Industriekonjunktur

KlöCo: Aufhellung in der Stahlindustrie - aber noch lange keine Feierlaune

Das Geschäft der Stahlindustrie zieht wieder an - die Stahlpreise ziehen unter anderem wegen der Strafzölle der EU und der USA gegen chinesische Billigimporte wieder an. Allerdings sei ein erneuter Preisrückgang nicht auszuschließen, so der Stahlhändler Klöckner & Co.

Die Stahlindustrie tritt trotz anziehender Geschäfte auf die Stimmungsbremse. "Nach der Erholung im zweiten Quartal ist bei den immer noch bestehenden Überkapazitäten ein erneuter Preisrückgang nicht auszuschließen", erklärte der Stahlhändler Klöckner & Co.

In den USA könnten die Preise für Bleche wegen der hohen Importe sogar um bis zu 15 Prozent nachgeben, sagte Vorstandschef Gisbert Rühl. Der weltgrößte Hersteller China bemühe sich zwar inzwischen um den Abbau von Überkapazitäten. "Diese sind aber noch gigantisch." Eine Marktbereinigung werde noch Jahre dauern.

Die Schwerindustrie mit Branchengrößen wie Thyssenkrupp und ArcelorMittal leidet seit Jahren unter Billigimporten aus China, Überkapazitäten, Preisdruck und immer schärferen Klimaschutzauflagen. Zuletzt waren die Stahlpreise auch dank der Strafzölle der EU und der USA gegen chinesische Stahlimporte angezogen. "Die Preise sind seit dem Tiefstand Mitte 2015 um etwa 25 Prozent gestiegen", erklärte Rühl. In Europa würden sie nun aber wohl erstmal stagnieren.

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KlöCo kehrt nach Krisenjahr in die Gewinnzone zurück

Nach dem Krisenjahr 2015 kehrte KlöCo im zweiten Quartal in die Gewinnzone zurück. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte auf 72 Mio. Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 17 Mio. Euro in den Büchern stand.

Auch im Gesamtjahr will der Konzern den operativen Gewinn deutlich steigern, einen Nettogewinn erzielen und eine Dividende zahlen. 2016 schrieb das Unternehmen einen Rekordverlust von 347 Mio. Euro. Die im SDax gelistete KlöCo-Aktie zog nach Veröffentlichung zeitweise um über fünf Prozent an und lag mit 12,85 Euro auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren.

KlöCo will der Branchenkrise mit weiteren Einsparungen trotzen. Mit einer strafferen länderübergreifenden Struktur in Europa, die Vorteile beim Einkauf bringen und rund 100 Jobs kosten soll, will Rühl in den kommenden drei Jahren rund 30 Mio. Euro sparen. Zudem baut er den Onlinehandel aus. Bis 2019 soll so die Hälfte des Umsatzes über das Internet abgewickelt werden. Mit dem Online-Handel kann Rühl auch höhere Preise schneller an die Kunden weiterreichen.

Kräftige Gewinnsteigerung bei ArcelorMittal

Die Staatsverschuldung in Europa, der Brexit und eine Konjunkturschwäche in China - all dies sieht KlöCo als Risikofaktoren für die Branche. Der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal hatte in der vergangenen Woche für das zweite Quartal eine kräftige Gewinnsteigerung vorgelegt, aber ebenfalls vor Euphorie gewarnt: "Das Preisumfeld bleibt stabil, allerdings mit einigen Abwärtsrisiken", sagte Arcelor-Finanzchef Aditya Mittal.

Thyssenkrupp senkt Gewinnprognose

Der deutsche Branchenführer Thyssenkrupp legt am 11. August seine Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2015/16 (per Ende September vor). Zuletzt war der Gewinn der Stahlsparte eingebrochen, woraufhin Vorstandschef Heinrich Hiesinger die Prognose für den Gesamtkonzern senkte.

Die Experten der Deutschen Bank rechnen für das dritte Quartal mit einem operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) des Konzerns von 414 Mio. Euro. Das wäre zwar mehr als im die 326 Mio. Euro im zweiten Quartal, aber weniger als die 539 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Die Erholung der Stahlpreise habe später als erhofft eingesetzt, hatte Hiesinger beklagt. (APA/Reuters/red)

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