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FACC einigt sich auf Vergleich mit Ex-CEO Walter Stephan

Firmenzentrale FACC

FACC im Steigflug: Streit mit EX-Chef endgültig beigelegt, Rückkehr in die Gewinnzone

- © FACC

Wegen eines millionenschweren Betrugsfalls (Fake-President-Fraud) hatte der Innviertler Flugzeugteilehersteller FACC 2016 seinen damaligen Vorstandschef abberufen. Bereits ausjudiziert war im März, dass das Unternehmen keinen Schadenersatz von der ehemaligen Führungskraft bekommt. Ein arbeitsrechtliches Verfahren, in dem der Ex-Chef die Firma wegen der - aus seiner Sicht - ungerechtfertigten Abberufung klagte, endete nun mit einem Vergleich.

Der Vergleich sei bereits rechtswirksam, über den Inhalt wurde Stillschweigen vereinbart, bestätigte eine Gerichtssprecherin des Landesgerichts Ried einen Artikel der "Oberösterreichischen Nachrichten" (Mittwoch-Ausgabe). Es dürfte um arbeitsrechtliche Ansprüche in beträchtlicher Höhe gegangen sein, wurde in der Zeitung vermutet.

Ende 2015 hatte FACC in einem "Fake President Fraud" 54 Mio. Euro überwiesen. Betrüger hatten in Mails an eine Mitarbeiterin der Finanzbuchhaltung den Eindruck erweckt, der Vorstand hätte den Auftrag zur Überweisung erteilt. Nur 10 Mio. Euro konnten noch auf einem ausländischen Konto eingefroren werden. Nach dem Auffliegen des Betruges wurden die Finanzchefin und der Firmenchef entlassen. FACC klagte den Ex-Chef. Das Gericht kam aber zum Schluss, dass der ehemalige Vorstand seine Sorgfaltspflichten nicht verletzt habe.

Im dem Schadenersatzprozess wies das Landesgericht Ried bereits 2019 eine Klage über 10 Mio. Euro ab, der Oberste Gerichtshof (OGH) bestätigte das Urteil. Im Dezember 2021 ging es erneut in Ried um die am letzten Prozesstag abgewiesene Ausdehnung des Klagebegehrens auf 43 Mio. Euro und somit 33 Mio. Euro, die vom Ersturteil nicht erfasst waren. Der Richter wies auch das restliche Klagebegehren mit dem Argument ab, dass das Urteil von 2019 Bindungswirkung entfalte.

Parallel zu Vergleich: Neue Unternehmenszahlen

Am gleichen Tag, an dem der Vergleich bekannt wurde veröffentlichte FACC auch die aktuellen Quartalszahlen. Der Umsatz kletterte auf 127,5 Mio. Euro, das entspricht einem Plus von 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das EBIT (operatives Ergebnis) lag im selben Zeitraum bei 3,0 Mio. Euro. Im Gesamtjahr soll der Umsatz um zehn Prozent steigen, das EBIT will der Luftfahrtzulieferer gegenüber 2021 mehr als verdreifachen.

Die positive Entwicklung heuer erklärte das Unternehmen am Mittwoch in einer Aussendung mit einer guten Auftragslage bei Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen. Der Markt für Business Jets, der rund 17 Prozent des Umsatzes der FACC liefert, habe bereits zum Jahresende 2021 wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Hintergrund für die gute Auftragslage jetzt sei eine weitere Erholung der Luftfahrtbranche nach der Pandemie, vor allem beim kontinentalen Flugverkehr in den USA und dem Nahen Osten. Im Gesamtjahr 2021 hatte ein verlorener Rechtsstreit mit einem Zulieferer noch ein negatives operatives Ergebnis zur Folge.

Der Krieg in der Ukraine habe sich kaum negativ auf das Geschäft des Flugzeugausrüsters ausgewirkt, weil das Unternehmen weder dort noch in Russland Lieferketten habe. Das jährliche Liefervolumen für die zivile Luftfahrt in Russland betrage rund 1 Mio. Euro.

Der Ausblick bleibt den Angaben zufolge unverändert: Der Flugzeugteilebauer will seinen Umsatz im Gesamtjahr um 10 Prozent steigern, beim operativen Ergebnis ohne Einmaleffekte (EBIT) peilt die FACC eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr an.

Das Geschäftsjahr 2021 hat FACC noch mit roten Zahlen abgeschlossen. Unter dem Strich (Ergebnis nach Steuern) stand ein Verlust von 23,6 Mio. Euro, nach 77 Mio. Euro im Vorjahr 2020. Das geht aus dem Geschäftsbericht am Mittwoch hervor. Der Umsatz belief sich auf 497,6 Mio. Euro, einmalige Effekte im Ausmaß von 29,4 Mio. Euro drückten das EBIT (operatives Ergebnis) auf Minus 25,1 Mio. Euro.

Hintergrund für den schmälernden Einmaleffekt war ein verlorener Rechtsstreit mit einem Zulieferer. Das Ergebnis je Aktie lag 2021 damit bei minus 0,52 Euro, nach minus 1,68 Euro im Jahr davor. Die EBIT-Marge erreichte 0,9 Prozent, nach minus 5,1 Prozent im Jahr 2020.

Die Auswirkungen der Pandemie seien im Jahr 2021 ebenfalls noch deutlich zu spüren gewesen. Anhaltende Reisebeschränkungen führten dazu, dass der internationale Flugverkehr lediglich ein Viertel des Vorkrisen-Volumens ausmachte,

Die zweite Jahreshälfte 2021 war bei FACC vor allem von Lieferkettenproblemen, fehlenden Fachkräften und Schwankungen auf den globalen Märkten geprägt gewesen, was zu einer Verlangsamung des weltweiten Wirtschaftswachstum geführt habe. Auch die hohe Inflation in der Eurozone und in den USA aufgrund der Rohstoffknappheit und den dramatisch gestiegenen Energiepreisen beschäftigte die Branche.