Standorte

Siemens schließt Werke und kündigt knapp 7.000 - auch in Wien

Die Konzernführung will viel größere Einschnitte vornehmen als befürchtet. Betroffen sind fünf Werke in Deutschland - und der Standort Wien. Knapp 7.000 Arbeitsplätze werden abgebaut. Hier die Details.

Siemens erwartet für das laufende Jahr den nächsten Gewinn in Milliardenhöhe. Kozernchef Joe Kaeser will trotzdem "schmerzhafte Einschnitte" - nicht zum ersten Mal.

Bei Siemens hat die Konzernführung den Vertretern der Mitarbeiter die Details der geplanten Einschnitte jetzt präsentiert.

Der Plan sieht die Schließung von zwei ganzen Werken und die Kündigung von 6.900 Beschäftigten vor. Damit bestätigen sich die Befürchtungen der Gewerkschaften im Vorfeld.

Siemens betreibt sechs große Werke in Österreich

In Österreich ist Siemens mit sechs großen Standorten in Wien, Linz, Graz und Weiz vertreten. Diese Werke gehören jedoch nicht zur Kraftwerkssparte, sondern zur Sparte "Energy Management" und anderen Divisionen. Der Konzern beschäftigt in Österreich rund 10.200 Menschen erwirtschaftet einen Umsatz von rund 3,3 Milliarden Euro.

Das Geschäft hierzulande betrifft vor allem die Bereiche Bahnindustrie, Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung.

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Auch Standort Wien betroffen - Ausmaß unklar

Die Kürzungen im Bereich Kraftwerke und Großturbinen werden auch den Standort Wien betreffen. In Wien sowie an den deutschen Standorten Offenbach und Erlangen gebe es die gleichen Kompetenzen und Beschäftigte, die das Gleiche machen. Hier wolle der Konzern die Kapazitäten "bündeln" - also Mitarbeitern kündigen. Dazu müsse es nun Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern geben, hieß es bei Siemens. Dabei gehe um die sogenannten "white-collar"-Jobs, also Angestellte.

Das genaue Ausmaß des Stellenabbaus bleibt derzeit unklar. Auf Anfrage von INDUSTRIEMAGAZIN.at war bei Siemens Österreich zunächst niemand erreichbar.

Kündigungen in den Werken in Görlitz, Leipzig, Erfurt und Berlin und Offenbach

Siemens will in den nächsten Jahren weltweit 6.900 Arbeitsplätze streichen, davon die Hälfte in Deutschland.

Am stärksten betroffen ist die Kraftwerkssparte, die unter der Energiewende leidet. Dort fallen allein 6.100 Stellen weg, davon 2.600 in Deutschland.

Die Turbinen-Werke in Görlitz und Leipzig (beide Sachsen) sollen geschlossen werden. Für das Werk in Erfurt (Thüringen) werden mehrere Optionen und auch ein Verkauf geprüft.

Durch die geplante Zusammenlegung des in Erlangen (Franken/Bayern) und Offenbach (Hessen)  angesiedelten Lösungsgeschäfts der Kraftwerkssparte dürfte auch der Standort Offenbach mit rund 700 Beschäftigten vor dem Aus stehen.

Bei elektrischen Antrieben werden 760 Arbeitsplätze gestrichen, der überwiegende Teil davon in Berlin.

Beide Sparten sind rentabel - trotz Schwierigkeiten

Bemerkenswert zu dieser Entscheidung: Beide Sparten sind rentabel. Mehr dazu: Die zentralen Eckdaten zu Sparten Kraftwerke und Prozessindustrie >>

Schon seit längerem wird Siemens in der Kraftwerkssparte mit weltweit rund 46.800 Beschäftigten vor allem seine großen Gasturbinen in Deutschland und Europa nicht mehr los. Das sorgt für Preisverfall und Überkapazitäten.

Das Geschäftsfeld Prozessindustrie und Antriebe mit zuletzt rund 44.800 Mitarbeitern weltweit bietet etwa Getriebe, Motoren, Antriebe und Kupplungen für die Öl-, Gas-und Bergbauindustrie an. Es ist damit auch stark von den Rohstoffpreisen abhängig. In beiden Sparten hatte Konzernchef Joe Kaeser bereits Jobs gekappt.

Gewerkschaft: Konzernchefs haben Probleme zu lange ignoriert

Schon vor Bekanntgabe der Kürzungspläne hatte die Siemens-Führung auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. Die IG Metall sieht darin einen Bruch der bei Siemens geltenden Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung. Sie hatte deshalb massiven Widerstand gegen die Pläne angekündigt.

"Ein Stellenabbau in dieser Größenordnung ist angesichts der hervorragenden Gesamtsituation des Unternehmens völlig inakzeptabel", sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner. 

Kerner sitzt auch im Aufsichtsrat des Münchner Industriekonzerns. Er sei für die Gewerkschaft "nicht einmal eine ernsthafte Diskussionsgrundlage". Kerner hofft dabei auch auf die Unterstützung der Mitarbeiter und der Politik.

"Mischung aus Tatenlosigkeit und Einfallsarmut"

Der Gewerkschafter warf dem Siemens-Vorstand vor, "trotz wiederholter Appelle" nicht rechtzeitig auf die Krise in der konventionellen Kraftwerkstechnik reagiert zu haben. Angesichts des Vormarschs erneuerbaren Energie aus Wind und Sonne sinkt die Nachfrage nach Kraftwerken, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, drastisch.

"Für ein Unternehmen wie Siemens grenzt diese Mischung aus Tatenlosigkeit und Einfallsarmut an einen Offenbarungseid des Managements", sagte Kerner nach einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses, auf der Spartenchef Willi Meixner und Personalchefin Janina Kugel die Pläne präsentiert hatten.

IG Metall: Siemens macht Gewinn in Rekordhöhe - mit acht Prozent in der Kraftwerksparte

Die IG Metall beharre auf dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und Werksschließungen, der bei Siemens seit 2010 gilt. Ausnahmen davon könne es nur geben, wenn das Unternehmen als Ganzes wirtschaftlich gefährdet sei.

Davon könne angesichts der Rekordzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr keine Rede sein, sagte Kerner. Selbst die betroffene Kraftwerkssparte habe mehr als acht Prozent Umsatzrendite erwirtschaftet.

(red mit Reuters, dpa, APA)

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