Elektroindustrie

Osram: Konzernchef wertet das Kaufgebot der Finanzfirmen als Bestätigung

Der deutsche Beleuchtungshersteller Osram wertet das Kaufgebot von zwei Finanzfirmen als Bestätigung des laufenden Konzernumbaus. Allerdings weckt die Mindestannahmeschwelle von 70 Prozent Zweifel.

Der deutsche Lichttechnikkonzern Osram verspricht sich vom geplanten Einstieg zweier Finanzinvestoren Rückenwind für den laufenden Konzernumbau.

Vorstandschef Olaf Berlien sagte, er wolle den Wandel des Konzerns vom ehemaligen Glühbirnenhersteller zum Spezialisten für Leuchtdioden (LED) und optische Halbleiter unabhängig davon vorantreiben, ob den Investoren Bain Capital und Carlyle die angestrebte Firmenübernahme letztlich gelinge.

"Wir haben keinen Plan B, denn wir haben einen eigenen Plan. Wir haben einen klaren Fünf-Jahres-Plan, wo die Gruppe hin soll", sagte Berlien und verwies auf den laufenden Ausbau des Geschäfts mit LED und Infrarotstrahlung zur Steuerung autonom fahrender Autos. "Diesen Plan ziehen wir durch, alleine durch. Und den würden wir auch mit Bain und Carlyle durchziehen", sagte Berlin. Dafür hätten ihm die beiden Investoren ihre Unterstützung zugesagt. Er selbst wolle an Bord bleiben: "Ich bin voll motiviert und arbeite gerne bei Osram."

In der Nacht zum Freitag hatten Vorstand und Aufsichtsrat die geplante Übernahme einhellig begrüßt, die dazu führen könnte, dass der MDax-Konzern sich von der Börse verabschiedet. Beide Gremien erklärten, sie unterstützen das 3,4 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot. Bain und Carlyle wollen den Anteilseignern 35 Euro je Aktie bieten, 23 Prozent mehr als der Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate.

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Als Bedingung der geplanten Übernahme nannten die Investoren allerdings, dass die Aktionäre insgesamt mindestens 70 Prozent der Anteile verkaufen. An der Börse machten Zweifel die Runde, ob diese Schwelle bis zum geplanten Ende der Angebotsfrist im September überschritten wird. "Sie erscheint auf den ersten Blick hoch", sagte ein Händler. Die Aktie legte zwar 1,8 Prozent auf mehr als 33 Euro zu und gehörte damit zu den Favoriten im MDax. Damit blieb sie aber 5,5 Prozent unter dem Übernahmepreis.

Den skeptischen Arbeitnehmern machten die beiden Bieter Zugeständnisse, deren Einhaltung diese kritisch überwachen wollen. Unter den 26.000 Mitarbeitern kursieren Sorgen vor einem Stellenabbau. So sollen Standorte der "wesentlichen Unternehmensbereiche" unverändert bleiben, wie es in einer Investorenvereinbarung heißt. "Wir erwarten vom Vorstand, dass er die dort getroffenen Vereinbarungen für die einzelnen Standorte umsetzt", sagte Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern. Mitbestimmung und Tarifbindung blieben erhalten, erklärte der von der IG Metall gestellte Aufsichtsrats-Vizechef Klaus Abel. "Daher wenden wir uns nicht gegen eine Übernahme durch die Finanzinvestoren."

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Osram wandelt sich seit der Abspaltung von Siemens 2013 vom Glühlampen-Hersteller zum Spezialisten für Leuchtdioden (LED) und optische Halbleiter. Der kriselnde Lichttechnikkonzern hat Investitionen gekürzt und Stellen abgebaut. Weil die Automobilindustrie als größter Kunde schwächelt, rechnet Osram im Geschäftsjahr 2018/19 (per Ende September) mit einem Umsatz- und Gewinneinbruch. (reuters/apa/red)

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