Nach der Rosenbauer-Übernahme : Aufsichtsrat ohne Pierer und Mateschitz
Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung haben die Aktionäre des Feuerwehrausrüsters Rosenbauer den Umbau im Aufsichtsrat abgesegnet.
- © RosenbauerAußerordentliche Hauptversammlung in Linz
Keine 40 Minuten dauerte die außerordentliche Hauptversammlung von Rosenbauer am Dienstagvormittag. Getroffen hat man sich im Marriott-Hotel in Linz, die Tagesordnung hatte nur einen Punkt: Die Wahl des neuen Aufsichtsrats. Die Robau wird künftig drei der acht Aufsichtsratsmitglieder stellen, aufgeteilt auf die Eigentümer des Konsortiums: Pierer Industrie und die Mark Mateschitz Beteiligungs GmbH halten jeweils 34,5 Prozent an Robau, die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) und die Invest AG gemeinsam die verbleibenden 31 Prozent.
Pierer Mobility entsendet den langjährigen Weggefährten von Stefan Pierer Friedrich Roithner in den Aufsichtsrat. Bis 2024 war Roithner Vorstandsmitglied der Pierer Industrie AG, Anfang 2025 ist er zum CFO der Pierer Konzerngesellschaft aufgestiegen. Für die RLB OÖ AG wird der Vorstandsvorsitzenden der Invest AG Gernot Hofer Mitglied des Aufsichtsrats, der bereits in gleicher Funktion bei Lenzing Plastics, JOSKO Fenster und Türen sowie bei Quadrifolia Management tätig ist. Mark Mateschitz setzt hingegen auf Florian Hutter, der sich in den letzten Jahren zu einer Schlüsselfigur im Beteiligungsimperium des Red-Bull-Erben entwickelt hat. Mittlerweile hält er über 20 Führungsmandate innerhalb der Mateschitz-Unternehmen, darunter die Geschäftsführung der Beteiligungsholding D&M sowie als Vorstand der DM Kunst und Kultur Privatstiftung. Abgelöst werden die bisherigen Aufsichtsräte Jörg Astalosch, Bernhard Matzner und Martin Zehnder.
Unverändert bleiben Stefan Wagner, der Sohn des früheren Rosenbauer-Chefs Julian Wagner, und Christian Reisinger, Ex-Lenzing Vorstand und Geschäftsführer der CR Management und Investment GmbH, sowie die vom Betriebsrat entsandten Mitglieder Rudolf Aichinger, Christian Altendorfer und Wolfgang Untersperger im Gremium.
Christian Reisinger neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats
Bei der konstituierenden Sitzung im Anschluss wurde Christian Reisinger dann zum Aufsichtsratschef gewählt. Reisinger gehört dem Aufsichtsrat des Feuerwehrausrüsters zwar bereits seit 2006 an, doch nach der Übernahme durch Robau war mit einem Kandidaten aus deren direktem Umfeld gerechnet worden. Stattdessen setzen die neuen Eigentümer nun offenbar auf Kontinuität. „Er soll Stabilität gewährleisten“, erklärte Friedrich Roithner bei der Hauptversammlung. Während seiner Zeit als Vorstand der Lenzing AG war Reisinger in den Aufsichtsräten von Tochtergesellschaften in China, Indonesien und den USA tätig. Der 64-Jährige lebt heute in Vöcklabruck und Shanghai. Nach Lenzing führte Reisinger die Hawle Beteiligungs-GmbH und gründete die CR Management und Investment GmbH. Nun soll er bei Rosenbauer den Umbau begleiten.
Wie kam es zur Übernahme durch Robau?
Doch warum muss Rosenbauer überhaupt saniert werden und wie kam es zur Übernahme durch Robau? In 150 Ländern fahren Feuerwehrfahrzeuge aus Oberösterreich, in 120 ist Rosenbauer mit einem Servicenetzwerk vertreten. Doch schwere Managementfehler haben das Unternehmen in den letzten Jahren in Schieflage gebracht: Vereinbarte Fixpreise im Verkauf bei gleichzeitig starkem Preisanstieg im Einkauf von Vormaterialien und Energie sorgten für hohe Verluste. Hinzu kamen hohe Umstrukturierungskosten bei der Umstellung von der Einzel- auf eine Serienfertigung. Ausgerechnet zum Zeitpunkt des Wiederhochfahrens der Produktion Anfang 2023, wurde Rosenbauer Opfer eines Cyberangriffs, der eine tagelange Abschaltung der IT-Infrastruktur und Stehzeiten in der Produktion von mehreren Wochen nach sich zog.
