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Oberbank, Wienerberger und Magenta drängen auf schnelles Ende der Maßnahmen

Bei einer Videokonferenz wählen Konzernchefs von drei großen heimischen Unternehmen sehr drastische Worte zur aktuellen Situation - und der Strategie der Politik. "Die EU gibt es nicht mehr", meint etwa Wienerberger-Chef Heimo Scheuch. Oberbank-Chef Franz Gasselsberger meint, der Staat brauche dringend Steuern und Unternehmen brauchen Umsätze.

Um die Coronavirus-Epidemie einzudämmen, hat die Regierung die Wirtschaft lahmgelegt. "Wir sind in einer Situation, die es in keinem volkswirtschaftlichen Lehrbuch je gegeben hat - das Risiko ist brutalst eingeschlagen", umriss der CEO des Telekomanbieters Magenta, Andreas Bierwirth, in einer digitalen Pressekonferenz mit anderen Firmenchefs die dramatische Lage.

Die Unternehmer drängen unisono darauf, der Wirtschaft möglichst rasch wieder Leben einzuhauchen. Am massivsten von der Corona-Krise betroffen seien der Handel (mit Ausnahme des Lebensmittelhandels), die Automobilindustrie sowie Gastgewerbe und Hotellerie, sagte Peter Bartos, Partner der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft BDO Austria, im Zuge der Veranstaltung, die gemeinsam mit dem Nachrichtenportal "Der Boersianer" ausgerichtet wurde.

Oberbank-Chef: "Wir brauchen eine Perspektive für ein Ende der Maßnahmen"

"Wir brauchen eine Perspektive, wann die Einschränkungen gelockert werden können", betonte Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger. Es sei wahrscheinlich allen bewusst ist, dass die Regierung hier nur temporär helfen könne und dass die Haftungen das Problem nicht an der Wurzel lösten. "Wir werden Steuereinnahmen brauchen, die Unternehmen brauchen Umsätze - das ist der erste Weg zurück in die Normalität", so der Banker.

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Schnell wird das nicht gehen: "Die Rückkehr zur Normalität wird nicht nur Monate sondern Jahre dauern", ist sich Magenta-Chef Bierwirth sicher. Die Wirtschaft werde "auf einem deutlich niedrigeren Punkt" wieder hochfahren. Die Erholung wird seiner Einschätzung nach längere Zeit in Anspruch nehmen, als dies "nach Lehman", also der weltweiten Finanzkrise ab 2008/09, der Fall war.

Tempo gibt's dafür bei der Digitalisierung: "Wir sind uns einig, dass jetzt eine Digitalisierungsoffensive durch das Land stürmt", vermerkte der Start-up-Investor Michael Altrichter. "Wir sehen einen exorbitanten Sprung von 'offline' zu 'online'." Auch Oberbank-Chef Gasselsberger ist sich sicher, "dass die jetzige Situation ein Turbo für die Digitalisierung sein wird".

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Doch noch überwiegen die düsteren Szenarien: "Die EU gibt es derzeit nicht mehr - ich krieg zum Beispiel keinen einzigen Techniker von einem Land ins andere", berichtete der Chef des weltgrößten Ziegelkonzerns Wienerberger, Heimo Scheuch. "Hier sprechen wir von massiven Einschränkungen und das alles innerhalb von 48 Stunden - das ist der Wahnsinn, in dem wir uns befinden."

Der Konzernchef wünscht sich ebenfalls mehr Perspektive: "Wir haben keinen Exit-Plan, wir haben keinen Plan für die Zeit danach." Menschen, die gesund seien und die arbeiten wollten, solle man arbeiten lassen. "Sonst haben wir in Österreich nicht nur hunderttausende Arbeitslose, sondern über eine Million." Man müsse "aus der Panikmache rauskommen und einen Schritt in Richtung Normalität gehen".

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Es werde nur über den "staatlichen Kuchen" diskutiert - "zuerst muss man mal das Geld haben und dazu muss es Arbeit geben", plädierte auch Scheuch für eine zügige Wiederbelebung der Wirtschaft. Diesbezüglich sei er "glücklich darüber, dass man in Österreich die Baustellen wieder öffnen darf". Das Land brauche "ein wirtschaftlich intaktes System".

Die Rechnung werde eine sehr hohe sein. "Ich spreche von einem Wiederaufbau, der notwendig sein wird", sagte der Wienerberger-Chef. Denn der aktuelle Eingriff "ist massiv, er ist weltweit und er ist nachhaltig". Die Gesundheit sei das oberste Gut - man müsse aber auch darauf achten, "dass es ein Wirtschaftssystem geben muss, das funktioniert".

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Bei der Rückkehr zur Normalität zählt den Firmenchefs und Unternehmern zufolge jeder Tag: "Die Revitalisierung der Wirtschaft, die auch an die Herz-Lungen-Maschine muss, wird immer anstrengender", strich Bierwirth hervor. Man könne freilich auch nicht die Menschen zurücklassen, um die Wirtschaft zu retten. "Das ist eine ethisch ganz schwierige Situation."

Jede Krise sei gleichzeitig eine "disruptive Entwicklung", so Altrichter. "Trotz der angespannten Situation, die für uns alle sehr schwer ist, sollten wir einen positiven Blick in die Zukunft haben." (apa/red)

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