Stahlbau

Waagner-Biro Brückenbau: Entschuldung und Weiterführung geplant

Beim renommierten Wiener Stahlbauer Waagner Biro ist nach den Insolvenzen der Holding und der Firmentochter SBE Alpha jetzt auch die Brückenbausparte pleite. Das Unternehmen soll nach der Zusage einer Bank weitergeführt werden.

Das Bühnensystem der Oper in Sydney hat Waagner-Biro in den 1960er Jahren gebaut - und kürzlich nochmals umfassend modernisiert.

Nach den Insolvenzen der Waagner Biro (Holding) und deren Tochter SBE Alpha ist nun auch die Brückenbausparte pleite. Die in Wien ansässige Waagner-Biro Bridge Systems AG ist nach eigenen Angaben nicht überschuldet, aber zahlungsunfähig.

Ein Brückenbauer seit 160 Jahren

Waagner-Biro ist seit 160 Jahren Brückenbauer. Zu den prestigeträchtigen Großprojekten zählen die Donaubrücken in Wien, die Rethe Klappbrücke in Hamburg oder auch die längste Hängebrücke in Peru, wie der KSV heute hervorhob. Mehr dazu: Ein Wiener Stahlbauer seit 1854: Die besondere Geschichte von Waagner-Biro >>

Freie liquide Mittel hat die Firma (Umsatz 2017: 73,1 Mio. Euro, Betriebsergebnis 4,2 Mio. Euro) aktuell nicht mehr. Es wird aber auf Finanzierungszusagen von Banken verwiesen.

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Finanzierungszusage einer Bank

Laut AKV soll das Unternehmen durch eine Zusage einer Bank, die eine Fortführungsfinanzierung übernommen hat, weitergeführt werden. Die Brückenbaufirma soll über einen Sanierungsplan entschuldet werden. Die Gläubigerschutzverbände nannten erste Details aus dem Insolvenzantrag.

Demnach beziffert der AKV die Gesamtverbindlichkeiten mit gelegten Garantien, die voraussichtlich gezogen werden, mit 72,6 Mio. Euro. Im Kreditschutzverband KSV 1870 werden die Passiva inklusive Ab- und Aussonderungsrechten mit 77,6 Mio. Euro beziffert. Die Aktiva werden mit rund 13,1 Mio. Euro angesetzt.

Neben den bereits zur Kündigung angemeldeten 40 Mitarbeitern sind von der nun angemeldeten Insolvenz (Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung) 125 Gläubiger betroffen, davon 89 inländische. Es wird eine Sanierungsplanquote von 20 Prozent binnen zwei Jahren ab Annahme des Sanierungsplans angeboten.

Aktuell zum Unternehmen:
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Verfahren bereits eröffnet

Gleich nach der Insolvenzanmeldung wurde am Handelsgericht Wien Freitagmittag das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung über die Waagner-Biro Bridge Systems eröffnet. Zum Masseverwalter wurde der Wiener Rechtsanwalt Matthias Schmidt bestellt.

Gläubiger können ihre Forderungen bis 5. Dezember anmelden - also bis zwei Tage vor Ende der Angebotsfrist für Übernahmeinteressenten. Das Unternehmen soll ja entschuldet kurzfristig verkauft werden.Prüfungstagsatzung ist kurz vor Weihnachten, am 19. Dezember. Die Sanierungstagsatzung ist am 28. Jänner 2019, schrieben die Gläubigerschutzverbände unter Berufung auf die Ediktsdatei. (apa/red)

Der Eintritt in die Insolvenz wird mit Problemen im Zusammenhang mit einem Projekt für die Lieferung von Paneelbrücken begründet. Ob es sich dabei um eine große Bestellung in den Irak handelt, bleibt an dieser Stelle offen. Tatsächlich verschiffte Waagner-Biro riesige Brückenmodule in den Irak, wo sie in der Stadt Mossul aufgebaut werden konnten - hier unten im Bild. Dazu weitere Brückenbauimpressionen.

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Für den Irak produzierte Waagner-Biro mobile Brücken. Hier die neu errichtete Konstruktion über den Tigris in der Stadt Mossul.

Waagner-Biro, Botlek, Stahlbau © Waagner-Biro

Ein herausragendes Ingenieurprojekt von Waagner-Biro: Botlek im Hafen von Rotterdam, die größte jemals gebaute Hubbrücke.

Waagner-Biro, Botlek, Brückenbau, Bauindustrie, Stahl, Stahlbau © Waagner-Biro

Hier im Bild: Botlek, die größte jemals gebaute Hubbrücke.

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