Halbleiter

Engpässe bei Chips: Diese Konsequenzen zieht jetzt Volkswagen

VW bezieht bisher die Komponenten von Zulieferern wie Bosch und Continental. Diese wiederum werden von Halbleiterherstellern beliefert. Das will VW in Zukunft ändern: Nach den gravierenden Engpässen bei Halbleitern müsse die Industrie reagieren, so der Weltmarktführer.

Als Konsequenz aus dem Chip-Mangel will der deutsche VW-Konzern die Versorgung mit Halbleitern künftig durch direkte Absprachen mit den Herstellern absichern. "Wir denken darüber nach, direkte vertragliche Beziehungen einzugehen", sagte ein Einkaufsmanager des Autobauers.

Bisher bezieht Volkswagen Teile bei Zulieferern wie Bosch und Continental, die wiederum von Halbleiterherstellern beliefert werden. Die Industrie werde aufgrund der Bedeutung von Halbleitern in den heutigen Fahrzeugen reagieren müssen, hieß es nun bei VW.

Manager: Industrie muss auf Engpässe reagieren

Der Konzern hatte vor Weihnachten als erster großer Autobauer von Unsicherheiten bei Chiplieferungen berichtet und kurze Zeit später angekündigt, die Produktion an einigen Standorten in China, Nordamerika und Europa im ersten Quartal zu drosseln. Auch zahlreiche andere Autobauer sind von den weltweiten Engpässen betroffen. Volkswagen und Daimler mussten für einige Werke Kurzarbeit anmelden. BMW widersprach einem Bericht der deutschen "Bild"-Zeitung, wonach Fabriken in Bayern heruntergefahren werden müssten.

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Bei VW wurde für das Stammwerk Wolfsburg sowie die Komponenten-Werke in Braunschweig, Salzgitter und Kassel wegen der Halbleiter-Engpässe für einzelne Tage im Februar Kurzarbeit angemeldet. Die Produktion im Passat-Werk in Emden läuft inzwischen wieder. Nun seien sogenannte Drei- und Vier-Parteien-Gespräche aufgesetzt worden, bei denen alle an der Lieferkette Beteiligten in einem Call miteinander verbunden würden.

"Wir müssen sicherstellen, dass auch die Wafer- und die Halbleiterhersteller unsere Bedarfe kennen", sagte der Einkaufsmanager. Möglicherweise werde VW auch über eine Bevorratung von Halbleitern seine Sicherheitsbestände erhöhen. Üblicherweise schließen die Autobauer Verträge über Bauteile mit großen Lieferanten wie Bosch und Continental, die die Versorgung mit Chips mit ihren Zulieferern aus der Halbleiterindustrie regeln.

Bosch und Continental lehnen einen Kommentar ab

Weder Bosch noch Continental wollten sich zu den Plänen von Volkswagen äußern. Direkte Kontakte zu Halbleiterlieferanten sind in der Branche bisher eher die Ausnahme. Lediglich BMW verfolgt diese Strategie bereits. Entsprechend wenig ist der Autobauer bisher von Engpässen betroffen, er musste keine Kurzarbeit anmelden. Der Münchner Konzern widersprach einem Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach über die Schließung der Werke in München und Dingolfing diskutiert werde.

"Die Versorgung unserer Produktionsstandorte mit elektronischen Bauteilen führte bisher zu keinen Produktionsunterbrechungen", erklärte das Unternehmen. "Unser Ziel ist es, die Versorgung unserer Werke weiterhin sicherzustellen." BMW habe das für 2021 benötigte Volumen fristgerecht bestellt und erwarte, dass die Zulieferer entsprechend der Bestellungen vertragsgerecht lieferten.

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VW: Engpässe bleiben noch bis zum Ende des ersten Quartals

Bei Volkswagen geht man davon aus, dass die Versorgung mit Chips bis Ende des ersten Quartals "ausgesprochen angespannt" bleiben wird. Im zweiten Quartal werde der Mangel voraussichtlich spürbar nachlassen. Ziel sei es, im zweiten Halbjahr die nicht gebauten Fahrzeuge möglichst wieder aufzuholen. Dazu soll in Abstimmung mit dem Betriebsrat ein Aufholprogramm gestartet werden. Die Auftragsbücher seien bereits gut gefüllt. Elektroautos seien unterproportional von dem Chipmangel betroffen, die Elektro-Offensive des Konzerns gerate dadurch also nicht in Gefahr.

Volkswagen-Chef Herbert Diess zeigte sich zuversichtlich, dass die Nachfrage im zweiten Halbjahr anspringen werde. "Ich freue mich auf das Jahr 2021 und erwarte, dass die Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte einen Aufschwung erlebt - bis dahin sollten die laufenden Impfprogramme greifen und sich die durch das Coronavirus verursachte Situation hoffentlich entspannen", sagte Diess bei einem Webcast zu Wochenanfang mit Managern. Dann erwarte er, dass wieder mehr neue Autos verkauft würden. Ein Sprecher bestätigte die Aussagen von Diess. (reuters/apa/red)

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