Standort OÖ

Oberösterreich im Höhenflug

In zehn Jahren will Oberösterreich in den Top10 der europäischen Industriestandorte gereiht sein. Das Bundesland ist schon jetzt das industrielle Kraftzentrum der Republik. Warum das auf absehbare Zeit auch so bleiben wird.

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Die Industrie ist in Oberösterreich allgegenwärtig. Von den 250 größten produzierenden Unternehmen Österreichs befinden sich 65 im Land ob der Enns. Gemessen an Bevölkerungszahl und Fläche ein Übergewicht. Damit werben Politik und Wirtschaft stolz bei jeder Gelegenheit, und auch die Leute wissen um den damit verbundenen relativen Wohlstand. Sie spüren ihn bei der vierthöchsten und überdurchschnittlichen Kaufkraft Österreichs.

Erstaunlich bleibt, wie Oberösterreich trotz Voestalpine & Co optisch über weite Strecken seinen Landschaftscharakter erhalten hat. Wenige Fahrminuten, nachdem man etwa die Stadtgrenze von Linz hinter sich gelassen hat, ist man in einer gänzlich anderen, ruralen Welt. Die Topografie spielt Oberösterreich in die Hände, viele Fabriken „verstecken“ sich hinter einem der zahllosen Hügel. Auch würde ein Fremder, wenn er Richtung Prag auf der A7 und S10 Hagenberg passiert, nie auf die Idee kommen, dass sich hinter der auf einer dieser Hügel thronenden Dorfkirche eine der größten IT- und Software-Konglomerationen Mitteleuropas immer weiter ausdehnt.

Bärenstarker Produktionssektor

Doch, wie gesagt, Understatement ist nicht wirklich des Oberösterreichers Sache. Selbstbewusst lässt man den Bund das ökonomische Gewicht bei jeder Gelegenheit spüren. Dass der Widerstand gegen das Abschieben von Lehrlingen im Asylwerberstatus in Oberösterreich losgetreten wurde, war kein Zufall. Es war gesunder, breit getragener Pragmatismus.

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Die ausgeprägte Deckungsgleichheit zwischen politischer Standortstrategie und landläufigem Selbstverständnis kommt nicht von ungefähr. Mehr als jeder vierte Oberösterreicher verdient sein täglich Brot im Produktionssektor. Über ganz Österreich gesehen, ist nur jeder sechste direkt von der Industrie abhängig. Der Anteil der mit der „Herstellung von Waren“ Beschäftigten, wie das nach internationalen Parametern eingeteilt wird, ist im Jahresvergleich zuletzt sogar noch um zwei Zehntelpunkte auf 25,9 Prozent gestiegen. Auch der Bausektor, der nicht zuletzt von der prosperierenden Industrie profitiert, ist in Oberösterreich überdurchschnittlich wichtiger Beschäftigungsfaktor. Auch er hat parallel zur Industrie seit dem Vorjahr nochmals deutlich auf 7,1 Prozent Beschäftigtenanteil zugelegt. Was die notorisch mäkelnden Industriekapitäne freut: Im selben Zeitraum sank der Anteil der öffentlich Bediensteten um zwei Zehntelpunkte, lag aber bereits 2018 mit 13,3 Prozent weit unter der Kennzahl, mit der als österreichischer Mittelwert die Keule gegen die angebliche Ausprägung des „Beamtenstaats“ geschwungen wird.

Volle Auftragsbücher

Wiederum überdurchschnittlich sind, wenig überraschend, das Wirtschaftswachstum und eng verknüpft damit die Exportwerte Oberösterreichs. Für 2018 haben die Analysten den österreichischen Spitzenwert von plus 3,3 Prozent prognostiziert. Aus den zuletzt verfügbaren Zahlen der Statistik Austria geht hervor, dass die Oberösterreicher unter allen Bundesländern mengenmäßig größter Exporteur blieben und im ersten Halbjahr die Ausfuhren um 4,9 Prozent steigern konnten. Mit 19,23 Mrd. Euro zeichnen sie für ein Viertel der österreichweiten Exporte verantwortlich. Demnach zeitigt freilich auch Folgen bis hinter den letzten Hügel, was sich am Weltmarkt abspielt. Wie eng die Industrieregion mit spektakulären Entscheidungen verbunden ist, die ganz woanders getroffen werden, zeigt folgendes kleines Beispiel. Die FACC in Ried im Innkreis steigerte im Geschäftsjahr 2018/19 den Umsatz um 3,9 Prozent auf 780,1 Millionen Euro, der Betriebsgewinn sank allerdings von 48,6 auf 41,0 Millionen, hätte jedoch eigentlich 52,4 Millionen auf die hohe Kante spülen sollen. Warum es anders kam? Airbus in Toulouse hat für seinen Großraumflieger A380 am 14. Februar die Reißleine gezogen und die Einstellung der Produktion verkündet. Der Zulieferer FACC sieht durch die Finger und musste 11,4 Millionen Euro abschreiben. Die rund 3100 Mitarbeiter in den fünf Innviertler Werken brauchen allerdings nicht bangen. Die Auftragsbücher sind auch ohne Teile für die letzten Exemplare des zweistöckigen Jumbos auf Jahre hinaus gefüllt. Den Aktionären ist darob für den 17. Juli eine kräftig erhöhte Dividende versprochen.