Die Folge: das Eigenkapital der Oberösterreicher ist zeitweise auf nur noch 15 Prozent gesunken – Werte unter 30 Prozent gelten als ungesund. Nachdem Versuche, über Anleihen Liquidität zu schaffen, gescheitert waren, erhöhten die Banken den Druck: Sie verlangten, dass die bestehenden Aktionäre die Eigenkapitalquote auf mindestens 20 Prozent aufstocken – über die Börse war das angesichts der finanziellen Lage nicht möglich. Die Eigentümerfamilie selbst zeigte wenig Begeisterung, eine Kapitalerhöhung von mindestens 100 Millionen Euro zu stemmen. Erst nach starkem Drängen der Gläubigerbanken stimmte die Eigentümerfamilie - insgesamt 23 Gesellschafter und Gesellschafterinnen – einer geplanten Kapitalerhöhung – und damit einer Verwässerung ihrer Anteile – zu.
Sechs Unternehmen hatten sich ein Bieterrennen um den überschuldeten Feuerwehrausrüster geliefert. Zuletzt soll neben dem Konsortium von Stefan Pierer und Mark Mateschitz auch noch die Tschechische Tatra Gruppe im Rennen gewesen sein. Das Argument einer „österreichischen Lösung“ für die Rettung von Rosenbauer dürfte dann wohl den Ausschlag gegeben haben der Robau den Vorzug zu geben.
Das Konsortium verpflichtete sich dazu fast 120 Millionen Euro Kapital zuzuschießen und damit 3,4 Millionen Aktien oder 33,3 Prozent des frisch kapitalisierten Unternehmen zu erwerben. Ausserdem, und das kam auch für Beobachter überraschend, verkaufte auch die Eigentümerfamilie selbst ein Viertel ihrer bisherigen Anteile, die bisher von der Rosenbauer Beteilgungsverwaltung gehalten wurden, an das Konsortium. Für rund 60 Millionen Euro sollen sich einige Familienmitglieder ganz zurückgezogen haben und manche Familienmitglieder überhaupt nicht. Mit der Übernahme von Teilen des Familienbesitzes hält die Robau derzeit einen Anteil von 55 Prozent an dem Unternehmen. Der Anteil der Eigentümerfamilie sank auf nur noch rund 17 Prozent.
Aktueller Zustand von Rosenbauer
Aus Leonding kommen derweil nur noch gute Nachrichten für die neuen Eigentümer: In den ersten neun Monaten des Jahres 2024 hat Rosenbauer ein kräftiges Wachstum im Vergleich zur Vorjahresperiode verzeichnet – und scheint am Weg zum Turnaround gut voranzukommen: Operativ ist das Unternehmen im Plus, das Periodenergebnis sei nur noch wegen Sondereffekten negativ. Vor allem sind aber die Aussichten positiv: Rosenbauer verzeichnete in den ersten neun Monaten Aufträge im Wert von 1,2 Milliarden Euro – um ein Fünftel mehr als noch im Vorjahreszeitraum. Der Auftragsbestand legte dadurch auf 2,2 Mrd. Euro zu – und der Mitarbeiterstand stieg um fast 200 auf 4.440.
Ob die neuen Eigentümer auch in die operative Führung eingreifen, bleibt offen. Eigentlich galt ein Wechsel im Vorstand – aktuell bestehend aus CEO Sebastian Wolf, CFO Markus Richter und CSO Andreas Zeller – als sehr wahrscheinlich. Angesichts der positiven Entwicklung und der nun verkündeten Weichenstellung im Aufsichtsrat könnte sich das bestehende Management jedoch vorerst behaupten. In jedem Fall wird der Vorstand am 11. April die Jahresergebnisse 2024 im Steigenberger Hotel Herrenhof in Wien – und nicht wie üblich in Linz - präsentieren.