Innovationsstandort

Das plant Industriellenvereinigung für Vorarlberg und Innovation

Bregenz, Hauptstadt von Vorarlberg
© Seibel Boehringer, CC BY-SA 4.0

Die Industriellenvereinigung Vorarlberg (IV) ortet im Vergleich mit Nachbarregionen einen Nachholbedarf im Bereich der Innovation. Vorarlberg müsse zum Innovationsland werden, um langfristig im Wettbewerb bestehen zu können, stellt Martin Ohneberg, Präsident der IV, am im Rahmen des virtuell abgehaltenen Neujahrsempfangs der Interessensvertretung fest.

Wie das gelingen soll? Mit verschiedenen Maßnahmen wolle man "Schritt für Schritt zur Exzellenz" kommen. Im Auftrag der IV Vorarlberg hat die Strategieberatung Höffinger Solutions aus Wien das Bundesland mit Nachbarregionen – dem Kanton St. Gallen und dem Fürstentum Liechtenstein sowie den deutschen Regierungsbezirken Tübingen, Stuttgart und Oberbayern – verglichen. Im Österreich-Vergleich schneide Vorarlberg in der Regel sehr gut ab, "wichtiger für uns als Industrieland ist aber der Vergleich mit unseren starken Nachbarn in der direkten Umgebung", so der IV-Präsident.

Mehr Vernetzung für gelungene Innovation

Und dieser Vergleich zeigt, dass man "aktuell noch Mittelmaß" sei. Beim Brutto-Inlandsprodukt weise Vorarlberg in den vergangenen zehn Jahren zwar die zweithöchste Wachstumsrate (plus 42,53 Prozent) auf, bei der Erwerbstätigenquote (15-64 Jahre) sei das Land jedoch beinahe Schlusslicht. Mit einer Erwerbstätigenquote von 76,8 Prozent (gesamt) und nur 72,2 Prozent bei den Frauen fehlten jeweils sechs Prozentpunkte auf Spitzenreiter St. Gallen. "Hätte Vorarlberg die gleich hohe Beschäftigungsquote wie St. Gallen, wären rund 15.000 Personen mehr auf dem Arbeitsmarkt. Das sind fast genauso viele Personen, wie es derzeit in Vorarlberg offene Stellen gibt", rechnete Ohneberg vor.

Er fordert deshalb einen deutlichen Ausbau des Kinderbetreuungsangebots ab dem zweiten Lebensjahr und die Heranführung des faktischen an das gesetzliche Pensionsantrittsalter. Auch bei der Forschungsquote liege Vorarlberg weit zurück an letzter Stelle. Hier wünscht sich Ohneberg von der öffentlichen Hand entsprechende Rahmenbedingungen, "damit Innovation besser gelingen kann". Freilich könne ein großer Schritt in Richtung Innovationsland aber nur gelingen, wenn neben hoch-innovativen Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen mehr Vernetzung untereinander erfolge.

Dashboard statt Universität

Die IV trage auch selbst zu Lösungen bei, stellte Ohneberg fünf "Leuchtturmprojekte" vor. So wolle man etwa Bewusstsein schaffen mit einem Benchmarking-Dashboard, auf dem laufend die Entwicklung der Nachbarregionen verfolgt und verglichen werden kann. Ein "Education-Tower" soll das Fehlen einer Universität in Vorarlberg zumindest zum Teil kompensieren. Mit einer Kooperation mit der Universität St. Gallen (HSG) setze man nun den ersten Schritt, weitere Kooperationen etwa mit der ETH Zürich oder der TU Graz müssten aber folgen.

Ebenso gelte es, einen Expat-Service zu etablieren, der Herziehende aus dem Ausland in unterschiedlichen Lebenslagen unterstützt. Aktuell kehrten 40 Prozent dieser Personen dem Land nach einem Jahr wieder den Rücken. Darüber hinaus schaffe man mit der Initiative "Innovate V" eine neue Möglichkeit zur Förderung der Kooperationskultur in Vorarlberg.