Die Suche nach einem Nachfolger soll bis spätestens Mitte 2025 abgeschlossen sein. In der Zwischenzeit wird Verwaltungsratschef John Elkann vorübergehend die Rolle des CEO übernehmen, um Kontinuität zu gewährleisten. Er plant, den vakanten Spitzenposten bis Mitte nächsten Jahres neu zu besetzen.
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Ein mit dem Vorgang vertrauter Insider hat gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärt, dass es mindestens zwei vielversprechende interne Kandidaten für die Nachfolge gibt. Einerseits könnte Antonio Filosa, der italienische Leiter des Nordamerika-Geschäfts von Stellantis, in Betracht kommen. Andererseits wird der Franzose Maxime Picat, derzeit Einkaufschef des Opel-Mutterkonzerns, als mögliche Option gehandelt.
Eine weitere mögliche interne Lösung ist Jean-Philippe Imparato, der operative Europa-Chef von Stellantis. Der frühere Markenchef von Peugeot und Alfa Romeo übernahm diesen Posten erst im Oktober von Uwe Hochgeschurtz, dem ehemaligen Opel-Chef, der zusammen mit anderen Führungskräften kurz nach einer Gewinnwarnung im Herbst das Unternehmen verlassen musste. Auch der Amerikaner Doug Ostermann, kürzlich zum Finanzchef ernannt, wird als Kandidat gehandelt.
Darüber hinaus gibt es Spekulationen über Spitzenkräfte anderer Automobilhersteller. So wird etwa Renault-Chef Luca de Meo genannt. Der Italiener war vor seiner Tätigkeit bei Renault Chef der spanischen Volkswagen-Marke Seat und zuvor Manager beim italienisch-amerikanischen Autobauer Fiat Chrysler, der zusammen mit PSA aus Frankreich den Konzern Stellantis bildete. Am Finanzmarkt kursieren seit längerem Gerüchte, dass auch Renault von Stellantis übernommen werden könnte.
Auch eine Rückkehr des Briten Mike Manley zu Stellantis steht zur Diskussion. Manley hatte maßgeblich an der Fusion von Fiat Chrysler und PSA mitgewirkt, verließ das Unternehmen jedoch 2021 nach einem kurzen Einsatz als USA-Chef. Elkann hat außerdem Richard Palmer, einen früheren Finanzchef von Fiat Chrysler und Stellantis-Veteranen, als Berater in den Interimsvorstand geholt.
Die italienische Tageszeitung Il Giornale berichtet, Elkann könnte sich auch für eine Lösung entscheiden, wie sie zuletzt bei Ferrari umgesetzt wurde: die Ernennung eines Top-Managers aus der Tech-Branche als neuen Chef.
Tavares, der seit der Gründung des Konzerns im Jahr 2021 an der Spitze stand, sah sich in den vergangenen Monaten zunehmender Kritik aus verschiedenen Richtungen ausgesetzt. Sowohl Gewerkschaften als auch Autohändler und Aktionäre bemängelten unter anderem den Umgang mit rückläufigen Umsätzen und Erträgen. Diese Entwicklung hatte Stellantis zuletzt dazu gezwungen, seine Gewinnprognose nach unten zu korrigieren.
Der Konzern, der zu den weltweit größten Autobauern zählt, vereint unter seinem Dach renommierte Marken wie Opel, Peugeot, Citroën, Fiat, Chrysler, Jeep und Ram. Stellantis entstand aus der Fusion von Fiat Chrysler und der PSA-Gruppe und erwirtschaftet einen Großteil seines Umsatzes in Europa und Nordamerika.