Autoindustrie

Medien: Fiat übernimmt Kontrolle über Nissan "für einen Teller Linsen"

Fiat Chrysler will zusammen mit Renault zum weltweit drittgrößten Autohersteller aufsteigen - und so die Marktführer Volkswagen und Toyota herausfordern. Diese Woche könnte die Entscheidung dazu fallen. Medien üben Kritik an den Plänen. Hier alle Eckdaten.

Der Renault-Verwaltungsrat will diese Woche erneut über die Fusionsofferte von Fiat Chrysler (FCA) beraten. Das bestätigte der Hersteller in Boulogne-Billancourt bei Paris auf Anfrage.

Entscheidung diese Woche möglich

Fiat Chrysler hatte zu Wochenbeginn sein Ansinnen mitgeteilt, mit Renault zu fusionieren und zum weltweit drittgrößten Autohersteller aufzusteigen. Der neue Gigant würde die Marktführer Volkswagen und Toyota herausfordern. Am Dienstag könnte die Entscheidung fallen, förmliche Gespräche aufzunehmen, hieß es nun in Frankreich.

Renault hatte unmittelbar nach Veröffentlichung der Offerte des italienisch-amerikanischen Konzerns mit Interesse reagiert. Auch der französische Staat, der 15 Prozent an Renault hält, reagierte positiv. Dazu: Angriff auf VW und Toyota: Fiat Chrysler will Fusion mit Renault >>

Analysten sehen die Pläne positiv

Analysten zufolge könnte die Fusion zum Erfolg für beide Seiten führen: Renault sei besonders in Europa sowie in Russland und Osteuropa stark, etwa mit seinem erfolgreichen Modell "Dacia" im unteren Preissegment. Außerdem gehören die Franzosen bei der Elektromobilität zu den führenden Autobauern. Fiat Chrysler dagegen sei viel stärker als die Franzosen in Nordamerika gut aufgestellt, etwa mit Premiummarken wie "Jeep". 

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Kritik der Medien in Frankreich

In der Öffentlichkeit gibt es jedoch Vorbehalte gegen den möglichen Milliardendeal. Die angesehene Tageszeitung "Le Monde" kritisierte, die Beteiligung von rund 43 Prozent an dem japanischen Renault-Partner Nissan werde mit "quasi Null" bewertet. "FCA übernimmt die Kontrolle des Japaners (Nissan) für einen Teller Linsen", schrieb das Blatt. Auch Nissan ist von den Fusionsplänen seines Partners Renault gar nicht begeistert >>

Fiat Chrysler hatte vorgeschlagen, dass beide Unternehmensgruppen - also Renault und FCA - je die Hälfte an der neuen Gesellschaft halten. Durch die Fusion erhoffen sich die Konzerne jährliche Einsparungen von fünf Milliarden Euro. Zusammen würden sie auf 8,7 Millionen Fahrzeuge im Jahr kommen.

Hintergrund:
Fusionspläne bei Renault und Fiat Chrysler: Ein weiter Weg zum Ziel >>

Nissan sieht in der Fusion Vorteile für die Technik

Der japanische Autobauer Nissan würde bei einem Zusammenschluss seines Partners und Großaktionärs Renault mit Fiat Chrysler einem Insider zufolge in erster Linie auf Vorteile für die Technikentwicklung achten. Es könnten sich Synergien ergeben, sagte eine mit den Überlegungen vertraute Person.

Solche Synergien könnten entstehen, wenn Nissans Know-how zum autonomen Fahren, Elektroautos und umweltschonender Verbrennungstechnik gemeinsam genutzt werden könnte. Vorteile für beide Seiten könne es zum Beispiel bei ihren Pick-up-Modellen in den USA geben oder in der Motorentechnik für die Premiummarken Infiniti bei Nissan sowie Jeep und Alfa Romeo bei Fiat Chrysler.

"Wenn Renault diesen Zusammenschluss verfolgen will, müssen wir das ernsthaft unterstützen", ergänzte er. Allerdings müsse Nissan davon greifbare Vorteile haben.

Nissan-Chef Hiroto Saikawa hatte letzte Woche erklärt, er habe nichts gegen eine Fusion von Renault und Fiat Chrysler. Sie müsse aber auch für den japanischen Autobauer, seit langem in einer Allianz mit Renault, Vorteile haben. Er ergänzte am Montag, falls es dazu komme, müsse die bestehende Partnerschaft von Renault und Nissan grundlegend überdacht werden. Der Insider erklärte dazu, der bisherige 15-prozentige Anteil von Nissan an Renault könnte erhöht werden. (dpa/reuters/apa/red)

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