Strafzölle

IV: Strafzölle würden viele Metallverarbeiter in Österreich treffen

Die Branche der Metallverarbeiter in Österreich ist groß. Besonders die Lieferketten der metallverarbeitenden Industrie und der Autozulieferer würde die Strafzölle spüren, warnt die Industriellenvereinigung.

Die geplanten US-Strafzölle beschäftigen nicht nur europäische Politiker, die diese noch verhindern wollen, sondern vor allem potenziell betroffene Unternehmen. Direkt betroffen wären nach bisherigen US-Plänen klassische Alu- und Stahlerzeuger. Es könnte aber zu noch größeren Folgen für die metallverarbeitende Industrie kommen, die in Österreich verhältnismäßig groß ist, warnt die Industriellenvereinigung.

Kritik auch von der Gewerkschaft

Scharfe Kritik an der geplanten Einführung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium durch die USA kommen auch von den beiden Gewerkschaften GPA-djp und PRO-GE. Sie warnen eindringlich vor protektionistischen Maßnahmen und Dumpingimporten. Diese würden auf Kosten der Arbeitnehmer gehen, da ihre Arbeitsplätze dadurch massiv gefährdet seien. Die wahre Problematik im Stahlsektor seien globale Überkapazitäten gepaart mit unfairen Handelspraktiken.  

USA sind zweitwichtigster Handelspartner Österreichs

Auch die "American Chamber of Commerce in Austria", die Handelskammer der USA in Österreich, positioniert sich gegen neue Zölle und damit gegen die offizielle Linie Washingtons. Die Institution hofft nun auf eine "besonnene Reaktion der EU". Die USA sind der zweitwichtigste Handelspartner Österreichs nach Deutschland.

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Fünf Erzeuger von Stahl, fünf Erzeuger von Aluminium

Von klassischen Alu- und Stahlerzeugern gibt es in Österreich nur je fünf. Groß sind die Voestalpine und die Amag. Die Amag hat bereits bekanntgegeben, einen Gewinnrückgang im Millionenbereich zu erwarten, kommt es zu den neuen Zöllen in den USA. Im Gegensatz zur Voestalpine, die etwaige Auswirkungen noch prüft, produziert die Amag nicht in den USA.

Die Voestalpine tätigt etwa zwei Drittel ihrer US-Umsätze von rund 1 Mrd. Euro als lokaler Erzeuger in den USA. "Wieder eine andere Sache ist, wie die USA künftig Regeln zum US-internen Warenhandel ausländischer Firmen ausgestaltet", gibt der IV-Bereichsleiter Internationale Beziehungen, Michael Löwy, hierzu zu bedenken.

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Metallverarbeiter: Wichtige Rolle in der heimischen Industrie

Für etwaige Gesamtauswirkungen auf die Austro-Wirtschaft ist laut Löwy besonders relevant, inwieweit die metallverarbeitende Industrie betroffen sein könnte. "Denn diese ist in Österreich groß." Sollte die Nachfrage großer europäischer bzw. vor allem deutscher Stahlzentren aufgrund der neuen Zölle nachgeben, könnten heimische Firmen über die Lieferkette womöglich stark betroffen sein. "Das wäre das schlechteste Szenario", sagt der Fachmann im APA-Gespräch.

Unmittelbar wären relativ wenige Firmen betroffen, während über die Lieferketten der metallverarbeitendne bzw. Automotive-Zulieferindustrie sehr wohl viele Unternehmen getroffen werden könnten, so Löwy.

Erste konkrete Berechnungen

Laut Löwy sind derzeit Berechnungen des WIIW die konkretesten: In Österreich würden nach einer ersten Schätzung des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) die Gesamtexporte um 230 Mio. Dollar (186,96 Mio. Euro) sinken. Zum Vergleich: 2017 lagen Österreichs Ausfuhren laut Statistik Austria bei insgesamt rund 142 Mrd. Euro.

Von den österreichischen Gesamtausfuhren entfielen im Vorjahr 9,66 Mrd. Euro auf die USA. Davon entfielen knapp 564 Mio. Euro auf Eisen und Stahl bzw. Waren aus Eisen und Stahl. Weitere knapp 160 Mio. Euro entfielen auf Aluminium bzw. Waren aus Aluminium.

Angenommen, die Stahlexporte würden wegen der Zölle wie vom WIIW berechnet um 20 bis 30 Prozent einbrechen würden die Eisen- und Stahl(waren)-Ausfuhren in die USA also um 113 bis 170 Mio. Euro einbrechen. Bei Alu und Aluwaren wären es 32 bis 48 Mio. Euro. Das wären addiert bis zu knapp 220 Mio. Euro. In beiden Fällen sind etwaige Rückgänge über die Lieferketten nach Deutschland noch nicht eingerechnet.

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Enge Verbindung heimischer Erzeuger zu den USA

Löwy betonte die enge Verwobenheit der US- und Austro-Wirtschaft - die weit über die direkten Einfuhren und Ausfuhren hinausgingen - auch mit den hohen gegenseitigen Direktinvestitionen. Die heimischen Direktinvestitionen in den USA machen 9,7 Mrd. Euro aus, jene der USA in Österreich 15,6 Mrd. Euro. "Damit sind die USA drittgrößter Investor in Österreich und für uns sind die USA die fünftwichtigste Destination für Direktinvestitionen."

Die IV ist gegen sofortige Gegenmaßnahmen der EU, sollten die Gespräche zwischen der Union und der USA scheitern. Wie soll die EU aus IV-Sicht nun vorgehen? Als erstes gelte es mit den USA Gespräche zu führen und im Gespräch zu bleiben. "Es sollte nicht sofort mit Gegenmaßnahmen auf die schlechte, protektionistische Politik geantwortet werden.

Trotzdem muss - auch im Sinne anderer Handelspartner - klar sein, dass, wenn die USA bei der unglücklichen Linie mit den Zöllen bleiben, die EU in allerletzter Konsequenz auch mit Zöllen reagiert", so Löwy. Ein solcher Schritt solle aber "nicht umgehend" gesetzt werden: "Wenn die Gespräche scheitern, muss man sich Zeit lassen. Die Positionen müssen überdacht und die Effekte der US-Politik abgewartet werden. Erst dann sollte signalisiert werden, dass Gegenmaßnahmen ergriffen werden", so Löwy.

Dabei verwies er gegenüber der APA darauf, dass schon frühere US-Präsidenten wie George Bush schlussendlich nur vorübergehend auf Zölle auch auf Stahl gesetzt hätten, da sie kontraproduktiv gewesen seien. (APA/red)