Vernetzung von Stakeholdern

Als „starker Wirtschaftsstandort, aber doch kleine Volkswirtschaft“ müsse sich Oberösterreich in Zukunft noch intensiver auf seine Stärken und jene inhaltlichen Bereiche fokussieren, in denen bereits anerkannte Spitzenleistungen auf europäischer Ebene erzielt werden und bei denen die größte Hebelwirkung erwartet wird, erklärt Landeshauptmann Thomas Stelzer. Mit dem Setzen neuer Leitplanken ist Neo-Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner befasst: „Unter Einbindung externer Experten wurden aus mehr als 60 identifizierten Trends rund zehn konkrete Themen für Oberösterreich herausgefiltert. Diese werden derzeit im Detail ausgearbeitet und münden in eine Wirtschafts- und Forschungsstrategie für den Standort Oberösterreich, die bis Ende des Jahres im Landtag beschlossen werden soll.“ Diese „#UpperVision 2030“ werde dann auch die Grundlage für die Ausrichtung der Wirtschafts- und Forschungsförderungen des Landes bis zum Jahr 2030 im Ausmaß von rund einer Milliarde Euro sein, so Achleitner. Die Vernetzung aller Stakeholder entlang einer adaptierten Innovationskette von Forschung/ Wissenschaft – Wirtschaft – tertiäre Bildung – ist weiterhin Teil des Programms. Inhaltlich getragen wird die Strategieentwicklung und -umsetzung vom Land als Auftraggeber, den Institutionen Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, Arbeiterkammer, dem Rat für Forschung und Technologie, der Upper Austrian Research, der oö. Standortagentur Business Upper Austria, der Johannes-Kepler-Universität, der Fachhochschule OÖ sowie der Bildungsdirektion des Landes. Hinzu kommen externe Experten von ISI Fraunhofer aus Deutschland, der Nationalen Plattform Industrie 4.0 und der Zukunftsakademie des Landes.

„Masterplan“

Mit ihrem eigenen „Masterplan“ verfüge die Wirtschaftskammer „über eine breite Wachstumsagenda, die sich nahtlos mit dem strategischen Standortprogramm ‚#UpperVision 2030‘ verknüpfen lässt“, sieht sich Kammerpräsidentin Doris Hummer in dem Strategieprozess gut aufgehoben. Die fünf entscheidenden Wachstumstreiber liegen ihrer Ansicht nach in den Bereichen Fachkräfte, Internationalisierung, Digitalisierung/Innovation, Kooperation und Deregulierung. Und IV-Präsident Axel Greiner bringt die Landesstrategie zufrieden so auf den Punkt: „Das erklärte Ziel ist der Aufstieg Oberösterreichs in die Top 10 Industriestandorte in Europa bis 2030.“

Nur ein starker Wissenschafts- und Forschungsstandort könne auch ein erfolgreicher Wirtschaftsstandort sein, sagt Landesrat Achleitner und zählt eine Reihe von Akzenten auf, die bereits gesetzt wurden: Medizintechnik als wirtschaftliches Zukunftsfeld mit dem Leitprojekt MEDUSA (MEdical EDUcation in Surgical Aneurysm clipping), das mit vier Millionen Euro dotierte europäische Leuchtturmprojekt ReFREAM, bei dem ein Forschungsteam aus Künstlern, Designern und Technikern Produktionsmethoden, Materialien und Technologien für die Mode der Zukunft entwickelt – „Die Wettbewerbsfähigkeit hängt davon ab, wie gut es gelingt, Forschungsergebnisse in innovative Produkte und Dienstleistungen umzusetzen. Die Kreativwirtschaft birgt großes Potenzial für unser Bundesland“ –, und für Hagenberg konnte der frühere IT-Sicherheitschef von Google für eine „Visionsprofessur“ gewonnen werden.

Damit soll (wenn schon nicht von der Schnellstraße aus) der Softwarepark Hagenberg als IT-Security-Center auch international noch stärker sichtbar werden.

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