Energieversorgung

Auch Lebensmittelindustrie braucht Erdgas – Hersteller unter Druck

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Die stark gestiegenen Energie- und Agrarrohstoffpreise aufgrund des Ukraine-Kriegs setzten die heimische Lebensmittelindustrie unter Druck. Es gebe "eine historische Kostenwelle", sagte die Geschäftsführerin des WKÖ-Fachverbands der Lebensmittelindustrie, Katharina Koßdorff, am Freitag bei einer Pressekonferenz. Für die Agrarwirtschaft und Lebensmittelindustrie in Österreich war 2021 ein erfolgreiches Exportjahr: Die Ausfuhren stiegen um 9,4 Prozent auf 13,9 Mrd. Euro.

Die Lebensmittelhersteller sorgen sich aufgrund des Ukraine-Kriegs und den Russland-Sanktionen um eine gesicherte Versorgung mit Erdgas. Die Lebensmittelindustrie benötigt rund 3,5 Terawattstunden (TWh) Gas pro Jahr, das sind rund 10 Prozent des jährlichen Gasbedarfs der gesamten Industrie. Laut Gas Infrastructure Europe (GIE) sind die heimischen Gasspeicher derzeit nur mehr zu 13,4 Prozent gefüllt. Bei einer großen Gas-Knappheit werden die privaten Haushalte vorrangig mit Gas beliefert und die Industrie muss die Produktion verringern. "Der Branche und ihren Partnern sowie Zulieferern in der Wertschöpfungskette sind in der staatlichen Energielenkung die nötigen Gas Mengen zu gewähren, um die Versorgung mit Lebens und Futtermitteln in gewohnter Menge und Qualität sicherzustellen", forderte die Branchenvertreterin. Oberste Priorität müsse "jetzt die Vorbereitung und Umsetzung einer nachhaltigen Versorgung mit Erdgas haben".

Wie stark die Lebensmittelpreise für Konsumenten im laufenden Jahr noch steigen werden, wollte Koßdorff nicht kommentieren. "Das kann man seriöserweise nicht sagen." Die einzelnen Lebensmittelhersteller müssten "scharf kalkulieren" und mit ihren Kunden "partnerschaftliche Gespräche führen, um diese Situation gemeinsam zu schultern", so die Branchenvertreterin.


Der Agrarhandel Österreichs mit Russland und der Ukraine

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Exorbitanter Preisschub

Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich laut Statistik Austria im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat im Schnitt um 4,3 Prozent und damit etwas weniger als im Jänner, als der Anstieg noch 4,9 Prozent betrug. "Die Versorgung Österreichs mit Lebensmitteln, Futtermitteln und Getränken ist gesichert", heißt es von der Lebensmittelindustrie-Vertreterin.

Die Preise unter anderem für Treibstoff, Gas, Strom, Getreide, Rind- und Schweinefleisch und Speiseöle sind seit Beginn des Ukraine-Kriegs stark gestiegen. Bereits durch die Coronapandemie und schlechte Ernten habe es einen "exorbitanten Preisschub" für die Unternehmen geben, sagte Koßdorff. "Das hat sich durch den Ukraine-Krieg massiv verschärft." Die Kosten für Energie, Rohstoffe, Logistik und Verpackung hätten "noch eine immense Dynamik bekommen".

Österreichs Agrar- und Lebensmittelimporte aus Russland und der Ukraine sind vergleichsweise nicht hoch. Aber die beiden Länder würden als große Agrarexporteure, etwa bei Getreide, Obst, Ölsaaten und Soja die Preisbildung in Europa mitbestimmen, sagte die WKÖ-Vertreterin Koßdorff. Russland habe auch indirekt große Bedeutung für die heimische Lebensmittelindustrie, weil Österreich von Erdgas aus Russland sehr stark abhängig sei.

Österreichs Außenhandelsbilanz mit Agrarwaren und Lebensmittel war nach 2020 im Vorjahr zum zweiten Mal seit dem EU-Beitritt fast ausgeglichen. Importe in Höhe von 13,954 Mr. Euro (+9,3 Prozent) standen Exporte von 13,947 (+9,4 Prozent) gegenüber. "Sonderfaktoren wegen der Pandemie spielen eine Rolle. Österreich ist aber auf dem Weg auf dem Weg zum Nettoexporteur bei Agrarwaren und Lebensmittel", sagte AMA-Marketing-Chef Michael Blass.

Die Exportbilanz der Lebensmittelindustrie für 2021 bestätigt, wie bedeutend der Außenhandel für die rund 200 Unternehmen weiterhin ist. Die EU ist dabei der zentrale Exportmarkt: 69 % der heimischen Lebensmittelexporte gehen in die EU (5,9 Mrd. Euro; + 13,4 % gegenüber 2020), 31 % in Drittstaaten (2,6 Mrd. Euro; + 1,4 %). Deutschland ist dabei weiterhin der wichtigste Exportmarkt innerhalb der EU (+ 11,2 % gegenüber 2020). Rückläufig waren 2021 hingegen die Lieferungen in die USA (- 20,2 %). Auch die Lebensmittelexporte nach Großbritannien gingen wegen des BREXIT und der damit verbundenen Liefer- und Logistikprobleme zurück (- 10,5 %). (apa/red)