Unternehmensführung

Sebastian Heinzel – wie der Erbe der Heinzel Group zum Papier fand

Sebastian Heinzel, CSO der Heinzel Holding, CEO von Heinzel Sales in der Papierindustrie und Zellstoffindustrie
© Matthias Bernold

Familienunternehmen, aber irgendwie auch nicht damit aufgewachsen. Ein haptisches Produkt, aber ein digitaler Hintergrund. Die Kurzzusammenfassungen passen auf Sebastian Heinzel, aber sie erzählen noch nicht die ganze Geschichte. Denn der (mittlerweile) CSO der Heinzel Group hat den nicht ganz typischen Werdegang hingelegt.


Es hätte alles nur ein bisschen anders kommen müssen, und Heinzel würde statt in Wien in New York sitzen, und statt mit Papier und Zellstoffen an einer Internet-Reiseplattform arbeiten. Doch heute ist er in der Unternehmensführung einer Gruppe mit sieben Tochterunternehmen und rund 2500 Mitarbeitern.


Sebastian Heinzel wurde nicht wirklich ins Familienunternehmen hineingeboren. In den 40ern vom Großonkel gegründet, verkauft dieser das Werk 1988 an den schwedischen Papierkonzern SCA und behält sich das Handelshaus. Was die Weichenstellung maßgeblich beeinflusst: Die neuen schwedischen Eigentümer machen Sebastians Vater Alfred zum Fabriksleiter.

„Das ist nicht meins“

Und der hat einiges vor. Bereits 1991 kauft er dem Gründer (seinem eigenen Onkel) das Handelshaus des Konzerns ab. Heute ist es als Heinzel Sales bekannt. Anfang der 2000er-Jahre holt er dann auch die Produktion zurück in die Familie. Zuerst kauft er die Zellstoff-Anlage im steirischen Pöls, später das Werk in Laakirchen von den Schweden. Der schnelle Expansionskurs geht schließlich über die Grenzen Österreichs hinaus. Im Lauf von eineinhalb Jahrzehnten kommen eine Fabrik in Deutschland und eine in Estland dazu. Das Vertriebsnetz wird global.

Heinzel Paper Papierfabrik Laakirchen Laakirchen Papier AG Werksansicht Aussenaufnahme Sommer Wirtschaft Produktionshalle Papierproduktion

Das Papierwerk in Laakirchen – einst wurde es an ein schwedisches Unternehmen verkauft, dann wieder zurückgekauft.

- © Rudolf Brandst?tter / picturedesk.com

Doch Alfreds Sohn Sebastian Heinzel hatte zunächst andere Pläne, als gleich beim Familienbetrieb anzuheuern. Er ging als Journalist nach New York, lernte dort seine spätere Ehefrau kennen und gründete mit knapp 30 ein Start-up: die Online-Reiseplattform Tripwolf. „Technologie, Internet, Kommunikation, Medien waren immer meine Themen“, erklärt er, warum ihm der Journalismus allein nicht genügte.


Einmal zeigt ihm der Vater die Fabrik in Pöls und fragt, ob ihn das interessiert. „Nein, das ist eigentlich nicht meins“, ist die ehrliche Antwort. „Im Nachhinein bin ich meinem Vater sehr dankbar, dass ich diese Freiheit genießen konnte.“ Auch als Sebastian Heinzel mit seinem eigenen Unternehmen irgendwann nach Wien zurückkehrt und 2011 noch einmal auf einen Einzug in die Gruppe angesprochen wird, passiert der Wechsel zunächst nicht. Seine „mentale Reise ins Family Business“ habe da aber bereits begonnen.



Wo Digitalisierung und Papierproduktion aufeinandertreffen



2013 schließlich verkauft Sebastian Heinzel Tripwolf für einen zwölffachen Gewinn und wird Teil des Familienunternehmens. „Tatsächlich habe ich es in der Hightech-Welt irgendwann als unbefriedigend wahrgenommen, dass man niemals etwas zum Angreifen produziert“, sagt er. „Das ist auch genau das, was mich jetzt am Papier- und Zellstoffbusiness fasziniert: Wir sind permanent von einem Produkt umgeben, das die ganze Welt braucht.“

Fabrik der Heinzel Holding für Zellstoff in Pöls, Steiermark

Die Zellstofffabrik in Pöls.

