eine gerechte Verteilung der Kosten und stärkt das Bewusstsein für den eigenen ökologischen Fußabdruck.
6. Internationale Vorbildfunktion
Eine wirksame CO₂-Steuer kann Vorbildcharakter für andere Länder haben. Staaten mit ehrgeizigen Klimapolitiken zeigen, wie wirtschaftliche Entwicklung und Klimaschutz vereinbar sind.
7. Planbarkeit
Ein fixer oder ansteigender CO₂-Preis ermöglicht es Unternehmen und Bürgern, langfristig zu planen und sich schrittweise auf die steigenden Kosten fossiler Brennstoffe einzustellen.
Mit der CO₂-Bepreisung setzen wir einen wichtigen Schritt für mehr Klimaschutz und lenken in Richtung klimafreundlicheres Verhalten.Leonore Gewessler, österreichische Klimaschutzministerin von 2020 bis 2025
Nachteile einer CO₂-Steuer
Trotz ihrer Vorteile bringt die Einführung einer CO₂-Steuer auch Herausforderungen und potenzielle Nachteile mit sich. Diese betreffen vor allem soziale, wirtschaftliche und politische Aspekte. Hier sind die wichtigsten Nachteile im Überblick:
1. Belastung für einkommensschwache Haushalte
Die CO₂-Steuer erhöht die Kosten für fossile Brennstoffe wie Benzin, Heizöl oder Erdgas. Da einkommensschwache Haushalte einen größeren Anteil ihres Einkommens für Energie und Mobilität ausgeben, trifft sie diese überproportional. Ohne soziale Ausgleichsmechanismen könnte die Steuer soziale Ungerechtigkeiten verstärken.
2. Wettbewerbsnachteile für Unternehmen
In Ländern mit CO₂-Steuer könnten Unternehmen, insbesondere in energieintensiven Branchen, höhere Produktionskosten haben. Dies kann ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Unternehmen in Ländern ohne oder mit niedrigeren CO₂-Preisen verringern und möglicherweise zur Abwanderung von Industrien führen (sogenanntes „Carbon Leakage“).
3. Gefahr ineffizienter Verwendung der Einnahmen
Die Effektivität einer CO₂-Steuer hängt davon ab, wie die Einnahmen verwendet werden. Werden sie nicht in Klimaschutzprojekte oder soziale Ausgleichszahlungen investiert, sondern für andere Zwecke verwendet, könnte dies die Akzeptanz der Steuer in der Bevölkerung gefährden.
4. Begrenzte Lenkungswirkung
Die Steuerhöhe muss ausreichend sein, um einen spürbaren Anreiz zur Emissionsreduktion zu schaffen. Wenn der Preis pro Tonne CO₂ zu niedrig ist, bleiben die Lenkungswirkungen begrenzt. Verbraucher und Unternehmen könnten die Mehrkosten ignorieren, anstatt ihr Verhalten zu ändern.
5. Abhängigkeit von alternativen Lösungen
Die CO₂-Steuer allein reicht oft nicht aus, um die Emissionen signifikant zu senken. Parallel müssen Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien, die Förderung von Energieeffizienz und Infrastrukturmaßnahmen erfolgen, um Alternativen zu fossilen Brennstoffen zu schaffen.
6. Politischer Widerstand
Die Einführung und Erhöhung einer CO₂-Steuer stößt oft auf politischen und gesellschaftlichen Widerstand. Beispiele wie die „Gelbwesten“-Proteste in Frankreich zeigen, dass Bürger steigende Energiepreise als ungerecht empfinden können, insbesondere in Zeiten hoher Inflation oder Energiekrisen.
7. Unfaire Belastung ländlicher Regionen
Menschen in ländlichen Gebieten, die stärker auf Autos und fossile Heizsysteme angewiesen sind, könnten stärker belastet werden. Ohne spezifische Entlastungen für diese Gruppen kann dies soziale Spannungen verschärfen.