Automobilindustrie

Betriebsräte von Audi: Den Konzernchefs fehlt die richtige Strategie

Harte Kritik von Mitarbeitervertretern am eigenen Konzern: Bei Audi sei eine Strategie aktuell nicht erkennbar - doch das Management müsse dringend handeln, um die Standorte Ingolstadt und Neckarsulm zu sichern.

Der Betriebsrat von Audi hat dem Management Führungsschwäche in der Produktion der VW-Premiumtochter vorgeworfen. Eine Produktionsstrategie sei aktuell nicht erkennbar, erklärte Betriebsratschef Peter Mosch auf der Betriebsversammlung vor rund 8.000 Arbeitnehmern in Ingolstadt. "Das muss sich ändern."

Gerade jetzt müssten Entscheidungen getroffen werden, um die Standorte Ingolstadt und Neckarsulm auf die Elektromobilität vorzubereiten. Zudem forderte Mosch Zusagen für neue Produkte, damit die Werke ausgelastet blieben. Zuletzt übten auch Manager von Audi Kritik an der eigenen  Konzernführung:

Scharfe interne Kritik an den Konzernchefs von Audi >>

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Im Namen des Vorstands erklärte Beschaffungschef Bernd Martens, in allen Baureihen werde es Modelle mit Stromantrieb zur Produktion in allen Werken geben.

Audi ist nach VW am stärksten vom Abgasskandal betroffen

Während die Arbeitnehmervertreter hart ins Gericht gingen mit Audi-Produktionschef Hubert Waltl, übten sie dieses Mal nur verhaltene Kritik an Audi-Chef Rupert Stadler. Dieser müsse seine Informationspolitik überdenken und die Kommunikation mit der Belegschaft verbessern, hieß es in der Mitteilung des Betriebsrats.

Der Audi-Chef steht wegen des Dieselskandals in der Kritik. Immer wieder wird über seine Ablösung spekuliert. Aus den Reihen der Audi-Entwickler nahm die Staatsanwaltschaft München kürzlich den ersten Beschuldigten fest, der für die Manipulation von Dieselmotoren verantwortlich sein soll.

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Audi ist nach der Kernmarke VW im Volkswagen-Konzern am stärksten betroffen vom Skandal um die Manipulation von Diesel-Abgasen bei 11 Millionen Fahrzeugen weltweit. Zwei Entwicklungschefs mussten deshalb bereits gehen.

Die Marke mit den vier Ringen gerät auch gegenüber den Rivalen Mercedes-Benz und BMW immer stärker ins Hintertreffen. Diese steigerten im ersten Halbjahr ihren Absatz jeweils auf mehr als eine Million Fahrzeuge, während Audi mit nur 909.000 knapp 5 Prozent weniger Autos losschlug.

Das sind die nächsten Pläne von Audi

Beschaffungschef Bernd Martens entgegnete dem Betriebsrat laut Redetext, das Management habe einen Plan, Audi aus der Krise zu führen. "Auf eine einfache Formel gebracht, heißt das: Kosten runter Erlöse rauf." Nur mit vollen Kassen könne sich Audi die Investitionen in Elektromobilität oder Digitalisierung leisten.

Geplant seien vier bis fünf zusätzliche Modelle, allesamt Varianten bestehender Baureihen. "Wir stehen vor der größten Modelloffensive in unserer Geschichte", betonte Martens. "Gleichzeitig zünden wir ab dem nächsten Jahr unsere Elektro-Offensive." In jeder Kernbaureihe werde es reine Elektroautos oder Hybride geben. Damit werde auch jeder Produktionsstandort Fahrzeuge mit alternativem Antrieb bauen. (reuters/apa/red)

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