Stahlindustrie

Konzernchefin Merz: Die Situation für Thyssen ist ernst

Die Coronakrise habe die Schwierigkeiten beim deutschen Industrieriesen "erheblich" vergrößert, so Konzernchefin Martina Merz - doch Thyssenkrupp habe in letzten Monaten auch einige Fortschritte gemacht. Auf die Milliarden aus dem Verkauf der Aufzugsparte muss der Konzern noch warten.

Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz hat angesichts der Einbußen im Zuge der Corona-Krise mehr Tempo bei der Verbesserung der Geschäfte gefordert. "Die schwierige wirtschaftliche Lage bei Thyssenkrupp wird durch Corona erheblich verschärft", sagte Merz in einer Mitarbeiter-Info. "Das Unternehmen befindet sich in einer ernsten Situation."

Neueste Quartalszahlen diese Woche

Wie die meisten anderen Unternehmen müsse auch Thyssenkrupp alles dafür tun, Mittelabflüsse zu vermeiden. Thyssenkrupp legt diese Woche Quartalszahlen vor, die nicht rosig sein dürften. Noch in diesem Monat will Merz Eckpfeiler der neuen Strategie vorstellen.

Auf die Milliarden nach dem Verkauf der Aufzugsparte muss Thyssen warten

Der laufenden Planung komme eine sehr hohe Bedeutung zu, betonte die Managerin. "Die Restrukturierungen, die Kostensenkungen, aber vor allem auch die Maßnahmen im Hinblick auf Umsatzwachstum, die wir in den nächsten zwei bis drei Jahren abarbeiten wollten, müssen wir wegen Corona deutlich schneller hinbekommen."

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Je länger Corona dauere, umso mehr würden die Mittel aus der Elevator-Transaktion aufgezehrt. Damit würden die Spielräume für Investitionen in die Zukunft kleiner. "Wir werden am 18. Mai auch mit dem Aufsichtsrat diskutieren, wie wir damit umgehen. Da arbeiten wir gerade an Lösungen und Optionen. Jetzt gilt es, genauso besonnen wie entschlossen zu reagieren."

Thyssenkrupp hatte Ende Februar die lukrative Aufzugssparte für 17,2 Milliarden Euro an ein Konsortium aus Cinven, Advent und der RAG-Stiftung verkauft. Auf die Gelder muss der Konzern aber noch bis zur Freigabe durch die Kartellbehörden warten. Aktuelle Details dazu: Thyssenkrupp hat für den Umbau viel weniger Geld als gedacht >>

Flaute der Autoindustrie wirkt sich weiter aus

Zugleich macht Thyssenkrupp die schwächelnde Automobilindustrie zu schaffen. Die Autokonzerne haben ihre Produktion zwar inzwischen wieder angefahren. Merz bleibt aber zurückhaltend. "Wir hoffen natürlich wie alle, dass die Nachfrage sich möglichst schnell wieder erholt. Aber aktuell bin ich da skeptisch." Leider sei noch sehr offen, wann und wie sich die Lage normalisieren und auf welchem Niveau die Nachfrage nach der Krise sein werde. "Wir müssen uns daher zu Realismus zwingen und schlicht auf Sicht fahren."

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Thyssenkrupp habe in letzten Monaten etliche Fortschritte gemacht, entscheidend sei aber, dass sich die Geschäfte besser entwickeln. "Wir müssen in allen Einheiten beim Thema Performance noch mehr Ideen einbringen und noch schneller besser werden. Die Fortschritte in den Geschäften sind bisher sehr unterschiedlich. Und – ganz ehrlich – in Summe noch lange nicht ausreichend. Wenn wir da unser Niveau nicht zügig und erheblich verbessern, dann helfen uns alle bisher gemachten Fortschritte nichts." (reuters/apa/red)

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