- © Haeferl, CC BY-SA 3.0, https://de.wikipedia.org/wiki/Heinzel_Group#/media/Datei:P%C3%B6ls-Oberkurzheim_-_Zellstoff_P%C3%B6ls_AG_-_2.jpg

Der Konzern macht damals einen Jahresumsatz von zwei Milliarden Euro und ist damit etwa gleich groß wie Verbund oder Lenzing. Konkurrent Meyr-Melnhof liegt umsatzmäßig nur knapp vorne. Von den Fabriken abgesehen, betreibt die Familie eigene Kraftwerke – etwa das Wasserkraftwerk Danzermühl und einen Windpark im Burgenland. Dazu kommen landwirtschaftliche Flächen und Büroimmobilien. Nach „Umschauen“ im Unternehmen geht Heinzel 2014 zu Heinzel Sales. Es ist der älteste und umsatzstärkste Teil der Gruppe. Er ist viel auf Geschäftsreisen, was ihm dank seiner früheren Tätigkeiten liegt, und holt neue Kunden aus Lateinamerika an Bord. 2017 wird er zum CEO von Heinzel Sales.

Wie zuvor sein Vater – der sich schließlich in den Aufsichtsrat „zurückzieht“ – setzt auch Sebastian Heinzel auf Expansion sowie Wachstum im Handel. Hier werden jährlich rund vier Millionen Tonnen Papier und Zellstoff über den Erdball bewegt. Davon stammt ein Drittel aus eigener Produktion. Im Zuge der Pandemie sind die Verkaufszahlen zuletzt etwas eingebrochen. Doch immer noch setzt die Heinzel Group pro Jahr 2,7 Millionen Kubikmeter Holz und über 900.000 Tonnen Altpapier ein.

Die Zellstoff-Fabrik von Heinzel in Pöls.

Ein Fokus liegt ganz klar auf Nachhaltigkeit – ein Thema, für das allgemein das Bewusstsein spürbar steigt. 2018 wird so zum erfolgreichsten Jahr in der Unternehmensgeschichte: Der Bedarf an Alternativen zu Plastikverpackungen und damit der Griff zu Papier und Zellstoff ist hoch. Der Rohstoffpreis für Altpapier sinkt, die Energiepreise sind moderat. Kurzum, der Gewinn der Gruppe klettert auf 145 Millionen Euro.

Das Augenmerk auf nachhaltige Produkte bleibt natürlich bestehen. „Wir haben gerade im Bereich flexible Verpackungen stark investiert, um im ganzen Geschäft Plastik versus Papier gut aufgestellt zu sein“, so Heinzel. Die Papierfabrik in Laakirchen stellte eine Maschine auf die Herstellung von Wellpappenrohpapier und die Erzeugung von Papierverpackungen um. Gebraucht werden diese etwa für den Lebensmittelhandel.

Maschine in der Fertigung der Heinzel Group
© Heinzel

Es gibt einen weiteren Grund, warum Klimawandel und Nachhaltigkeit für die Zellstoffindustrie hochrelevante Themen sind: „Im Wesentlichen sind wir darauf angewiesen, dass wir gesunde Wälder haben, eine funktionierende Waldbewirtschaftung, funktionierende Kreisläufe von Wiederverwertung“, so Heinzel.

"Ein Produkt, das die ganze Welt braucht"
Sebastian Heinzel

Alles haptisch also und ganz anders als die digitale Vergangenheit des Sales-CEO? Nicht ganz. Sebastian Heinzel sieht die digitale Revolution mittlerweile durchaus nicht mehr nur auf Konsumentenseite. „Es gibt immer mehr Industrie-Start-ups im Bereich Industrie 4.0 bis hin zu Effizienzsteigerungen durch Artificial Intelligence“, sagt er. Und fügt hinzu: „Aber es läuft erst langsam an.“ In der B2B-Wel, in der sich die Heinzel-Gruppe bewegt, seien die primären Anliegen „nach wie vor Effizienzsteigerungen und bessere Abläufe innerhalb der Fabrik und der Supply Chain“. Wenn in der Produktion von Papier und Zellstoff die Maschine am liebsten non-stop laufen gelassen würde, sieht Heinzel große Vorteile in der Digitalisierung, etwa durch vorausschauende Wartung.


Irgendwann wird er vermutlich Vorstandsvorsitzender der Gruppe sein. Am ledertapezierten Schreibtisch des Großonkels sitzt er bereits. „Vor zehn Jahren hätte ich mich wahrscheinlich nicht an diesem Schreibtisch gesehen. Aber letztlich ist Business Business, Unternehmertum ist Unternehmertum – ich habe im Start-up-Leben Blut geleckt. Meine stärkste Lehre damals war: Man kann die Dinge selbst in die Hand nehmen.“