Rohstoffe

Flüssiggasexporte aus den USA nach Europa nehmen zu

Der Handel mit Flüssiggas wird zum wichtigen Faktor in der konfliktreichen Politik von Donald Trump. Im Vorjahr brachten Tankschiffe 55 Milliarden Kubikmeter LNG nach Europa. Künftig sollen diese Exporte einfacher werden und weiter steigen.

Seit das erste Schiff mit Flüssiggas aus den USA im April 2016 den portugiesischen Hafen Sines erreicht habe, hat die EU 2,8 Milliarden Kubikmeter LNG aus den USA importiert. Dies gab die EU-Kommission bekannt. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump hatten vereinbart, den Handel mit Flüssiggas (Liquefied Natural Gas, kurs LNG) zu vereinfachen.

2017 importierten 13 EU-Staaten insgesamt 55 Milliarden Kubikmeter LNG von außerhalb der EU, um zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Flüssiggas-Importe hatten einen Anteil von 14 Prozent der gesamten EU-Gasimporte.

Westeuropäer gehören zu den größten Abnehmern

Der größte LNG-Importeur war Spanien mit einem Anteil von 31 Prozent aller EU-Importe, gefolgt von Frankreich (20 Prozent), Italien (15 Prozent) und Großbritannien (12 Prozent). Der Großteil des Flüssiggases kam aus Katar, Algerien und Nigeria.

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EU kann Gasbedarf nicht einmal zur Hälfte selbst decken

Die EU will durch den vermehrten Import von US-Flüssiggas ihre Energieimporte diversifizieren, die USA ihr Handelsdefizit mit den Europäern ausgleichen. Momentan kann die EU den Gasbedarf nicht einmal zur Hälfte durch eigene Förderungen decken. Der Hauptanteil der Gasimporte kommt aus Russland mit einem Anteil von 39 Prozent aller EU-Gasimporte, gefolgt von Norwegen (30 Prozent) und Algerien (13 Prozent).

Juncker hatte betont, dass "die steigenden Exporte von US-Flüssiggas, bei wettbewerbsfähigen Preisen, eine zunehmende und strategische Rolle in der EU Gasversorgung spielen könnten". Allerdings müssten die USA dazu auch ihren Beitrag leisten. Momentan seien US-Flüssiggas-Exporte noch genehmigungspflichtig. Diese Restriktionen müssten fallen, forderte die EU-Kommission.

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Infrastrukturprojekte kosten rund 640 Millionen Euro

Bisher beteiligte sich die EU bei der Finanzierung von LNG Infrastrukturprojekten im Wert von über 638 Millionen Euro. Zusätzlich zu den in der EU vorhandenen Kapazitätsreserven von 150 Milliarden Kubikmeter, unterstütze die EU 14 weitere LNG-Infrastrukturprojekte. Dadurch soll die Kapazität bis 2021 um weitere 15 Milliarden Kubikmeter erhöht werden, so die Kommission.

Gespräche zwischen Juncker und Trump zu diesem Thema

Juncker und Trump hatten bei ihrem Treffen Ende Juli in Washington die Bildung von Arbeitsgruppen zu Handelsfragen vereinbart. Seither habe es mehrfach Kontakt gegeben.

Am 20. August wird Junckers Berater für Handelsfragen und ein hoher EU-Beamter für Handelsfragen zu Gesprächen nach Washington reisen, um weiter an einer gemeinsamen Erklärung zu arbeiten. Innerhalb des Rahmens der Arbeitsgruppen werde auch weiterhin an einer Steigerung der US-LNG-Exporte nach Europa gearbeitet, so die Kommission.  (APA/red)