Interview: Lex Chorherr

Novomatic: "Wir bevorzugen Hilfseinrichtungen, die ein Spendengütesiegel vorzuweisen haben"

Die problematische Verstrickung zwischen privatem Engagement und dienstlicher/politischer Funktion beschäftigt derzeit am Beispiel Christoph Chorherr die Öffentlichkeit. Corporate Governance, bzw. klar geregelte Compliance-Vorschriften helfen dabei, nicht in so eine prekäre Situation zu kommen, meint man bei Novomatic.

Novomatic Compliance

Spenden aus der Bau- und Immobilienbranche sind für Christoph Chorherr, Planungssprecher der Wiener Grünen, kein Problem. Natürlich nur dann, wenn es dabei um den von im gegründeten Verein s2arch, respektive Ithuba geht, als deren Obmann Chorherr nach wie vor fungiert. Dass er für ebendiese Spender in seiner Funktion als Mitglied des Wiener Planungsschusses und stellvertretender Vorsitzender des Wohnbauausschusses auch politisch zuständig ist, fällt da offenbar nicht sonderlich ins Gewicht. Zumindest war das bis vor kurzem so. Mittlerweile ist Chorherr ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Entsprechende Klagen wurden eingebracht, die schwerwiegenden Vorwürfe lauten von Korruption über Amtsmissbrauch, bis hin zu verbotener Geschenkannahme und Geldwäsche. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Umso erstaunlicher war, dass sich Chorherr im Rahmen einer Pressekonferenz dezidiert nicht gegen eine weitere Zusammenarbeit mit bisherigen Spendern aussprach, dafür allerdings klar stellte, wessen Geld er „never ever“ annehmen würde: Nämlich das von Novomatic. Zur Erklärung: Nachdem die rot-grüne Wiener Stadtregierung Anfang 2015 das sogenannte kleine Glücksspiel in Wien rigoros zum Erliegen brachte, ist man alles andere als ziemlich beste Freunde. Pikanterie am Rande: In der Dienstag-Ausgabe des Kurier findet sich unter den Ithuba-Spendern dennoch ein Vertreter der Glücksspielbranche, nämlich die Casinos Austria-Tochter Gold Reef City Casino in Südafrika.

Wie dem auch sei: Wir wollten von Novomatic wissen, wie man mit dieser Abfuhr umgeht und wie genau das Spendenmanagement des Konzerns aussieht.

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Christoph Chorherr würde von Ihnen "never ever" Spendengeld annehmen. Kränkt Sie das?

Nein, wir verfolgen eine klare Sponsoring und Spenden-Policy und zielen auf langfristige sowie für beide Seiten sinnvolle Partnerschaften ab.

Spendet Novomatic überhaupt Geld?

Ja, denn als einer der weltweit führenden Gaming-Technologiekonzerne und österreichischer Leitbetrieb sind wir uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Wir unterstützen daher aktiv ausgewählte Initiativen, die einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten sowie das Prinzip der Soforthilfe erfüllen.

In welcher Größenordnung bewegt sich das finanziell?

Die Höhe orientiert sich nach der Wirkung, die wir erreichen und der Bedeutung des Themas für uns. Da geht es manchmal nur um wenige hundert Euro, manchmal um mehr. Allerdings spenden wir nicht nur Geld. Beispielsweise motivieren wir unsere Mitarbeiter, im Rahmen unserer Freiwilligeninitiative NOVOTeam, Zeit für soziale Aktivitäten zu verwenden.

Um welche Projekte geht es da konkret?

Wir erhalten täglich eine Vielzahl an Anfragen für Spenden – meist sind dies kurzfristige und einmalige Spenden für Einzelprojekte oder Einzelschicksale. Unser Ziel ist es jedoch, uns auf Projekte mit längerfristiger und nachhaltiger Wirkung sowie dem bereits erwähnten Prinzip der Soforthilfe zu konzentrieren. Die Unterstützung von erfahrenen, etablierten Hilfseinrichtungen hat Vorrang vor Spenden an einzelne Betroffene.

Würden Sie für den privaten Verein eines Glücksspielkontrollors Geld spenden?

Im Sinne unserer Definition von "Spende" steht die uneigennützige Unterstützung eines gesellschaftlichen Zwecks im Vordergrund. Zusätzlich halten wir uns im Sinne unserer Corporate Governance an Compliance-Vorschriften. Dazu haben wir eine eigene Konzernrichtlinie beschlossen, die konkrete Verhaltenspflichten und Wertgrenzen für bestimmte Aktivitäten im Geschäftsleben vorgibt.

Wie sieht das zum Beispiel mit einem Charity-Projekt der Casinos Austria aus?

Wir verfolgen eine eigene Sponsoring und Spenden-Policy und stimmen uns hierbei mit keinem anderen Unternehmen ab. Natürlich können im Zuge unseres Spendenfokus auch Projekte unterstützt werden, die andere Unternehmen ebenso unterstützen - diese Information ist allerdings für unsere Entscheidung irrelevant.

Welche Kriterien muss ein Verein, eine Organisation erfüllen, damit Sie Geld spenden?

Wie bereits erwähnt, ist unser Ziel, uns auf Projekte mit längerfristiger und nachhaltiger Wirkung zu konzentrieren. Die Unterstützung von erfahrenen, etablierten Hilfseinrichtungen hat Vorrang vor Spenden an einzelne Betroffene. Darüber hinaus bevorzugen wir Hilfseinrichtungen, die ein Spendengütesiegel vorweisen können, denn dies ist ein guter Indikator für die Vertrauenswürdigkeit des Spendenempfängers. (Ithuba verfügt über kein solches Siegel, Anm.) Weiters verlangen wir von unseren Partnern, dass sie uns genau Auskunft über die Verwendung der Mittel geben.

Christoph Chorherr will die Liste seiner Spender nicht öffentlich machen, sondern nur der Staatsanwaltschaft zeigen. Er macht das, wie er sagt, um seine Spender zu schützen. Hätten Sie ein Problem damit, wenn Ihr wohltätiges Engagement im Zuge von Erhebungen publik würde?

Nein. Wir verfolgen einen klaren Kurs, der sich durch die gesellschaftliche Wirkung der Spende einerseits und den strategischen Fokus unserer Sponsoring und Spenden-Policy andererseits ergibt.

Die Fragen hat Bernhard Krumpel, Konzernsprecher von Novomatic, beantwortet.

Lesen Sie dazu auch einen Artikel aus unserem Archiv: "Der verwaltete Anstand"