Bauindustrie

Brenner Baulos H51: Milliardenauftrag wird neu ausgeschrieben

Die Arbeiten am Baulos Pfons-Brenner werden auf zwei Baulose aufgeteilt und der milliardenschwere Auftrag neu ausgeschrieben. Nach einem Streit zwischen dem Bauriesen Porr und der Errichtergesellschaft des BBT werden die Arbeiten wohl erst im Herbst 2021 weitergehen können.

Nachdem die Errichtergesellschaft des Brenner Basistunnels den Bauvertrag mit dem vom Porr-Konzern angeführten Konsortium des Bauloses Pfons-Brenner gekündigt hat, werden die Bauarbeiten in diesem Abschnitt vermutlich erst im Herbst 2021 wieder aufgenommen. Dies teilte die BBT SE soeben in einer Aussendung nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit.

Die Arbeiten seien seit der Vertragsauflösung unwiderruflich eingestellt. Damit diese aber so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden können, erfolge die Abwicklung der Arbeiten in zwei Baulosen. Die entsprechenden Ausschreibungen sollen jeweils innerhalb des nächsten Jahres erfolgen. Im Zuge des zu überarbeitenden Bauprogramms werden die verbleibenden Arbeiten des Bauloses neu bewertet und optimiert, hieß es.

Zum Streit:
BBT SE kündigt Milliardenvertrag mit der Porr >>

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Vordringlichstes Ziel der BBT SE sei es weiterhin, den BBT im "bestmöglichen Zeit- und Kostenrahmen" voranzubringen, so die Betreibergesellschaft. Mit der Bekanntmachung des überarbeiteten Bauprogramms werde Anfang 2021 gerechnet.

Indes teilte die BBT SE ebenfalls mit, dass die Ausschreibung des Bauloses zwischen der Sillschlucht bei Innsbruck und der Gemeinde Pfons im Wipptal in die Wege geleitet werde. Die Ausschreibung soll Anfang des Jahres 2021 veröffentlicht werden. (apa/red)

Aktuell:
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H51 Pfons-Brenner ist ein sehr besonderes Baulos

Das Baulos H51 Pfons-Brenner ist das größte Baulos des BBT und zugleich das südlichste Baulos auf österreichischer Seite. Der dazu gehörende Bauauftrag ist mit einem Volumen von knapp einer Milliarde Euro der größte jemals vergebene Bauauftrag in der Geschichte der heimischen Bauwirtschaft. Und der Brenner Basistunnel selbst wird nach Fertigstellung mit 64 Kilometern die längste unterirdische Bahnverbindung der Welt. Der Bau erfolgt mittels Tunnelbohrmaschinen, bei denen Österreicher zur Weltspitze gehören, sowie im klassischen Sprengvortrieb, das heißt abwechselnd mit Sprengungen und dem Abtrag des Ausbruchs.

INDUSTRIEMAGAZIN war im Sommer 2019 vor Ort:
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Der Bahntunnel durch den Brenner hat schon eine lange Geschichte: 1986 wurde mit den Planungen begonnen, 2016 sollten die Tunnelarbeiten in Österreich und Italien ursprünglich fertiggestellt werden, zwischenzeitlich war von 2027 die Rede, nun wackelt 2030. Zudem könnte die deutsche Zulaufstrecke möglicherweise erst zwischen 2040 und 2050 fertiggestellt werden. Die Verzögerungen führten auch zu massiven Kostensteigerungen. Waren ursprünglich Baukosten in Höhe von 6 Mrd. Euro eingeplant, dürften es nun mindestens zehn Mrd. Euro sein.