Kooperation

Schutzmasken "made in Vorarlberg": Auslieferung startet

In der Coronakrise tun sich sechs Vorarlberger Industriebetriebe branchenübergreifend zusammen und produzieren FFP2-Schutzmasken. Schon diese Woche sollen 70.000 Masken an Ärzte und Spitäler in Vorarlberg ausgeliefert werden.

Das ist ein Symbolbild:Coronakrise und Österreich.

Die Vorarlberger Landesregierung hat nähere Details zu den FFP2-Schutzmasken vorgestellt, die in Vorarlberg produziert werden und von Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) angekündigt wurden.

Das dahinter stehende Konsortium von sechs Vorarlberger Unternehmen hatte vor vier Wochen mit der Lösung der Aufgabenstellung begonnen und nach zwei Wochen mit der Produktion beginnen können, erklärte Günter Grabher von der Plattform "Smart Textiles Austria" in der Videopressekonferenz des Landes. Die größte Herausforderung seien dabei weniger die Materialien gewesen, sondern das Zusammenführen der einzelnen Komponenten für die dezentral ablaufende Produktion.

Erst vor wenigen Tagen sorgte eine Lieferung von Schutzmasken aus China für viele Schlagzeilen - hierzulande, und noch mehr in China selbst. Denn wie eine Überprüfung ergeben hat, entsprachen die Masken überhaupt nicht den Standards FFP2 und FFP3.

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Die beteiligten Unternehmen - von Wolford bis zu einer Bäckerei

Bereits starteten nach Koordination durch die WISTO (Wirtschafts-Standort GmbH) und die Smart Textiles Plattform der Textilveredler Grabher Group, der Bandhersteller Bandex, Getzner Textil, die Stickerei Hämmerle, das Unternehmen tecnoplast und der Strumpfhersteller Wolford mit der Produktion von Atemschutzmasken, berichtete die wirtschaftspresseagentur.com. Ölz Meisterbäcker liefere Verschlussclips, zudem sind rund 80 Änderungsschneidereien beteiligt. Industriemagazin.at mit weiteren Details zum Projekt: Vorarlberger Betriebe produzieren Masken gemeinsam - über Branchen hinweg >>

In Sachen Schutzmasken hat ein weiteres Unternehmen kurzfristig seine Maschinen zweckentfremdet: Anlagen des Innviertler Maschinenbauers Wintersteiger trocknen normalerweise Skischuhe und Helme. Jetzt hat der Hersteller seine Maschinen für die Coronakrise adaptiert: Mit Ozon werden Schutzmasken getrocknet und keimfrei gemacht. Trotz Anpassung gibt es auch bei Wintersteiger Kurzarbeit.

Masken für medizinisches Personal vor Ort

Seit Sonntag sei auch die vorgeschriebene Nachverfolgbarkeit jener Masken gesichert ist, die als zweites Produkt mit einem zusätzlichen Filter ausgestattet sind und ausschließlich dem medizinischen Personal zur Verfügung steht. Für dieses Produkt sei derzeit das Prüfverfahren im Gang.

Schon die FFP2-Masken zeichnen sich vor allem durch drei besondere Komponenten aus, erläuterte Grabher. Die Außenschicht ist plasmabeschichtet und hydrophob und damit öl-, wasser- und schmutzabweisend, die Schnüre erlauben die Masken so anzulegen, dass sie dicht ans Gesicht angelegt werden und schließlich weise der verwendete Stoff bereits eine Filterleistung von 70 Prozent auf. Grabher: "Normaler Stoff hat eine Filterleistung von null."

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Kompetenz der Vorarlberger Textilindustrie entscheidend

Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) kündigte an, dass schrittweise bereits ab dieser Woche 70.000 Masken an die niedergelassenen Ärzte und den Pflegebereich in Vorarlberg ausgeliefert werden. Weitere 200.000 Masken habe das Land für den Spitalsbereich bestellt, der noch über gewisse Lagerbestände anderer Masken verfüge.

Möglich geworden sei alles in dieser kurzen Zeit nur deshalb, weil auf die Kompetenz und die Produktionskapazitäten der Textilunternehmen in Vorarlberg zurückgegriffen werden kann. Wirtschaftslandesrat Marco Tittler (ÖVP): "Vorarlberg ist das einzige Land in Europa, wo noch die komplette Wertschöpfungskette vorhanden ist." Eine Schlüsselrolle kommt bei der Maskenproduktion der Lustenauer Textilindustrie zu, so Grabher. Diese erfüllt mit ihren Maschinen - umgelegt auf Personen - im ersten Produktionsschritt die Leistung von 40.000 Näherinnen.

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Landeshauptmann: "Sich aus den Fesseln des Weltmarktes befreien"

Allerdings werden für das Fertigstellen der Schutzmasken viele weitere Hände gebraucht. Landeshauptmann Wallner rief dazu auf, sich auf der Website www.schutzmasken-vorarlberg.at zu melden, wer dazu fähig ist. Mit dem Zusammenspiel des Konsortiums der Unternehmen der Hämmerle-Gruppe, Wolford, Getzner, Harald Hämmerle Stickerei, Bandex und Tecnoplast werde es möglich sein, "sich aus den engen Fesseln des Weltmarktes zu befreien" und die Krise besser durchzustehen, gab sich Wallner optimistisch. "Wir helfen uns selbst." (apa/red)

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