Elektronik

Samsung-Erbe nach 18 Monaten Haft frühzeitig entlassen

Die Korruptionsaffäre um den Samsung-Erben Lee Jae-Yong hat ihn nicht nur ins Gefängnis, sondern auch die Präsidentin Südkoreas zu Fall gebracht. Seine frühzeitige Entlassung wirft Fragen auf, doch die Regierung scheint sich dadurch eine Stärkung des heimischen Elektronikmarkts zu erhoffen.

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Samsung-Erbe Lee Jae-Yong

Sieben Monate nach seiner erneuten Verurteilung zu einer Haftstrafe wegen Korruption ist der Erbe des Samsung-Firmenimperiums, Lee Jae-yong, wieder auf freiem Fuß. Er habe für große Unruhe gesorgt, dafür entschuldige er sich, sagte der 53-jährige Vize-Vorsitzende des Smartphone-Marktführers Samsung Electronics nach Berichten südkoreanischer Sender am Freitag beim Verlassen einer Haftanstalt in Seoul. Er sei sich der "Bedenken, Kritik und hohen Erwartungen" an ihn bewusst.

Schwieriger Zeitpunkt für Samsung

Für Samsung Electronics kam die Haftstrafe, die sich wegen der bereits abgesessenen Zeit auf eineinhalb Jahre reduziert, zur Unzeit. Der Technologiekonzern, der neben Speicherchips und Smartphones auch Haushaltsgeräte herstellt, kämpft um seine Spitzenposition als Smartphone-Branchenführer und will von Lieferengpässen im Chipmarkt profitieren.

Samsung: Das Flaggschiff der koreanischen Industrie in Schieflage

Lees Vater und Firmen-Patriarch Lee Kun Hee ist im Oktober gestorben. Durch die Haftstrafe war es dem einzigen Sohn  bisher nicht möglich, weiterhin das Geschehen bei der Samsung-Gruppe zu kontrollieren und Einfluss auf die anstehende Restrukturierung des komplizierten Firmengerüsts aus mehr als 60 Tochtergesellschaften zu nehmen. Hinzu kommen Nachfolgedebatten rund um die Machtübergabe an Lee Jae-yongs Kinder sowie weitere Probleme. So musste Samsung-Electronics-Chairman Lee Sang Hoon wegen der Behinderung der Arbeit von Gewerkschaften ins Gefängnis.

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Hintergrund der Haftstrafe

Anlass zum Verfahren gegen Lee war die Korruptionsaffäre um die frühere Präsidentin Park Geun-hye, die im März 2017 aus dem höchsten Staatsamt entfernt wurde. In einem wieder aufgelegten Prozess sah es das Gericht im Januar dieses Jahres als erwiesen an, dass Lee der früheren Staatschefin und einer ihrer Vertrauten Geld angeboten habe, um politische Unterstützung für den Machttransfer innerhalb des größten südkoreanischen Mischkonzerns zu bekommen. Lee ist der Sohn des im Oktober gestorbenen früheren Konzernchefs Lee Kun-hee. Die Richter des Seouler Obersten Gerichts befanden den Samsung-Erben der Bestechung, Unterschlagung und Verheimlichung von kriminellen Erträgen im Wert von etwa 8,6 Mrd. Won (6,4 Mio. Euro) für schuldig.

Der 52-Jährige Lee Jae-yong (alternative Schreibweise: Jay Y. Lee) war in dem Fall bereits 2017 zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, kam jedoch nach einem Jahr frei. 2019 hatte der Oberste Gerichtshof eine Überprüfung angeordnet.

Frühzeitige Entlassung 

Lee wurde unter Bewährungsauflagen zusammen mit mehr als 800 anderen Strafgefangenen vorzeitig aus der Haft entlassen. Damit verkürzte sich seine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren um fast ein Jahr.

Anlass des Straferlasses durch das Justizministerium ist der Tag der Befreiung Koreas von japanischer Kolonialherrschaft (1910 bis 1945) am 15. August. Justizminister Park Beom-kye sagte, bei der Entscheidung für Lees bedingter Entlassung sei die wirtschaftliche Lage des Landes berücksichtigt worden. Samsung ist auch marktführend bei Speicherchips und Fernsehern. Zahlreiche Arbeiter- und Bürgerorganisationen hatten sich gegen Lees Entlassung ausgesprochen.

Gegen Lee laufen derzeit zwei weitere Verfahren. So muss er sich wegen des Vorwurfs der Aktienkursmanipulation vor Gericht verantworten. Auch wird ihm die illegale Einnahme eines Beruhigungsmittels vorgeworfen. Lee bestreitet die Vorwürfe. (apa/red)